Was das Unternehmen Planttech so erfolgreich macht und warum es fast Selm verlassen hätte

dzWikult-Dämmerschoppen

Fast jedem hat schon einmal ein Produkt geholfen, das aus einer Maschine stammt, die in Bork produziert wurde: eine Erkenntnis, die nicht nur Gäste des Wikult-Dämmerschoppens staunen lässt.

Bork

, 21.06.2019, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle zwei Jahre richtet der Wirtschafts- und Kulturförderverein Selm (Wikult) einen besonderen Dämmerschoppen aus. Dabei ist dämmern eigentlich das falsche Wort. Denn es geht darum, die Augen weit aufzusperren und neugierig auf örtliche Unternehmen zu blicken, die längst nicht jeder kennt - wie die Planttech Engineering GmbH am Louis-Berger-Weg in Bork: ein rasant wachsendes, international tätiges Unternehmen, das allerdings kurz davor stand, dem Standort Selm den Rücken zu kehren.

Warum das so war, wie gut es ist, dass es nicht dazu kam und was Planttech so einzigartig macht, erfuhren Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke und seine 80 Vereinskolleginnen und -kollegen sowie Gäste aus Olfen am Freitagabend. Planttech-Gründer und Geschäftsführer Mark Eickermann führte sie auch durch sein Reich.

Alles beginnt vor 20 Jahren als Zwei-Mann-Betrieb im Keller

Die Geschichte von Planttech begann im Jahr 1998 – im Keller. „Die Garage war das Lager“, erzählte der heute 50-jährige Chef. Er begann damals mit einem Kollegen Ingenieurs-Dienstleistungen für die Pharmabranche anzubieten. Anlagen planen für die besonderen Bedürfnisse von Medikamentenherstellern und das Material dafür beschaffen: Das ist noch heute die Aufgabe. Den Keller hat der Verfahrenstechniker aber längst verlassen.

Was das Unternehmen Planttech so erfolgreich macht und warum es fast Selm verlassen hätte

Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke (v. l.) und Künstler Heinz Cymontkowski freuen sich, dass die Geschäftsführer der Planttech Engineering GmbH, Martin Eßmann und Mark Eickermann, ihnen und den übrigen Mitgliedern des Wirtschafts- und Kulturfördervereins ihren Betrieb vorgestellt haben. © Sylvia vom Hofe

„1999 kauften wir das Grundstück in Selm-Bork und ließen hier das heutige Hauptgebäude errichten“, erfuhren die rund 80 Wikult-Mitglieder sowie Gäste aus Olfen. Planttech blieb nicht mehr nur Engineering-Dienstleister, sondern wurde Komplettanbieter: „Montage, Qualifizierung und umfassender Kundenservice – alles aus einer Hand. 2002, 2006, 2013, 2014, 2018, 2019 - die immer kürzere Abfolge der nächsten Wachstumsschritte, die mit weiteren Baumaßnahmen einhergingen, zeigen, wie gut es Planttech geht. „Die Auftragsbücher sind voll“, so Eickermann. Dennoch bleibt er bodenständig - und sorgt vor.

Geschäftsführer bleibt trotz des Erfolgs vorsichtig

Er baue lieber mehrere nicht zu große Industriehallen - alle übrigens Holzständerbauweise - als alles unter einem Dach zu konzentrieren. Wenn es einmal nicht mehr so gut laufe, ließen sich dann einzelne Teile veräußern, ohne das gesamte Unternehmen zu gefährden, so Eickermann. Ähnlich vorsichtig ist er bei der Personalplanung. Deshalb hält er am festen Stamm von 30 Mitarbeitern fest: die meisten von ihnen seit langem dabei. „Alles Top-Kräfte“, wie der Chef sagt. Um Produktionsspitzen dennoch zu meistern setzt er auf Leiharbeiter, bis zu 20 Kräfte zurzeit.

Ob Magentabletten oder Einweg-Kontaktlinsen: Produkte, die fast jeder kennt, werden von Pharmaunternehmen mit Maschinen aus Bork hergestellt, wie die Gäste erfuhren. Dabei spielt oft eines eine wichtige Rolle: Reinstwasser, also Wasser, das frei ist von Fremdstoffen. Anlagen zur Herstellung, Lagerung und Verteilung dieses Reinstwasser seien „einer unserer Produktschwerpunkte“.

Am fehlenden Internet wäre es fast gescheitert

Trotz der positiven Entwicklung: An einer Stelle hakte es zuletzt. Wegen der fehlenden Glasfasertechnik hätte er fast die Stadt Selm verlassen, so Eickermann. „Doch da hat der Bürgermeister richtig Gas gegeben.“ Jetzt gebe es schnelles Internet.

Das Reinstwasser diente Künstler Heinz Cymontkowski zur Inspiration - nicht nur für die Auswahl seiner Gemälde, die er in einer Planttech-Halle präsentierte, sondern auch für seine Ansprache. Vom Ternscher See schlug er den Bogen bis zu den Farben, die sich im Wasser spiegeln. In Selm, so Cymontkowski, sehe er zurzeit aber leider zu oft grau.

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