Im September wählen die Selmer einen neuen Bürgermeister. Die Wahlplakate der Kandidaten hängen bereits. Die Parteien suchen aber auch den persönlichen Kontakt zum Wähler – trotz Corona.

Selm

, 07.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In wenigen Wochen finden die Kommunalwahlen statt. Am 13. September wird an den Urnen dann auch der neue Selmer Bürgermeister gewählt. Wegen Corona läuft der Wahlkampf allerdings etwas anders als üblich. Auf den persönlichen Kontakt mit den Politikern müssen die Wähler allerdings nicht verzichten.

Infostände, Haustürgespräche und Bürgerdialoge

Auf dem Selmer Wochenmarkt sucht Thomas Orlowski das Gespräch mit den Wählern. Der SPD-Bürgermeisterkandidat sagt: „Die Leute sind verunsichert. Es ist mir wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Genügend Abstand und Mund-Nasen-Schutz sind an den Infoständen Pflicht. Bei Bedarf trägt er den auch bei den Haustürgesprächen.

An Bürgerdialogen plant Orlowski ebenfalls teilzunehmen – „unter strengen Auflagen“, wie er sagt. Bei einer möglichen zweiten „Corona-Welle“ würde er diese Pläne allerdings entsprechend anpassen.

Ohnehin spielt der Wahlkampf im Internet für Orlowski ebenfalls eine große Rolle, vor allem um junge Menschen zu erreichen: „Das ist ganz wichtig.“

Mitgliederveranstaltungen fallen aus

Michael Zolda und sein Team bevorzugen das Gespräch an der Haustür. Der Bürgermeisterkandidat der CDU berichtet: „Früher haben wir unsere Mitglieder zu Veranstaltungen eingeladen, heute überreichen wir die Flyer persönlich an der Haustür und suchen das Gespräch.“ Dann aber mit dem nötigen Abstand. Dennoch: „Die Resonanz der Bürger ist durchweg positiv“, sagt Michael Zolda.

Die Partei setzt auf die Kombination von gedruckten Broschüren und Informationen über die sozialen Netzwerke. Auch Veranstaltungen, die – ähnlich der Podiumsdiskussion am 12. August im Bürgerhaus – im Internet verfolgt werden können, sind für Michael Zolda denkbar.

Wiedererkennung wird durch Mund-Nasen-Schutz erschwert

„Wir haben das Problem, dass der Mundschutz eine große Barriere ist“, findet FDP-Bürgermeisterkandidat Robin Zimmermann. Nicht nur die Wiedererkennung werde dadurch erschwert, sondern auch die Gespräche: „Man ist auf Abstand und eine Unterhaltung im intimen Rahmen ist nicht möglich.“

Auch die FDP plant für die kommenden Wochen eine Verteilung von Broschüren an Selmer Haushalte. Ob dabei das persönliche Gespräch gesucht wird, steht noch nicht fest: „Wegen der Corona-Lage sind wir noch eher zurückhaltend“, verrät Zimmermann.

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Nicht nur deshalb setzt die FDP auch auf den Wahlkampf in den sozialen Netzwerken. Ein Grund ist auch: „Die jungen Leute finden wir nicht auf den Märkten.“

„Wir werden uns nicht aufdrängen“

Marion Küpper von den Grünen sucht vor allem den persönlichen Kontakt mit dem Wähler: „Ich glaube, dass der Haustür-Wahlkampf das größte Potenzial bietet“, so die Bürgermeisterkandidatin. Sie kündigt an: „Wir werden in den Vierteln sichtbar sein.“

Ihr sei zwar bewusst, dass viele Menschen den Kontakt aktuell meiden. Dennoch sei das persönliche Gespräch auf dem Marktplatz und an der Haustür besonders wichtig. „Wir hoffen, dass die Leute bereit sind mit uns zu sprechen. Wir werden uns aber auch nicht aufdrängen“, verspricht Küpper.

Zwar ist auch ihre Partei in den sozialen Netzwerken vertreten, sie selbst – im Gegensatz zu einigen anderen Bürgermeisterkandidaten – ist es allerdings nicht.

Wahlen werden nicht in sozialen Medien entschieden

Der parteilose Bürgermeisterkandidat Wilhelm Gryczan-Wiese kommt ebenfalls lieber an Infoständen mit den Bürgern ins Gespräch. „Es ist wichtig, unter die Menschen zu gehen“, findet Gryczan-Wiese. Dass die Bürger mit ihren Wünschen auf die Politiker zugehen müssten, hält er für den falschen Weg.

Vom Wahlkampf in sozialen Medien hält Wilhelm Gryczan-Wiese dagegen auch zu Corona-Zeiten nicht viel: „Ich sehe da wenig Konstruktives. Ich glaube nicht, dass man damit eine Wahl entscheiden kann.“

Bei der Bürgermeister-Wahl müsse man den Menschen kennen lernen, dem man mit seiner Stimme das Vertrauen ausspricht. Dazu brauche es das direkte Gespräch. „Die Menschen reagieren ganz anders und man entwickelt ein Gespür für das Gegenüber“, ist Wilhelm Gryczan-Wiese überzeugt.

Keine Getränke an den Infoständen

Die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) setzt für ihre Stadtrat-Kandidaten auf Haustürgespräche. Vorsitzender Hubert Seier, der selbst zur Corona-Risikogruppe gehört, überlässt die Entscheidung aber seinen Mitgliedern: „Wenn das einer nicht machen möchte, habe ich volles Verständnis dafür.“

An den Infoständen der Wählergemeinschaft wird in diesem Jahr wegen Corona auf die Ausgabe von Kaffee und Getränken verzichtet.

An Orte gehen, wo die jungen Leute sind

Werner Sell plant das Gespräch an den Infoständen in kleinen Gruppen. Seine Fraktion „Wir für Selm“ will sich zwar auch im Internet präsentieren, aber „der persönliche Kontakt fehlt da“, findet Sell.

Deshalb kündigt er an: „Wir wollen auch an Orte gehen, wo die jungen Leute sind.“ Durch die zurzeit eingeschränkten Möglichkeiten sieht er kleinere Parteien und Vereinigungen gegenüber den „etablierten“ Parteien im Nachteil.

Einladung nach Hause

Das findet auch Ralf Piekenbrock, der sich für die Familienpartei als Bürgermeister bewirbt: „Unsere Partei kennt nicht jeder.“ Der Haustür-Wahlkampf begann für die Partei bereits mit dem Sammeln von Unterstützungsunterschriften für die Zulassung zur Wahl.

Piekenbrock will sich nicht nur auf Infoständen und an der Haustür den Bürgern stellen. Der Bürgermeister-Kandidat lädt auch zu sich nach Hause: „Um den Menschen hinter der Kandidatur kennen zu lernen“, unterstreicht Ralf Piekenbrock.

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