Warum Haus Knipping wohl nicht abgerissen wird

Zwangsversteigerung abgeschlossen

Der zweite Zwangsversteigerungstermin hat gestochen: Haus Knipping, die alte Gaststätte im Selmer Dorf an der Ludgeristraße 32, ist versteigert. Es bahnt sich also an, dass es bald einen neuen Eigentümer gibt. Was hat der vor? Wir sprachen am Freitag mit ihm und klären die ersten wichtigen Fragen.

SELM

, 27.03.2015, 19:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Haus Knipping wurde versteigert: Werner Wetekamp bekam den Zuschlag vor dem Amtsgericht Lünen.

Haus Knipping wurde versteigert: Werner Wetekamp bekam den Zuschlag vor dem Amtsgericht Lünen.

Wer hat Haus Knipping ersteigert?  Der Mann, der den Zuschlag vor dem Amtsgericht Lünen bekam, heißt Werner Wetekamp. Kein Unbekannter in Selm: Er hat eine Professur an der Fachhochschule Dortmund, wohnt aber in Selm und wuchs auch in Selm auf. Wetekamp ist engagiert in seinem Wohnort: Er arbeitet mit im sogenannten Experten-Beirat „Langer Tisch“, den Bürgermeister Mario Löhr 2010 ins Leben rief. Dort ist er in der Projektgruppe als Mitautor für das Buch über Selmer Persönlichkeiten tätig. 

Warum hat der Mann Haus Knipping ersteigert?  Er hat hier Privatvermögen angelegt und verbindet damit natürlich wirtschaftliche Interessen. Aber: Er ist daran interessiert, etwas zur Stadtentwicklung in Selm beizutragen. Es sei wichtig, weitere Brachflächen in Selm zu verhindern. 

Was passiert nun auf dem Grundstück und mit dem Gebäude? Klar ist: Wetekamp will das markante Gebäude erhalten, nicht abreißen. „Man sollte nicht alle alten Häuser abreißen“, so der Selmer. Klar ist auch: Wenn Wetekamp Eigentümer werden sollte, was nun der normale Weg wäre, würde er keine Gaststätte in dieses Haus einziehen lassen. Die große Dichte, wie es sie früher gab, funktioniere heute einfach nicht mehr, sagte er uns. Er wolle aber eng mit der Stadtverwaltung zusammenarbeiten, um eine Nutzung zu finden, die auch der Stadt ins Konzept passt. 

Wie geht es jetzt weiter?  Zunächst einmal muss das Grundbuch geändert werden. Erst wenn der Eintrag geändert ist, ist Wetekamp rechtmäßiger Eigentümer. Wenn es so kommt, wovon man ausgehen kann, dann plant Wetekamp etwa für den Sommer eine Inventar-Versteigerung: Wer mag, kann sich dann in der Gaststätte umsehen und Barhocker, Zapfanlage oder ähnliches ersteigern. Vermutlich hängen an einigen Inventar-Gegenständen noch persönliche Erinnerungen so mancher Selmer. 

Was hat der Käufer für den Kauf bezahlt? Das ist nicht bekannt. Klar ist, dass ein Verkehrswert von 738.000 Euro laut einem Gutachten die Bemessungsgrundlage bei der ersten Zwangsversteigerung im November war. Da damals niemand den Zuschlag erhalten hatte, darf man davon ausgehen, dass der Verkaufswert nun darunter liegt. 

Jetzt lesen

Warum wurde Haus Knipping überhaupt zwangsversteigert? Im April 2013 übernahm Rechtsanwalt Thomas Kubatta aus Dortmund die Zwangsverwaltung. Da lief schon seit einigen Monaten kein Bier mehr aus den Zapfhähnen. Auch der Hotelbetrieb wurde im Frühjahr 2013 eingestellt. Im August 2009 übernahmen Patrycja und Thomas Kühl das Selmer Traditionshaus von Familie Knipping. Inhaber Hugo Knipping starb 2007, seine Tochter Jutta Siemerling führt nach seinem Tod das Haus weiter.

Lesen Sie jetzt