Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaften Selm wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Gefeiert wird intern am 21. Februar. Einen Tag später gibt‘s eine Überraschung für die Bevölkerung.

Selm

, 14.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war im Jahr 1995 - genauer am 21. Februar des Jahres -, als sich der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Selm gründete. Da waren die Städtepartnerschaft mit dem englischen Workington und der französischen Gemeinde Walincourt-Selvigny ein Jahr beziehungsweise drei Jahre jung. Begonnen hatte die Organisation dieser Städtepartnerschaften als Arbeitskreis „rund um die Stadtverwaltung“, wie die aktuelle Vorsitzende Monika Zientz im Gespräch mit der Redaktion erzählt. „Dann hieß es aber, dass die Verwaltung es begrüßen würde, wenn es einen Verein gäbe, der die Arbeit rund um die Städtepartnerschaft übernähme.“

„Der Gedanke war von Anfang an, dass man sich kennen lerne müsse, um Frieden zu schaffen“, erklärt Monika Zientz. Dieser Europagedanke habe im Vordergrund gestanden. Die tägliche Arbeit laufe so: „Wir versuchen, Vereine und Gruppierungen zu unterstützen, wenn sie mit unseren Partnerstädten in Kontakt treten wollen.“

Städtepartnerschaften in Selm: 25 Besucher aus Polen feiern 2020 mit im Karneval

Die Overbergschule unterhält eine Partnerschaft zu einer Schule im englischen Workington. © Monika Zientz

Ob es die Pfadfinder sind oder die Overbergschule: Der Städtepartnerschaftsverein hilft, wo er kann. Etwa durch persönliche Verbindungen in die Partnerstädte.

Persönliche Freundschaften

Wer glaubt, dass es nur Begegnungen auf offizieller Ebene - sei es durch städtische Delegationen und Partnerschaftsvereinsvertreter - gibt, der irrt. Es sind persönliche Freundschaften entstanden. Selmer besuchen Freunde in Walincourt-Selvigny zu Geburtstagen, Franzosen kommen nach Selm, um an Hochzeitsfeiern teilzunehmen. Glück, aber auch Trauer - etwa durch Teilnahme an Beerdigungen - teilen beide Seiten gleichermaßen.

Jetzt lesen

Die Partnerschaften leben eben durch die persönlichen Begegnungen unter den Menschen. Der Motor dieser Begegnungen ist auch der Städtepartnerschaftsverein. Zwischen 130 und 140 Mitglieder ist der Verein stark. „Davon ist ungefähr die Hälfte mehr oder weniger aktiv. Die andere Hälfte sind stille Mitglieder“, sagt Monika Zinetz.

Reger Austausch

Wie stabil sind denn die Städtepartnerschaften? „Es ist immer mit Arbeit verbunden“, sagt Monika Zientz. „Aber es ist ein reger Austausch mit den anderen. Aber man merkt natürlich, dass wir alle älter werden.“ Besonders merke man den Unterschied zwischen der Partnerschaft mit Walincourt und der mit Workington. „Bei Workington gibt es ja den Austausch mit der Overbergschule oder mit den Pfadfindern. Aus Workington kommt eine kleine Gruppe zu unserem Jubiläum.“ Die französische Partnerstadt Walincourt habe, was die Städtepartnerschaft betrifft, „große Nachwuchsprobleme“. Aus Frankreich könne zum Jubiläum keine Delegation kommen, „weil die selber keine weiten Strecken mehr Auto fahren“.

Städtepartnerschaften in Selm: 25 Besucher aus Polen feiern 2020 mit im Karneval

Monika Zientz ist die Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Selm. © Jura Weitzel (A)

Was aber auch im Zusammenhang mit Walincourt klappe, seien Kontakte etwa über die dortige Feuerwehr. Ganz aktuell stehe sie in Gesprächen mit der 1. Selmer Karnevalsgesellschaft, um Kontakte zu vermitteln.

Bemühen um neuen Schulaustausch

Eine Städtepartnerschaft hängt aber immer auch am Engagement von Einzelnen. „Der Schulaustausch mit Workington ist unter anderem deshalb zum Erliegen gekommen, weil der Lehrer, der sich auf englischer Seite darum gekümmert hat, nicht mehr im Dienst ist und deshalb keine organisatorischen Möglichkeiten mehr hat.“ Ähnlich sei es zwischen der Selmer Realschule und dem College in Walincourt gewesen. „Wir arbeiten seit zwei Jahren daran, den Austausch zwischen dem College und der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule hinzubekommen“, berichtet die Vorsitzende. Das brauche aber viel Zeit.

Kontakt zum Verein

  • Wer sich für die Arbeit des Städtepartnerschaftsvereins interessiert, kann sich das Datum Freitag, 13. März, notieren. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Selmer Hof, Kreisstraße, stellt der Verein per Diaschau vor, was im vergangenen Jahr so alles in den Partnerstädten los war. „Dazu kann jeder kommen“, sagt Monika Zientz.
  • Wer im Verein mitmachen möchte, kann sich per E-Mail melden: partnerschaftsverein-selm@email.de

Polen wollten mit 40 Leuten anreisen

Zumindest konnten die Partnerschaften zu Walincourt und Workington gehalten werden. „Sehr rege“ laufe dagegen die jüngste Partnerschaft - die mit der polnischen Stadt Iwkowa. 2015 wurde die Partnerschaftsurkunde von beiden Seiten unterschrieben.

Die Begriffe „sehr rege“ spricht Monika Zientz mit einem Lächeln aus. Und dann erzählt sie, warum sie schmunzeln muss: „Wir feiern unser Jubiläum intern am 21. Februar und haben in unseren Partnerstädten gefragt, ob jemand kommen möchte. Aus Frankreich kommt nun niemand, aus Workington kommen vier Leute und aus Iwkowa hieß es, ob es okay sei, wenn sie mit 40 Leuten kommen.“ Letztendlich sei es dann möglich gewesen, dass 25 Besucher aus Iwkowa kommen und untergebracht werden können.

Bereicherung des Karnevalsumzugs

Dank der Polen ist es nun auch möglich, dass der Karnevalsumzug durch Selm am Tag nach der Vereinsfeier - also am Samstag, 22. Februar - eine ganz besondere Bereicherung erfahren wird.

Städtepartnerschaften in Selm: 25 Besucher aus Polen feiern 2020 mit im Karneval

Die Folkloregruppe aus Iwkowa, hier mit Selms Bürgermeister Mario Löhr, wird beim Selmer Karnevalsumzug mitgehen. © Theo Wolters (A)

Unter den Besuchern aus Polen wird laut Monika Zientz eine Volkstanzgruppe sein, die auch gleichzeitig Marching Band sei. „Die sind jetzt für den Karnevalsumzug angemeldet und gehen dort mit.“ Wer also erleben möchte, wie eine Städtepartnerschaft lebt, kann das während des Karnevalsumzuges tun.

Der Verein ist auch sonst in der Öffentlichkeit aktiv: „Wir haben uns für die lange Tafel am Stadtfest angemeldet“, sagt Monika Zientz.

Städtepartnerschaften gerade jetzt wichtig

Und wie sieht die Zukunft der Städtepartnerschaften aus? „Die Notwendigkeit von Städtepartnerschaften sehe ich nach wie vor, auch in zehn Jahren“, sagt Monika Zientz. „Gerade jetzt bei der Problematik mit Brexit, der Frage, wie sich Polen weiter entwickeln wird, also in einer Zeit, wo es viele nationale Besinnungsströmungen gibt, finde ich es ganz wichtig, dass es Leute gibt, die dahinter stehen, zu sagen, dass man Kontakt zueinander haben muss, um auch voneinander zu lernen.“

Lesen Sie jetzt