In den Ferien haben sich 15 Schüler eine Woche lang im Jugendzentrum Sunshine versammelt, um zu lernen; und trotz Ferien hatten sie jede Menge Spaß. Denn das Programm war ein besonderes.

Selm

, 19.10.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den Ferien eine andere Sprache lernen? Das klingt nur bedingt spaßig und nicht nach etwas, das die meisten Kinder und Jugendlichen in den Ferien tun wollen. Trotzdem kamen die Sprachferien im Selmer Sunshine, bei den jungen Teilnehmern sehr gut an.

„Das sind keine Sprachferien, das sind Spaßferien“, sagt die 16-jährige Maleika, die vor einem Jahr aus Afghanistan nach Selm kam, und ist sichtlich und hörbar begeistert. Denn bei den Sprachferien, die im Jugendzentrum Sunshine stattgefunden haben, haben die Jungen und Mädchen spielerisch gelernt. Das ist aber nicht das Einzige, das das Ferienprogramm so besonders machte.

Spielerisch lernen, beim „FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch“

Beim „FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch“ des Schulministeriums NRW sollen Kinder von Neuzugewanderten im außerschulischen Alltag - wie der Name es bereits sagt - fit in Deutsch werden. In Selm hat dieses Programm in der ersten Herbstferienwoche das Kommunale Integrationszentrum (KI) Kreis Unna in Kooperation mit dem KreisSportBund (KSB) Unna angeboten.

Das Programm stützt sich auf zwei Säulen: Einmal auf die Sprachförderung, in den Morgenstunden. „Die findet aber handlungsorientiert statt, also nicht nur mit Blatt und Stift“, sagt Maria Galisteo vom KI. Zudem spielt sich diese auf zwei Arten ab: digital, etwa an Tablets, und analog.

Unter anderem haben die Kinder eine Stadt in einem Nebenraum aufgebaut. Mithilfe von Hockern, Kisten, Bildern und Zetteln. Die Beschriftung der einzelnen Gebäude, etwa der Post oder des Rathauses, wurde gemeinsam mit den Kindern vorgenommen. Dabei lernten sie Begriffe wie Rathaus, Post oder Krankenhaus näher kennen.

Beim Erstellen der Stadt, die im Jugendzentrum Sunshine aufgebaut wurde, halfen die Kinder mit. Sie zeichneten unter anderem Straßen und benannten die "Gebäude".

Beim Erstellen der Stadt, die im Jugendzentrum Sunshine aufgebaut wurde, halfen die Kinder mit. Sie zeichneten unter anderem Straßen und benannten die "Gebäude". © Kreis Unna

Hierbei sei ungemein wichtig und möglich, „dass jeder an seinem individuellen Punkt des Lernens abgeholt wird“, sagt Carina Eller. Eller gehört als pädagogische Mitarbeiterin zum Jugendzentrum Sunshine und ist eine von zwei Sprachlernbegleitern, die den insgesamt 15 Kindern mit Rat und Tat zur Seite stand.

Das taten sie laut Maleika, Avsin (11), Meena (13), Ayla (15) und Aydan (11) aber auf sehr freundschaftliche Art und Weise. „Das fühlt sich nicht wie Schule an“, sagt Avsin. Und genau das sei der Punkt, sind sich alle Beteiligten einig. Dafür sorgt auch das sportliche Programm, das am Mittag stattfindet und das vom KSB Unna gestaltet wird. Dieses stellt die zweite Säule der Maßnahme dar.

Nach dem Mittagessen können die jungen Teilnehmer sich bei einem abwechslungsreichen Sport- und Aktivitätenprogramm austoben - unter anderem beim Tischfußball.

Nach dem Mittagessen können die jungen Teilnehmer sich bei einem abwechslungsreichen Sport- und Aktivitätenprogramm austoben - unter anderem beim Tischfußball. © Verena Halten

Im Sunshine haben die Kinder Billard, Tennis oder Tischfußball gespielt. Eigentlich sollte jeden Tag ein Sportverein aus Selm vor Ort sein, sagt Alina Manjal vom KSB. Doch Corona und die neuen Richtlinien machten dem einen Strich durch die Rechnung - weil es sich meistens um Kontaktsportarten handelte. „Seit dem Wochenende haben die Vereine davon Abstand genommen“, sagt Manjal.

Auch so ließen sich die Kinder aber für die eine oder andere Sportart begeistern. Durch Sport könne man den Kindern jedoch ebenso Anerkennung zeigen, Synergien durch die Zusammenarbeit fördern und die Kinder mit Gleichgesinnten zusammenbringen. Dabei werden immer wieder Vokabeln aufgeschnappt und Dinge vermittelt, die in der Schule eher zu kurz kommen. Etwa sowas „Banales wie das Uhr ablesen“, sagt Sprachlernbegleiter Ilias Mitat.

Lernen, ganz ohne Druck auszuüben

„Ich habe hier viel gelernt“, sagt Ayla. Und das ganz ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen. Zudem helfen die Kinder sich gegenseitig, etwa wenn einer mal nicht wisse, was ein Wort bedeute. „Das hilft mir sehr“, sagt die 15-Jährige, die vor rund einem Jahr von Aserbaidschan nach Cappenberg kam.

Bevor das Sprachtraining zum ersten Mal nach Selm kam, wurde es seit 2018 unter anderem als Pilotprojekt in Holzwickede, Bergkamen und Fröndenberg getestet. Als Nächstes zieht es nun von Selm nach Werne weiter.

Es soll in Zukunft wieder in Selm angeboten werden. Aber, laut Galisteo sollen Institutionen wie das Jugendzentrum Sunshine, mit Unterstützung von Kooperationspartnern, es dann selbst durchführen. Denn die Sprachferien seien eine Maßnahme, die auch ohne das KI durchgeführt werden kann. Genau dafür wurden Sprachlernbegleiter wie Eller und Mitat vor dem Beginn der Sprachferien mittels eines Online-Seminars geschult.

In der Stadt, die die Kinder - hier zu sehen sind (v.l.) Aydan, Meena, Avsin und Ayla - in einem der Räume des Jugendzentrums Sunshine gebaut haben, können sie unter anderem Briefe schreiben und zur Post bringen - dadurch lernen sie ganz alltägliche Dinge.

In der Stadt, die die Kinder - hier zu sehen sind (v.l.) Aydan, Meena, Avsin und Ayla - in einem der Räume des Jugendzentrums Sunshine gebaut haben, können sie unter anderem Briefe schreiben und zur Post bringen - dadurch lernen sie ganz alltägliche Dinge. © Verena Halten

Die Teilnahme läuft über die Schulen. Auch Maleika, Meena und Co. wurden vor den Herbstferien von ihren Klassenlehrern auf das Training angesprochen und dann für dieses angemeldet. Und das Interesse war laut Galisteo groß. Größer, als die Zahl der Plätze war. Würden die Kinder wieder teilnehmen?

„Ja“, sagt Avsin. Und zahlreiche neue Freunde, die sie durch die Maßnahme kennengelernt hat, stimmten ihr zu. Zum Schluss gab es übrigens noch ein Geschenk für alle Teilnehmer, das vom Schulbuchverlag zur Verfügung gestellt wurde: ein Bildgrammatikbuch. Damit das spielerische Lernen auch nach den Sprachferien weitergehen kann.

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