Streit der Selmer Bürgermeister-Kandidaten: Droht der politische Stillstand?

dzStichwahl 2020

Selms Aufwärtskurs wollen beide fortsetzen: Michael Zolda (CDU) und Thomas Orlowski (SPD). Ihre Ziele sind ähnlich. Trotzdem sind die Bürgermeisterkandidaten im RN-Talk kräftig aneinander geraten.

Selm

, 24.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach 55 Minuten platzt es am Dienstag im RN-Talk aus Michael Zolda (60) heraus. Die gute Zusammenarbeit von CDU und SPD, die Selm in den vergangene zehn Jahren so weit nach vorne gebracht hätte, habe einen herben Dämpfer bekommen. Der CDU-Bürgermeisterkandidat nennt als Ursache nicht etwa die Corona-Pandemie und auch nicht das Altschulden-Problem, sondern seinen Kontrahenten bei der Stichwahl am Sonntag, 27. September: Thomas Orlowski (51, SPD).

In Selm drohe politischer Stillstand, sagt Zolda. Die Verantwortung trage Thomas Orlowski. „Sie haben sich nicht an die Vorgehensweise gehalten“, sagt er und gibt unvermutet Einblick in politische Absprachen hinter den politischen Kulissen in Selm.

Übereinkunft von CDU, SPD und Bürgermeister

Es habe eine Übereinkunft gegeben zwischen zwischen CDU, SPD und Bürgermeister. Die habe vorgesehen, einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten zu suchen und aufzubauen. Orlowski, der bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende, sei aber stattdessen mit seiner Kandidatur vorgeprescht: etwas, das in der CDU gar nicht gut angekommen sei. Dadurch sei die „hevorragende Zusammenarbeit konterkariert“ worden.

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Absprachen verletzt? Der Streit der Bürgermeisterkandidaten

Thomas Orlowski hält dagegen, dass er von sich glaube, der Richtige für das höchste Amt in der Stadt zu sein. Es sei sein gutes Recht gewesen, sich zu bewerben: „Dafür brauchte ich Ihre Erlaubnis nicht.“ Er habe in diesem Punkt auch stets mit offenen Karten gespielt. Wenn er gewählt werde, will Orlowski „mit allen zusammenarbeiten“. Hauptsache, die Ideen seien gut und würden Selm nach vorne bringen.

Wählerschaft honorierte die Selmer Groko

Der Wählerauftrag widerspricht dem plötzlich offenbar gewordenen Streit zwischen SPD und CDU. Die beiden Parteien kamen am Wahlsonntag (13. 9.) gleichauf. Beide sind mit jeweils zehn Sitzen vertreten: zusammen 20 der 32 Sitze im neuen Stadtrat - eine klare Mehrheit und fast eine fast stabile Wiederholung des Wahlergebnisses von 2014. Im Vergleich zu damals hat die SPD lediglich einen Sitz verloren. Bei den Bürgermeisterwahlen gab es dagegen keinen Patt. Orlowski lag acht Prozentpunkte vor Zolda.

Egal wie die Stichwahl am 27. September ausgehen wird, eines steht fest: Thomas Orlowski und Michael Zolda werden sich auch weiterhin im Bürgerhaus gegenüber sitzen müssen und Selmer Politik gemeinsam gestalten - einer als Bürgermeister, der andere als gewähltes Ratsmitglied.

Viele Streitpunkte wird es in der inhaltlichen Arbeit dabei nicht geben, wie sich in der Diskussion am Dienstag zeigte. Beide betonen, dass sie den vom Amtsinhaber Mario Löhr geprägten Kurs nach vorne fortsetzen wollen - mit neuen Gewerbeansiedlungen und neuen Baugebieten, einer digitalen Ausstattung für die Schulen und neuen Fahrradstraßen. Streit scheint dennoch sicher.

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