Strom und Gas: Was bringt Selm die Partnerschaft?

Fragen und Antworten

Gas- und Stromversorgung sind ab 2016 für 20 Jahre in Händen der Stadt Selm. Einfluss, Zuverlässigkeit und Verbraucherfreundlichkeit, aber auch finanzielle Stärke verspricht sich die Stadt davon. Doch wie funktioniert die beschlossene Partnerschaft? Welche Kosten und Gewinne sind zu erwarten?

SELM

, 24.04.2015, 06:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Strom und Gas: Was bringt Selm die Partnerschaft?

Der Rat hat entschieden: Die Stadt wird Kooperationen mit RWE in Sachen Strom- und Gasversorgung eingehen. Einige Stühle blieben bei der Entscheidung leer, weil Ratsvertreter befangen waren. Sie sitzen in Aufsichtsratsgremien von Stadtwerken und Remondis, also von anderen Bewerbern.

Wie funktioniert die Kooperation von Stadt und RWE? Die Stadt Selm vergibt die Gas- und die Stromkonzession an die neue städtische Gesellschaft Selm Netz GmbH & Co. KG. Die muss noch gegründet werden, die Stadt wird 74,9 Prozent, die Mehrheit, halten. Diese Gesellschaft wird Grundversorger in Selm. Die Stadt kauft außerdem das Gasnetz von der Gelsenwasser AG, die bislang die Konzession innehatte. Das Netz ist dann in Händen der Selm Netz GmbH. Anteilig kauft die Stadt auch das Stromnetz von RWE, die mit 25,1 Prozent an der städtischen Gesellschaft beteiligt sind. Künftig pachtet RWE als strategischer Partner die Netze. So kann die Westnetz GmbH, eine Tochter von RWE, als Netzbetreiber auftreten. Netz und Energievertrieb müssen nämlich getrennt sein. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Welche Kosten kommen auf die Stadt zu? Der Preis für die Netze ist noch Verhandlungssache, erklärte Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt gestern auf Anfrage. Daher könne er keine Summe nennen, weder für Anteile am Stromnetz, noch was Gelsenwasser für das Gasnetz verlangen könnte. „Das muss aber in einem Verhältnis stehen“, so Woesmann. Der Vorteil der Partnerschaft sei aber, das die Stadt keine eigene Infrastruktur für das Gas- und Stromgeschäft aufbauen muss. Die hat der Partner RWE.

Welche Erträge erwartet die Stadt? Die Stadt nimmt von der neuen Gesellschaft Selm Netz GmbH Gewerbesteuer ein. Dabei wird nach Auskunft der Stadt einen Einmaleffekt geben. Wie hoch diese Einnahmen sind, hängt von der Vertragssumme ab. Danach sei jedes Jahr Gewerbesteuer zu erwarten.

Auch werden jährlich Erträge aus dem Gewinn der Selm Netz GmbH erwartet. Das habe RWE in seinem Angebot ausgerechnet, erklärt Woesmann. Aber auch eine vorsichtigere Rechnung der beratenden Kanzlei und Wirtschaftsprüfer von Becker Büttner Held (BBH) lässt Erträge erwarten. Mit diesen Erträgen können die Zinsen, die für die Kredite für den Netzkauf anfallen, getragen werden, lautete die Einschätzung von Christian Held von BBH. So könne die Stadt Vermögen aufbauen.

Bislang fließen außerdem jedes Jahr 850 000 Euro für die Stromkonzession an die Stadt und rund 130.000 Euro (2012) für die Gaskonzession. Hier werden sich die Kundenzahlen auswirken, sagte Gerd Treczak von der Stadt. Je mehr Kunden, desto mehr Geld aus den Konzessionen.

Was passiert mit den im Wettbewerb unterlegenen Stadtwerken, die die Tochter Wirtschaftsbetreibe Selm GmbH (WBS) gegründet hatte, um Versorgungsaufgaben zu übernehmen? Bürgermeister Mario Löhr sagte, er sei nicht enttäuscht über das Abschneiden der Stadtwerke. Es habe vier sehr gute Angebote gegeben, daher sehe er die Stadtwerke nicht als Verlierer. Sie hätten auch noch andere Aufgabenbereiche. Außerdem würden sich Folgeerträge für die Stadtwerke ergeben, so Löhr. Zudem hoffe er, dass die WBS die Wassernetze übernehmen könne, wenn der Streit mit Gelsenwasser beigelegt ist.

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