Überfall auf Rentner in Selm: Angeklagter bricht sein Schweigen

dzÜberfall auf Rentner

Sechs Monate nach dem brutalen Überfall auf einen Rentner an der Lange Straße in Selm hat der Angeklagte vor dem Dortmunder Landgericht doch noch sein Schweigen gebrochen.

Dortmund, Selm

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Fast 90 Minuten brauchte Verteidiger Jan-Henrik Heinz am Mittwoch, um mit seinem Mandanten eingehend die weitere verteidigungsstrategie zu beraten. Danach stand fest: Der 32-Jährige hält nicht mehr an seinem eisernen Schweigen fest, sondern erzählt den Richtern alles, was er weiß.

Die Erklärung, die der Rechtsanwalt im Namen seines Mandanten abgab, war inhaltlich ein volles Geständnis. Der Angeklagte sei an jenem Januartag zusammen mit einem Bekannten durch die Gegend gefahren. Und von irgendwoher habe man dann den Tipp erhalten, dass in dem Haus an der Lange Straße ein Rentner ziemlich alleine wohne.

„Habe ihn zur Seite gestoßen“

Durch ein auf Kipp gestelltes Terrassenfenster verschafften sich die beiden Einbrecher Zugang zum Wohnzimmer. Dort trafen sie auf den verdutzten 73-Jährigen. „Ich habe ihn sofort zur Seite gestoßen“, sagte Verteidiger Heinz im Namen seines Mandanten. Und: „Danach habe ich die Wohnung nach Bargeld durchsucht.“

Fast 2000 Euro habe er noch unmittelbar im Wohnzimmer gefunden und an sich genommen. Dass er zu diesem Zeitpunkt bereit den Fehler gemacht hatte, der letztendlich zu seiner Festnahme führte, ahnte der Rumäne nicht einmal. Direkt nach dem Einsteigen in das Wohnzimmer habe er nämlich die Rolläden heruntergelassen, damit niemand von außen hineinschauen konnte. Dabei müsse er sich mit der anderen Hand auf dem Nachtspeicherofen unter dem Fenster abgestützt haben. „So wird es zu der Fingerabdruck-Spur gekommen sein“, sagte Rechtsanwalt Heinz.

Erpresserischer Menschenraub?

Von Drohungen und Einschüchterungen will der Angeklagte bei dem Beutezug nichts mitbekommen haben. Genau das hat jedoch der Rentner im Anschluss an die Tat bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Aus diesem Grund halten die Richter auch eine Verurteilung wegen erpresserischen Menschenraubs für möglich. Die Mindeststrafe dafür beträgt fünf Jahre Haft.

Zusammen mit demselben Komplizen ist der Angeklagte übrigens schon einmal verurteilt worden. Auch in Großburgwedel drangen sie in das Haus einer alleinstehenden Seniorin ein, um Beute zu machen. Weil dieser 89-Jährigen jedoch kein Haar gekrümmt wurde, lautete das Urteil des Amtsgerichts später „nur“ auf versuchten Diebstahl. Beide Täter kamen noch einmal mit Bewährungsstrafen davon.

Urteil wohl im August

Wenn der 32-Jährige im aktuellen Fall abermals verurteilt wird, dürfte diese alte Bewährungsstrafe widerrufen werden. Dann muss der Mann damit rechnen, neben der neu verhängten Haftstrafe ein weiteres Jahr verbüßen zu müssen. Mit einem Urteil ist erst im August zu rechnen.

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