Wie die anderen Restaurants auch, ist das Restaurant Jakobsbrunnen derzeit geschlossen. Es bietet wie andere auch Abholservice an. Den verlängerten Lockdown nehmen die Betreiber, wie er ist: nicht zu ändern. © Günther Goldstein
Gastronomie

Verlängerter Lockdown: So gehen Selmer Gastronomen damit um

Resignierte Gelassenheit ist es, womit sich die Stimmung, die unter Selmer Gastronomen herrscht, zusammen fassen lässt. Noch sind sie nicht am Limit. Ändert der verlängerte Lockdown daran was?

Noch hat das Sich-von-Woche-zu-Woche-Hangeln für Einzelhändler, Künstler oder auch die Gastronomen kein Ende. Am Dienstag (19. Januar) beschließen Bund und Länder eine Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar – zunächst.

Die Gastronomie scheint indessen in eine resignierte Gelassenheit verfallen zu sein. Kurz vor der Pleite steht – womöglich auch dank der Novemberhilfen – wohl keiner. Auch wenn die Lage durchaus angespannt ist.

„Wir arbeiten dafür, dass wir arbeiten dürfen“, kommentiert Christian Reimann, Inhaber des Lumberjack´s Diner an der Kreisstraße. Soll meinen: Der Betrieb macht derzeit weder Gewinn noch Verlust. Natürlich sei es schwierig mit der Situation umzugehen, auch weil die Nachfrage stark schwanke. „Wir können zum Beispiel immer nur kleine Einkäufe machen“, berichtet der Gastronom. „Aber wir müssen das alles mit Gelassenheit sehen und flexibel bleiben. Man darf einfach den Humor nicht verlieren, auch wenn es so langsam ein schwarzer wird.“ Derzeit erarbeitet er neue Angebote, damit der Laden weiter attraktiv bleibe. Zum Beispiel plant er, der großen Nachfrage nach vegetarischen Burgern weiter nachzukommen.

“Wir werden kämpfen“

Etwas angespannter, aber keinesfalls gewillt zu jammern, ist der Inhaber des Gasthauses Suer. „Es ist für alle eine schwierige Situation, da sind wir nicht die Einzigen“, sagt Atif Hamidovic. Natürlich seien er und seine Familie besorgt, weil sie mit ihrer Gastronomie erst seit neun Monaten am Platz, die Angestellten in Kurzarbeit, und die Perspektiven ungewiss sind. Außerdem haben sie die Novemberhilfen, weil sie erst eröffneten, nur zur Hälfte ausbezahlt bekommen. Aber es sei derzeit am wichtigsten, gesund zu bleiben. „Es ist alles ein bisschen schwer, aber ich glaube wir schaffen das“, sagt Atif Hamidovic.

Kaira Eistel, Geschäftsführerin des An-Hotels und der An-Bar formuliert es ähnlich: „Wir wissen noch nicht wie lange wir noch durchhalten können. Aber wir kämpfen und wir geben nicht auf.“ Während das Hotel so gut wie brach liege, versucht die Unternehmerin die Finanzen derzeit mit dem Cocktail-Taxi auszugleichen. „Aber“, so sagt sie, „das läuft natürlich im Winter weniger als im Sommer.“

Das Restaurant Jakobsbrunnen – beziehungsweise ein Bauteil des Gebäudes – ist seit geraumer Zeit Anziehungspunkt. Denn mit Annettes Abholschalter, einem Abholpunkt für Speisen, haben es Annette und Wilhelm Heitmann geschafft, zumindest einen Teil der Kundschaft bei sich zu behalten. Nun ist dieser Lockdown gerade verlängert worden.

„Der Abholschalter hilft uns über diese schwierige Zeit hinweg“, sagt Wilhelm Heitmann. „Da danken wir unseren Gästen, die uns treu bleiben und uns unterstützen.“ Das sei auch wichtig, denn von den von der Politik versprochenen Hilfen komme ein Großteil nicht an. Novemberhilfen habe er zwar beantragt. „Aber es ist bisher erst eine Abschlagszahlung angekommen.“ Dezemberhilfe habe er noch nicht beantragt. „Wo doch die Novemberhilfe noch nicht mal komplett ausgezahlt worden ist.“

Dabei laufen feste Kosten wie Strom und für die Mitarbeiter weiter. „Wir beschäftigen ja meistenteils Minijobber. Die Hälfte der Leute mussten wir abmelden.“

„Wir lassen uns auf jeden Fall etwas einfallen“

Bald ist Ostern. Wie soll das denn laufen? „Wir lassen uns auf jeden Fall was einfallen.“ Und der Abholservice bleibe auf jeden Fall bestehen, bis das Restaurant wieder öffnen könne.

Astrid Vogt, Chefin des Restaurants Zum alten Feld, ist hin- und hergerissen, was die Verlängerung des Lockdowns betrifft. Klar gebe es Einbußen in den Einnahmen. Andererseits: „Wenn uns das hilft, dass wir ganz schnell wieder frei werden von Corona, ist es sinnvoll und gut.“

Derzeit fahre das Restaurant seinen Abholservice „mit minimalem Personal“, berichtet die Inhaberin. „Novemberhilfen haben wir noch gar nicht gekriegt.“ Wie lange kann das Restaurant Zum alten Feld so noch weitermachen? „Wir versuchen weiterhin, für unsere Gäste da zu sein“, sagt Astrid Vogt.

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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier
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