Waldschule Cappenberg stellt wieder Fangzäune für Kröten auf - aber viel früher als sonst

dzAmphibienschutz

Einen Kilometer Zaun stellten die Helfer der Waldschule Cappenberg auf. Denn demnächst gehen die Kröten wieder auf Wanderschaft. Das könnte in diesem Jahr deutlich eher geschehen als sonst.

von Marcel Schürmann

Cappenberg, Lünen

, 17.02.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Knapp 30 Helfer packten am Samstag (15.2.) in Cappenberg mit an. Sie verrichteten Schwerstarbeit. Denn wie in jedem Jahr mussten auch nun wieder die Schutzzäune für Amphibien aufgestellt werden. Furchen graben, Zäune einbetten und mit Heringen fixieren, und Löcher buddeln für die Eimer, in die die Tiere demnächst bei ihrer Wanderung hineinfallen sollen.

Martina Schmidt von Boeselager ist die Leiterin der Waldschule Cappenberg. Sie kümmert sich seit 30 Jahren jährlich um die Aufstellung des Kröten-Fangzauns. Dabei kann sie auf tatkräftige Unterstützung ihrer Mitarbeiter und vieler Freiwilliger zählen. Unter anderem halfen wieder Mitglieder des Tierschutzvereins Lünen, einige Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Lünen und Privatleute mit bei der Errichtung des Zauns.

Teiche in Cappenberg sind Laichgebiet für tausende Kröten

Die Teiche südlich des Schlosses Cappenberg sind das Laichgebiet für tausende Amphibien in der Gegend. Im Winter ziehen sich beispielsweise Erdkröten in bewaldete Gebiete zurück, vergraben sich unter Blättern und Erde und fallen in eine Art Winterstarre.

Jetzt im Frühjahr steht wieder eine Massenbewegung der Kröten bevor. „Wenn es bald wieder wärmer wird, erwachen die Kröten aus ihrer Winterstarre und kommen instinktiv zum Laichen zurück zu dem Ort, an dem sie einst selbst geboren sind“, sagte Martina Schmidt von Boeselager.

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Die besten Fotos der Errichtung des Kröten-Fangzauns

In Cappenberg gehen demnächst wieder die Kröten auf Wanderschaft. Damit sie es auch sicher auf die andere Straßenseite schaffen, hat die Waldschule Cappenberg wieder einen Fangzaun errichtet.
15.02.2020
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Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann
Die Helfer der Waldschule Cappenberg errichten zum Schutz der Amphibien Fangzäune.© Marcel Schürmann

Straße birgt Gefahren für die Kröten

Doch das bewaldete Gebiet und die Teiche sind durch Straßen voneinander getrennt. Das birgt Gefahren für die Kröten. „Die Autofahrer sehen die Kröten nicht. Daher ist es wichtig, dass wir die Zäune aufstellen, die die Tiere daran hindern, die Straßen zu überqueren“, so Schmidt von Boeselager.

Alle 20 Meter sind an den Fangzäunen entlang der Straßen Am Brauereiknapp, Schloßberg, Im Dreschfeld sowie Hirschwiese ebenerdig Eimer in den Boden eingebettet, in die die Kröten bei ihrem Versuch, den Zaun zu umgehen, fallen sollen.

Kröten werden in diesem Jahr früher erwartet

„Demnächst, wenn die Wanderung losgeht, kontrollieren wir jeden Morgen die Eimer und bringen die Kröten auf die andere Straßenseite zu den Teichen. An manchen Tagen auch zwei Mal“, so die Leiterin der Waldschule.

In diesem Jahr - so glaubt sie - werden die Kröten früher auf Wanderschaft gehen als sonst. „Der Winter ist fast komplett an uns vorbeigegangen. Bei den milden Temperaturen aktuell können die Kröten schon einige Wochen vorher auf Wanderschaft gehen. Woanders gab es sogar schon die ersten Massenbewegungen. Deshalb errichten wir den Zaun dieses Jahr zwei Wochen eher als üblich“, sagte sie. Mittlerweile habe sie schon „ein gutes Gespür dafür, wann es losgehen kann.“

Weniger Kröten als früher

In den vergangenen Jahren habe sie einen deutlichen Rückgang der Kröten wahrgenommen. „In guten Jahren hatten wir insgesamt bis zu 6000 Kröten, die wir rübergebracht habe. Letztes Jahr war es sehr trocken. Da waren es nur knapp 1000. Da macht sich der Klimawandel echt bemerkbar“, sagte Schmidt von Boeselager.

Ilona Honekamp ist beim Katzenschutzbund Lünen tätig, hat aber auch ein Herz für Kröten. Im vergangenen Jahr half sie erstmals mit bei der Errichtung des Fangzauns. „Es hat so viel Spaß gemacht, da wollte ich wieder helfen“, erklärte sie.

Dass sie alle Spaß bei der Sache hatten, sagten auch die anderen Helfer unisono. „Es ist schön warm, wirklich perfektes Wetter, aber noch kein Krötenwetter. So gute Verhältnisse wie heute, hatte ich bisher nicht“, sagte etwa Friederike Kleykamp. Sie hat 2014/15 ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Waldschule Cappenberg absolviert und hilft nun schon zum vierten Mal mit bei der Errichtung des Zauns.

„Wir hoffen, dass alles heile bleibt“

Gegen 16 Uhr war der Zaun komplett aufgestellt und alle Eimer in ihren Löchern eingebettet. Knapp einen Kilometer Zaun haben die Helfer in sechs Stunden aufgestellt. Eine schweißtreibende Arbeit. Da tat die Mittagspause, in der es Suppe für die Helfer gab, extrem gut. „Jetzt hoffen wir, dass der Sturm dem Zaun nichts antut und alles heil bleibt“, sagte Martina Schmidt von Boeselager. Es komme auch immer mal vor, dass Rehe die Zäune beschädigen. „In so einem Fall müssen wir noch mal nachbessern“, so die Waldschul-Chefin.

Aber auch mit Vandalismus hatte sie schon zu kämpfen: „Es ist schon vorgekommen, dass uns Leute den Zaun einfach geklaut haben. Das war wirklich ärgerlich.“ Bis Ende März bleibt der Zaun aufgestellt. Bei der Zählung und dem Transport der Kröten werden auch Schulklassen helfen.

Aufbau des Zauns: „Nette Abwechslung zur Schule“

Sabrina Berg und Lisabeth Borgschulze sind Lehrerinnen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen und leiten dort das Zaun-Projekt. Mit ihnen waren elf Schulkinder dabei, die sich freiwillig für die Zaun-Aufstell-Aktion gemeldet haben. Ob es schwierig war, Schüler für die Sache zu motivieren? „Im Gegenteil“, sagte Sabrina Berg, „so kriegen die Kinder das alles hautnah mit. Und es ist eine nette Abwechslung zur Schule.“

Das sah Anna Marie Ilicic genauso. „Ich finde es wirklich cool. Solche Aktionen sollte es öfter geben“, sagte die Elftklässlerin. Und Ariane Petzold aus der neunten Klasse ergänzte: „Ich denke, dass auch jüngere Schüler morgens mal bei der Zählung der Kröten dabei sein sollten. Da hätten sie sicherlich auch Spaß dran.“

Die Schüler waren auf jeden Fall angefixt auf die Sache. Im nächsten Jahr wollen viele wieder mithelfen.

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