Gaby Prott-Völkel und Jürgen Gosmann hoffen sehr darauf, dass sie endlich wieder die Tür für Kunden öffnen dürfen. Die Zahlen im Kreis Coesfeld geben es locker her. © Thomas Aschwer
Einzelhandel

Ware ist geliefert – aber Kunden stehen bei Prott in Olfen vor geschlossener Tür

Die Verunsicherung ist am Morgen nach der Bund-Länger-Konferenz groß: „Dürfen wir am Montag (8.) öffnen?“, fragen sich Gaby Prott-Völkel und Jürgen Gosmann. Die Antwort lässt auf sich warten.

Das nass-kalte Wetter mit vielen Schauern und grauem Himmel passt zur Stimmung von Gaby Prott-Völkel und Jürgen Gosmann vom Unternehmen Prott (Holzstudio und Dekodesign) in Olfen. „Wir vom Handel haben nicht die Lobby“, sagt Jürgen Gosmann. Drogerie- und Supermärkte können alle Produkte ihrer Sortimente verkaufen – auch Deko oder Schuhe.“ Die Fachgeschäfte müssten hingegen geschlossen bleiben. „Wir fühlen uns ungerecht behandelt“, sagt der Olfener Unternehmer und hat ein deutlich drastischeres Wort auf den Lippen.

Zu der Situation passt die unklare Situation am Donnerstagmorgen. Der Kreis Coesfeld unterschreitet die am Abend zuvor von der Politik festgelegten Werte. Sehr deutlich sogar. Hoffnung ist in Sicht, auch Prott in Olfen kann am Montag (8.) öffnen. Oder doch nicht? Der Kreis Coesfeld spricht auf Anfrage dieser Redaktion am späteren Vormittag von einer „dynamischen Lage“.

Der (finanzielle) Druck auf den örtlichen Handel nimmt unterdessen weiter zu. Die vor Monaten bestellte und auch bezahlte Ware füllt immer mehr Regale, Tische und andere Präsentationsmöglichkeiten. Sie können aber nicht an die Frau und den Mann gebracht werden. „Einen Online-Shop können wir als kleines Unternehmen nicht stemmen“, sagt Jürgen Gosmann. Dazu komme, so Gaby Prott-Völkel, die Gefahr des Bruchs beim Versand oder Rücksendungen.

Fensterverkauf ist nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Aus ihrer Sicht spiele die Inspiration vor Ort gerade bei Deko eine entscheidende Rolle. Seit einigen Tagen gibt es deshalb einen Fensterverkauf. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Gosmann. Er hat deshalb Mails an die Politik verschickt – auch an politisch Verantwortliche in NRW. Antworten habe er erhalten, aber keine persönlichen, immer nur Standardschreiben.

„Warum ist kein Terminverkauf möglich“, nennt der Unternehmer eine seiner konkreten Fragen. Gaby Prott-Völkel und Jürgen Gosmann hätten sich schon vor Wochen gerne die Zeit genommen, um einzelne Kunden für einen festgelegten Zeitraum im Geschäft zu bedienen. Aus seiner Sicht ist „der Politik der Weitblick abhanden gekommen“. Das werde dramatische Folgen haben. „Das dicke Ende kommt noch.“

Nach vielen Gesprächen mit anderen Unternehmern hat sich bei ihm der Eindruck verfestigt, dass „viele keine Perspektive mehr für sich und ihr Geschäft oder ihren Gastronomiebetrieb mehr sehen“. Dann sei es schwierig, beim Ende des Lockdowns den Schalter umzulegen und wieder durchzustarten. Eine Situation, die auf den Olfener Betrieb nicht zutrifft. Gerade in der Pandemie profitiert er stark von seinen zwei Standbeinen.

Holzstudio kämpft mit ungewöhnlich langen Lieferzeiten

Das Holzstudio kann sich über Nachfragen nicht beklagen, hat aber ein anderes Problem. Weil in der Pandemie in Privathaushalten renoviert, erneuert und ausgetauscht wird wie nie zuvor, sind die Lieferzeiten für Türen oder Fußböden aktuell extrem lang. Und was gerade nicht lieferbar ist, kann natürlich auch nicht verkauft werden und damit kein Geld in die alles andere als gut gefüllte Kasse spülen. „Wir haben schließlich schon seit Mitte Dezember zu.“

Doch das Olfener Familienunternehmen ist es gewohnt, für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Unvergessen ist der Großbrand am ursprünglichen Standort an der Hafenstraße, als Geschäfts- und Wohnhaus sowie der Lagerholzschuppen durch ein Brand völlig zerstört wurde. Doch die Familie hat nicht aufgegeben. 2014 konnte sie den Neubau an der Schlosserstraße eröffnen. „Wir waren der erste Betrieb im neuen Gewerbegebiet“, sagt Jürgen Gosmann.

Doch die Pandemie und die damit verbundene „Zwangsschließung“ über viele Wochen haben der positiven Entwicklung ein abruptes Ende bereitet. Jetzt komme es darauf an, dass Gaby Prott-Völkel und Jürgen Gosmann das Geschäft wieder öffnen dürfen. Die Zahlen im Kreis Coesfeld geben es locker her. Aktuell deutet vieles darauf hin, dass es zumindest einen Terminverkauf geben kann.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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