Wasserverbrauch zeigt: Die Menschen stehen in Corona-Zeiten später auf

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Der Arbeitsweg zum Home-Office ist kurz: Die Zeitersparnis scheinen viele Menschen in Selm, Olfen und Nordkirchen in mehr Schlaf zu investieren. Das zeigt eine Blick auf den Wasserverbrauch.

Olfen, Selm, Nordkirchen

, 15.04.2020, 08:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kontaktverbot und Home-Office-Pflicht in vielen Betrieben: Das Coronavirus hat das Leben in der Region seit Mitte März vielerorts auf den Kopf gestellt. Das merken auch die Wasserversorger. Ein Blick auf ihre Daten zeigt, dass sich die Gewohnheiten bei vielen Menschen in Selm, Olfen und Nordkirchen schon geändert hat.

Allerdings: Die Menschen verbrauchen noch immer genauso viel Wasser wie vor der Corona-Krise. 260.000 bis 270.000 Kubikmeter Wasser liefert Gelsenwasser pro Tag etwa aus dem eigenen Wasserwerk in Haltern, sagt Gelsenwasser-Pressesprecherin Heidrun Becker gegenüber der Redaktion. Olfen wird komplett mit Wasser aus dem Halterner Werk versorgt. In Selm und Nordkirchen kommt das Wasser aus Haltern und aus Werken in Echthausen (Wickede an der Ruhr) und Halingen (Menden im Sauerland).

Spitzen-Verbrauchszeiten haben sich verschoben

An den Daten aus den Wasserwerken kann Gelsenwasser ablesen, dass sich der Alltag der Selmer, Olfener und Nordkirchener verändert hat. „Die Peaks haben sich verschoben“, sagt Heidrun Becker. Peaks sind die Spitzen, zu denen die Menschen besonders viel Wasser verbrauchen.

Normalerweise beginne es um 6 Uhr morgens, dass die Menschen anfangen, mehr Wasser zu verbrauchen, sagt Becker. Normalerweise und noch Anfang März sei es so gewesen, dass zwischen 9 und 10 Uhr am meisten Wasser genutzt wurde. Doch nun hat sich diese Spitze um eine Stunde verschoben. Eher zwischen 10 und 11 brauchen die Menschen nun das meiste Wasser. Das zeigten die Daten von Ende März, als ganz Deutschland schon Beschränkungen wegen des Coronavirus befolgte. Aktuelle Zahlen von Anfang April zu vergleichen, mache dagegen durch die Osterfeiertage keinen Sinn, sagt Becker.

Die Grafik von Gelsenwasser zeigt für die einzelnen Wasserwerke die Wasserabgabe aus dem Netz. Olfen enthält sein Wasser komplett aus Haltern (grüne Kurven), Selm und Nordkirchen zum Teil aus Haltern und zum Teil aus Halingen und Echthausen (hellblaue Kurven). Die Vergleichstage sind der 1. März 2019 (punktierte Linie) und der 27. März 2020 (Strich), jeweils ein Freitag. Deutlich sichtbar ist der am Morgen deutlich später ansteigende Wasserverbrauch.

Die Grafik von Gelsenwasser zeigt für die einzelnen Wasserwerke die Wasserabgabe aus dem Netz. Olfen enthält sein Wasser komplett aus Haltern (grüne Kurven), Selm und Nordkirchen zum Teil aus Haltern und zum Teil aus Halingen und Echthausen (hellblaue Kurven). Die Vergleichstage sind der 1. März 2019 (punktierte Linie) und der 27. März 2020 (Strich), jeweils ein Freitag. Deutlich sichtbar ist der am Morgen deutlich später ansteigende Wasserverbrauch. © Ralf Lukaschewsky (Gelsenwasser)

Wahrscheinlich stehen die Menschen später auf als sonst, wenn sie zur Arbeit fahren, vermutet Gelsenwasser-Sprecherin Becker. Abends allerdings ist der Spitzenwasserverbrauch gleich geblieben. Zwischen 19 und 20 Uhr verbrauchen die Menschen am meisten Wasser.

Wird das Mittagessen verschoben?

Ein Peak fällt seit einigen Wochen aus: der um 12 Uhr. „Der hat sich eigentlich erledigt“, sagt die Pressesprecherin. Warum, darüber können die Wasserversorger anhand ihrer Daten nur spekulieren. Vielleicht frühstücken die Leute später und länger, vermutet Heidrun Becker. Dafür fiele vielleicht das Mittagessen kochen um 12 Uhr aus oder verschiebe sich. „Aber das sind nur Vermutungen“, sagt die Gelsenwassersprecherin. Die nackten Zahlen zeigen nur, dass sich etwas geändert hat - nicht aber warum.

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