Ab Samstag gilt die Bundesnotbremse auch in Selm. Für manchen ist das ein Blick in die Röhre. © Günther Goldstein
Vandalismus

Stadtverwaltung in Selm will nichts gewusst haben – trotz zig Meldungen

Selm regt sich auf - über Zerstörungswut und Ruhestörung. Und über eine Aussage des Stadtsprechers: „Meldungen über Böllerei oder Schüsse liegen nicht vor.“ Dabei gibt es etwa 150 davon.

Nächtlicher Lärm in Selm ist ein Problem, das um den Schlaf gebrachte Bürgerinnen und Bürger schon lange umtreibt. Schüsse oder Böller lassen sie regelmäßig hochschrecken. Nicht zu überhören sei das, sagen sie. Und seit Montagnacht (26.7.) ist es auch nicht mehr zu übersehen. Wie berichtet, hatten Unbekannte einen Feuerwerkskörper gezündet und damit die Lampe in der bunten Kuppel auf dem Rodelhügel im Auenpark weggesprengt. Damit ist die Stadtverwaltung jetzt selbst unmittelbar betroffen von etwas, das andere schon seit Jahren nervt.

„Meldungen über Böllerei oder Schüsse liegen der Stadtverwaltung nicht vor“, hatte Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage schriftlich mitgeteilt. Als Michael Meißner, ein Anwohner der Ludgeristraße das las, verstand er die Welt nicht mehr. Denn er und seine Frau ärgern sich schon lange über die Böllerei – und das nicht nur im stillen Kämmerlein.

Liste mit an die 100 Vorfälle allein im Jahr 2018

„Eine von mir erstellte Liste mit entsprechenden Vorfällen, jeweils mit Datum und Uhrzeiten, habe ich am 23. Juli 2018 bei der Polizei abgegeben“, schreibt er der Redaktion. Es habe sich damals schon um zig Vorfälle gehandelt, bis Ende 2018 kamen noch mehr als 50 dazu. Der diensthabende Polizeibeamte habe sie dem Selmer Ordnungsamt übergeben. Dort ist sie auch zweifelsfrei angekommen, denn der Selmer erhielt einen entsprechenden Anruf von dort mit weiteren Fragen: der Auftakt eines intensiven Austausches mit dem Ordnungsamt in Sachen Böllerei und Schüsse, den das Paar genau dokumentierte. Bis Mitte Dezember 2020.

Damals hatten sich die Meißners zum letzten Mal an die Stadtverwaltung gewandt. Ohne Antwort. Daraufhin gaben die beiden frustriert auf, weiter vorstellig zu werden bei der für Ruhestörung zuständigen Behörde: dem Ordnungsamt. Mitzuteilen hätte es gleichwohl etwas gehabt über das Dauerthema Böllerei. „Die Häufigkeit hat abgenommen, dafür hat die Intensität der einzelnen Detonationen zugenommen“, heißt es in einem Schreiben an die Redaktion.

Woesmann: Antwort bezog sich nur auf 2021

Stadtsprecher Woesmann fühlt sich indes missverstanden. „Die Antwort, der Stadtverwaltung liegen keine Meldungen vor, bezog sich auf das aktuelle Geschehen in diesem Jahr.“ In den vergangenen Monaten hätten tatsächlich keine dokumentierten Eingebungen zu Schüssen vorgelegen. „Lediglich zu dem vom LAFP Bork im Rahmen einer Übung abgebrannten Feuerwerk im März gab es Beschwerden, die dokumentiert sind.“

Woesmann hat aber noch einmal weiter zurückgeschaut: „Ende des vergangenen Jahres gab es im Rahmen der Corona-Streifen Hinweise auf angebliche Schüsse/ Böllereien. Bei den vorgenommenen Kontrollen wurden aber keine Verstöße festgestellt.“ Die Hinweise auf angebliche Schüsse in den vergangenen Jahren seien „meist einige Tage nach dem Vorfall gemeldet worden“. Eine nachträgliche Kontrolle und damit die Chance, des Verursachers habhaft zu werden, sei so „natürlich nicht möglich“. Daraus ergibt sich ein Appell.

„Die Stadtverwaltung bittet darum, bei Ruhestörungen, die in den Abend- und Nachstunden passieren, die Polizei zu kontaktieren.“ Nur so könne „gegebenenfalls sofort an Ort und Stelle reagiert werden“. Diesen Appell richtete auch bereits die Kreispolizeibehörde an die Bevölkerung. Je schneller die Meldung, desto größer die Erfolgschance, die Verursacher zur Verantwortung zu ziehen. So etwas hat das Ehepaar Meißner von der Ludgeristraße schon öfter gehört. Die Erfahrungen, die es in den vergangenen drei Jahren gesammelt hat, bestärken die beiden aber nicht, im Gegenteil: Wer sich tatsächlich melde, sagt Michael Meißner, „wird nicht ernst genommen“.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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