Unwort des Jahres 2020: Heißer Kandidat dafür kommt aus Selm

Kommentar

Für das Unwort des Jahres 2020 gibt es schon viele Titelaspiranten: Shutdown, Behandlungspriorität oder nicht-systemrelevant. Ein Kandidat, der nichts mit Corona zu tun hat, kommt aus Selm.

Selm

, 03.05.2020, 12:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wald grenzt an das Baugrundstück an der Netteberger Straße.

Wald grenzt an das Baugrundstück an der Netteberger Straße. © Sylvia vom Hofe

Personal freizustellen, hört sich besser an als Mitarbeiter auf die Straße zu setzen. Wer Pflanzenschutzmittel benutzt, muss nicht zugeben, Unkraut zu vernichten. Und hinter der Gebührenanpassung verbirgt sich meistens eine saftige Preiserhöhung: alles Vorbilder, von denen Dominic Reitmayer gelernt hat.

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Der Architekt aus Hattingen hat die vier neuen Doppelhaushälften entworfen, die an die Stelle des mehr als 100 Jahre alten Gärtnerhauses an der Netteberger Straße in Bork treten sollen. Als er dem Selmer Stadtentwicklungsausschuss den Plan vorstellte, benutzte er das Wort, das ich zuvor noch nie gehört hatte - und auch nie wieder hören möchte. Einige Bäume, sagte der Architekt, müssten zurückgepflanzt werden.

Wer nicht Abbruch sagen möchte, spricht schon seit längerem vom Zurückbauen. Jetzt werden auch Bäume nicht mehr gefällt, sondern mit vermeintlich zärtlichen Gärtnerhänden zurückgepflanzt. Als ob die Natur ein paar Schritte zur Seite gehen könne, um nicht im Weg zu stehen.

Die Selmer Politiker stimmten wohl oder übel dem zu, was im Verwaltungsdeutsch „naturnahe Waldrandumwandlung“ heißt - auch so ein Wort. Das kennen wir schon vom Bauvorhaben am Zechenbusch. Daran gewöhnen sollten wir uns aber nicht. Denn weder die Natur, noch der Waldrand und die zurückgepflanzten Bäume profitieren davon - und die Sprache erst recht nicht.

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