Für manche Selmer Haushalte gibt es bald Glasfaser, andere müssen bangen. © dpa
Glasfaserausbau

Warum Glasfaser-Ausbau für manche Selmer doch bald losgeht

Rund fünf Prozent der Selmer haben einen Vertrag mit der Westenergie Breitband GmbH für schnelles Internet abgeschlossen. 40 Prozent müssten es aber sein. Für manche gibt es trotzdem Hoffnung.

„Das darf doch nicht wahr sein“, schimpfte die Selmerin. Sie hatte gerade in den RN gelesen, dass der Glasfaserausbau auf der Kippe stehe, weil sich bislang zu wenige Interessierte gemeldet hätten. Die Frau hatte nach der Lektüre nicht zuerst in der Redaktion nagerufen, sondern zunächst bei Westenergie und im Amtshaus – ohne Erfolg. Dabei steht für sie fest. „Das Projekt ist enorm wichtig.“ Schnelles Internet sei nicht nur im Homeoffice ein Muss. „Es würde auch eine Wertminderung für die Immobilie bedeuten, wenn wir nicht anschließen könnten.“ Nach dem Telefonat mit den RN hatte sich die Stimmung der Frau gebessert.

„Das ist ja ein Traum“, sagte die Nettebergerin anschließend. Da hatte sie gerade erfahren, dass sie auf jeden Fall schnelles Internet bekommen werde. Genau wie vielen anderen Selmerinnen und Selmern war ihr nicht bewusst, dass es gerade zwei Programme für den Glasfaserausbau in Selm gibt, die von ein und derselben Firma betrieben werden: eines mit guten Chancen, das andere auf der Kippe. Katrin Frendo, Sprecherin der Westenergie Breitband GmbH, wie der zum Eon-Konzern gehörende Internetanbieter inzwischen heißt, kann die Verwirrung verstehen.

Angebote für zwei unterschiedliche Zielgruppen

Auf der einen Seite wirbt das Unternehmen derzeit in der Selmer Stadtmitte um Kunden, die über ihren Vertragsabschluss dafür sorgen, dass das Unternehmen Glasfaserleitungen für schnelles Internet verlegen kann. Damit dies für das Unternehmen wirtschaftlich ist, müssen 40 Prozent der Haushalte mitmachen. Und aktuell ist man bei gerade einmal 5 Prozent. Zu wenig, so dass diesem Projekt wie berichtet das Aus droht.

Auf der anderen Seite erhielt die Westenergie Breitband GmbH aber auch den Zuschlag der Stadt Selm, in den Außenbereichen der Stadt Glasfaser zu verlegen und die dortigen Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen. Sogenannte „Weiße Flecken“ in der Karte der Netzabdeckung sollen damit beseitigt werden. Dieses Projekt wird staatlich gefördert – und Kunden, die sich während der Verlegungsphase der Glasfaserkabel einen Anschluss legen lassen, profitieren von günstigen Anschlussgebühren, da ohnehin gebuddelt wird. „Da gibt es auch etliche Verträge“, freut sich Katrin Frendo, dass viele Haushalte einen Quantensprung in Sachen Schnelligkeit machen werden.

Bund fördert den ländlichen Raum

Darüber freut sich auch die Anruferin: eine Anwohnerin von der Straße „Auf der Dinkel“: „Ich habe mich mega gefreut, als der Mann hier klingelte und Informationsmaterial da ließ“, sagt sie, denn wie viele andere ist sie in diesen Tagen im Homeoffice und muss ständig auf den Firmenserver zugreifen. „Eigentlich haben wir eine 16000er Verbindung, aber bei uns kommen nur 8000 bis 9000 an. Da kann ich mir einen Kaffee kochen, bis eine größere Excel-Datei geladen ist“, beschreibt sie die aktuelle, unbefriedigende Situation – und warum sie einen Schrecken bekam, als sie vom vermeintlichen Aus für den Glasfaserausbau hörte.

Doch das ist ein Trugschluss, denn der geförderte Breitbandausbau findet statt. Am Montag wird der symbolische Spatenstich erfolgen. Dennoch weist Katrin Frendo darauf hin, dass alle Kunden bis Ende des Jahres, sofern noch nicht geschehen, noch die Nutzungsgenehmigung unterschreiben müssen, damit die Bauarbeiten auf den Privatgrundstücken durchgeführt werden können. Und sie wirbt bei allen, die noch keinen Vertrag haben, dass der Anschluss im Zuge der Maßnahme deutlich günstiger ist als danach.

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