Sandra Kiwall hat den Kiosk an der Hauptstraße in Bork seit 2013 geführt. Sie hatte damit die Fußstapfen ihrer Eltern betreten. Jetzt hat sie den Kiosk übergeben. Schweren Herzens, wie sie sagt. © Thomas Aschwer (Archiv)
Trinkhalle in Bork

Trinkhalle in Bork: Neueröffnung ist gleichzeitig das Ende einer Ära

Es klingt erstmal nicht nach einer weltbewegenden Nachricht: Die Trinkhalle an der Hauptstraße in Bork hat neue Betreiber. Aber was dahinter steckt, bedeutet das Ende einer Ära.

Mehr als 40 Jahre lang hatten die Eltern von Sandra Kiwall den Kiosk an der Hauptstraße geführt, ehe sie in 2009 abgaben. Vier Jahre und zwei externe Pachtverhältnisse später übernahm Sandra Kiwall das Geschäft, das ihre Familie aufgebaut hatte. Seit dieser Übernahme im Jahr 2013 hat sich die Trinkhalle oder auch das Kläppchen zu einem Treffpunkt im Ortskern entwickelt. Auch dank Sandra Kiwall. Nette Gespräche am Fenster oder im Laden: Alltag in Bork. Normal. Schützenkompanien feierten regelmäßig am Kiosk. Radler machten auf der Römer-Lippe-Route, die durch Bork führt, Halt. Und Generationen von Kindern haben sich ihre „süßen Tüten“ für Pfennig-, später für Centbeträge gekauft.

Dann am Sonntag, 31. Januar, der Hinweis per Zettel an den geschlossenen Jalousien des Kiosks: „Sonntag ab 17 Uhr geschlossen. Montag und Dienstag geschlossen wegen Geschäftsübergabe.“ Kunden standen fortan kopfschüttelnd vor dem Geschäft, mochten möglicherweise nicht so recht glauben, dass es weiter gehen würde, hofften aber darauf. Tatsächlich steht der Kiosk seit Mittwoch, 3, Februar, unter neuer Leitung. Yasokumar Muneeswarakandan (43) hat das Geschäft und das ganze Gebäude gekauft. Seine Frau Jeyamathy Yasokumar (41) wird den Kiosk führen.

Auf Abschiedsfeier wegen Corona verzichtet

Ein Übergang, der nach Auskunft beider beteiligter Parteien recht schnell, aber reibungslos über die Bühne gegangen ist. Yasokumar Muneeswarakandan und seine Familie haben nicht nur den Kiosk übernommen, sondern werden auch in das dahinter liegende Gebäude, das Elternhaus von Sandra Kiwall, das lange leer gestanden hatte, ziehen. Dieses Gesamtpaket, also die Tatsache, dass Sandra Kiwall und ihre Eltern nicht mehr dort wohnen, und gesundheitliche Gründe, habe den Ausschlag zu diesem Schritt gegeben, hat Sandra Kiwall der Redaktion gegenüber gesagt. Wegen der Coronapandemie hatte sie darauf verzichtet, eine Abschiedsfeier zu organisieren.

Sandra Kiwall und ihre Familie haben sich per Facebook von ihren Kunden verabschiedet und erklärt, dass sie sich „schweren Herzens entschlossen“ haben, aufzuhören. Wie schwer ist denn aber nun das Herz? Das haben wir Sandra Kiwall gefragt. Ihren jetzigen emotionalen Zustand beschreibt Sandra Kiwall so: „Es ist ein weinendes und ein lachendes Auge.“ Sie freue sich auf die Herausforderungen, die jetzt kommen.

Sandra Kiwall: Nette Kontakte werden mir fehlen

Anderseits: „Als ich das Geschäft 2013 übernommen habe, war das ja so etwas wie mein Baby.“ Wobei sie selber auch im Geschäft groß geworden sei. Sie habe als Kind ihren Eltern im Kiosk zugesehen. „Ich habe das Geschäft mit aufgebaut. Ich habe erlebt, wie der Laden gewachsen ist von einem kleinen Schalterbetrieb, wo wirklich nur das Kläppchen vorne war, bis hin zum begehbaren Laden. Jetzt ist es verkauft, jetzt gibt es kein zurück mehr“, sagt die 49-Jährige. „Aber ich gehe mit gemischten Gefühlen.“ Denn es seien viele Freundschaften und nette Kontakte in all den Jahren entstanden. „Das wird mir schon fehlen.“

Sie werde zunächst eine kleine Auszeit nehmen. Danach werden sich – da sei sie sicher – neue Herausforderungen, auch beruflich, ergeben. Was, das wisse sie jetzt noch nicht, sagt die gelernte Gymnastiklehrerin. „Es wird auf jeden Fall etwas sein, wo ich mit Menschen arbeite.“ Der nächste Satz spricht für die Bodenständigkeit Sandra Kiwalls: „Ortsnah sollte es sein.“

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Arndt Brede

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