Staupe-Alarm in NRW: Tierärzte in Selm und Nordkirchen raten zur Impfung von Hunden

dzKrankheit

Das Staupe-Virus ist in einigen Landkreisen in Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Tierärzte auch in Selm und Nordkirchen warnen: Das Virus kann für Hunde gravierende Folgen haben.

Selm, Nordkirchen

, 17.01.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abgeschlagenheit und hohes Fieber, Krämpfe und Atemnot: Das können Symptome sein, wenn Hunde an Staupe erkranken. In Köln, Wuppertal und Leverkusen wurden jüngst Füchse gefunden, die von dem Virus befallen waren. Durch Kot, Speichel und Urin können die Füchse das Virus dann weiter übertragen. Neben Hunden können sich auch Tiere wie Frettchen, Waschbären oder Marder infizieren.

Empfehlungen der Impfkommission

„Wir empfehlen die Staupe-Impfung ausdrücklich“, sagt die Selmer Tierärztin Barbara Bonin. Schon letztes Jahr seien Füchse mit bestätigter Staupe in Essen, im Kreis Mettmann, Mühlheim, Detmold und auch im Soester Raum gefunden worden. Also noch um einiges näher als der Raum Köln.

Die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt für Hunde regelmäßige Impfungen gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose, HCC (eine ansteckende Leberentzündung), und Tollwut.

Gravierende Spätfolgen

Gemäß diesen Empfehlungen impft auch der Nordkirchener Tierarzt Christoph Eismann. „Ich würde die Impfung empfehlen“, sagt Eismann. Er frischt sie bei seinen tierischen Patienten alle drei Jahre wieder auf. „Natürlich gibt es auch bei Tieren Impfgegner, wie bei den Menschen“, sagt er. Die impften dann meistens gar nicht. „Dann muss man aber auch mit den Folgen leben, wenn die Krankheit ausgebrochen ist“, sagt er.

Die Gefahr, dass Staupe tödlich verläuft ist vorhanden und wenn der Hund es überlebt, dann würden hohe medizinische Folgekosten auftreten. „Ich kann nur davor warnen“, sagt Eismann.

Staupe-Alarm in NRW: Tierärzte in Selm und Nordkirchen raten zur Impfung von Hunden

Barbara Bonin ist Tierärztin in Bork. Sie empfhielt das Impfen gegen Staupe. © Viktoria Michelt

Auch Barbara Bonin warnt vor den Spätfolgen. „Zwar gibt es einige wenige Hunde, die diese Erkrankung überleben“, sagt die Tierärztin, „in der Regel haben diese aber dann gravierende Spätfolgen wie Gebissschäden oder zentralnervöse Störungen.“

Ständiger Kontakt mit anderenTieren

„Ich würde gegen alles impfen lassen, was möglich ist“, sagt Willfried Hasert vom Veterinäramt im Kreis Coesfeld. Er bezeichnet sich selbst als ausdrücklichen Impfbefürworter.

Empfehlenswert sei die Impfung vor allen Dingen auch deshalb, weil die Tiere draußen mit anderen Hunden Kontakt hätten, sagt Hasert, „Sie können ja schließlich nicht wissen, wo der Hund, an denen Ihr Hund schnüffelt, vorher gewesen ist“, sagt der Veterinär. Vielleicht wurde er just aus Spanien importiert oder seine Besitzer waren gerade im Bergischen Land unterwegs und das Tier ist irgendwie mit Füchsen in Kontakt gekommen, die befallen waren.

Zwei Fälle von Staupe im Kreis Unna im vergangenen Jahr

Aktuell sind im Kreis Coesfeld keine Fälle bekannt. Allerdings bestehe auch keine Meldepflicht für Staupe. Im benachbarten Kreis Unna hingegen, sind im vergangenen Jahre zwei Fälle von Staupe bekannt geworden.

Man könne das aber ein bisschen mit der Tollwut vergleichen, sagt Hasert. Auch, wenn in den vergangenen Jahren höchstens mal Tollwut bei ein paar Fledermäusen im Kreis Coesfeld aufgetreten sei, heiße das nicht, dass die Impfung nicht empfehlenswert sei.

Ohne Impfung nicht auf den Platz

Beim Hundeverein Selm e.V. gehört der Blick ins Impfbuch sogar fest dazu. „Wir kontrollieren vereinsmäßig nur, dass die Tiere gegen Tollwut geimpft sind“, sagt die 1. Vorsitzende Silvia Mertens. „Ohne Tollwutimpfung kommt kein Hund auf den Platz.“

Staupe wird nicht kontrolliert. Die Impfung gehöre aber für viele der etwa 60 Mitglieder dennoch dazu, sagt Silvia Mertens. „Die meisten Mitglieder lassen gleich mehrere Impfungen vornehmen.“ Auch sie lässt ihren Hund schon seit Jahren gegen Staupe impfen.

Verträglichkeit der Impfung

Und wie ist es, wenn sich Hundebesitzer Gedanken darüber machen, ob ihr Hund sensibel auf die Impfung reagiert?

Das müssten sie nicht, sagt Willfried Hasert. „Der Tierarzt untersucht den Hund und entscheidet dann, ob er fit für die Impfung ist“, sagt der Veterinär.

Auch Barbara Bonin beruhigt: „Komplikationen treten extrem selten auf“, sagt sie. Und diese seien dann meist vergleichbar mit denen einer Grippe-Impfung beim Menschen. Wie Schmerzen an der Stelle der Impfung oder Fieber und Lethargie.

Tiere impfen lassen: Die Selmer Tierärztin Barbara Bonin impft zum Beispiel nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Das bedeutet: Welpen 3 x im Abstand von 4 Wochen und dann im 3 Jahres-Rhythmus. Bei erwachsenen Hunden reiche eine einmalige Impfung zum erreichen eines 3-jährigen Schutzes. Katzen sind gegen Staupe übrigens unempfindlich. Auch für sie gibt es aber Impfungen, die laut Impfkommission empfohlen werden: das sind die Impfungen gegen Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut bei Freigängern.
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