Jerusalem aus Legosteinen: Kita-Kinder aus Selm erleben die Bibel spielerisch

Kindergarten

Nacherzählen, statt vorlesen. Kleine Szenen bauen, um es anschaulich zu machen: Mit den „Bibelstellen des Monats“ machen die Kitas der Pastoralverbund St. Ludger Selm die alten Texte erlebbar.

Selm

, 20.10.2020, 08:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verbundleiterin Pia Althoff, Erzieherin Ulla Rox und Pastoralreferentin Nicole Thien (von links) machen Bibelgeschichten für Kinder erlebbar.

Verbundleiterin Pia Althoff, Erzieherin Ulla Rox und Pastoralreferentin Nicole Thien (von links) machen Bibelgeschichten für Kinder erlebbar. © Bischöfliche Pressestelle

Kindern den Glauben lebendig nahe zu bringen. Das haben sich die sechs Kindertagesstätten des Pastoralverbunds St. Ludger in Selm auf die Fahne geschrieben. So werden immer wieder verschiedene Projekte im Kita-Alltag umgesetzt.

„In der Kirche hört man zwar die alten, biblischen Texte. Aber die berühren einen nicht wirklich“, berichtet Erzieherin Ulla Rox. „Und dann habe ich am Erzählabend im Rahmen der ‚Erzählwerkstatt‘ vom Aktionsprogramm ‚Kita – Lebensort des Glaubens‘ mit Thomas Hoffmeister-Höfener teilgenommen.“ Ein Abend, der zur Initialzündung wurde. Plötzlich seien die Geschichten erlebbar, lebendig geworden. „Auf diese Weise wurden die Figuren erfahrbar, ihre Emotionen spürbar“, sagt Ulla Rox. Sie ist noch immer begeistert.

Jeden Monat eine Bibelstelle

Denn als sich die Kitas zusammen mit der Pastoralreferentin die Frage stellten, was denn „Kita als Lebensort des Glaubens“ für die Einrichtungen konkret bedeute, kam die Idee der „Bibelstelle des Monats“ auf: Das Leitungsteam wählt zusammen mit der Pastoralreferentin die Bibelstelle aus und erzählt sie für die Kinder nach.

„Das ist eine gute Möglichkeit, zu schauen, was die alten Texte uns heute noch zu sagen haben. Spielerisch, nicht schulmeisterlich“, ergänzt Verbundleiterin Pia Althoff. Als Orientierungsrahmen für die Auswahl der Texte dienen zum einen die Feste des Kirchenjahres. „Es wird aber auch geschaut, wie Ereignisse des Kindergartenjahres durch biblische Geschichten eingerahmt werden können“, so die Verbundleiterin weiter. So wurde zum Beispiel am Ende des Kindergartenjahres mit Beginn der Sommerferien die Geschichte von David und Goliath aus dem Alten Testament erzählt. „Bei uns sind die Kinder, die sich verabschieden, die Großen, die Riesen. In der Schule fangen sie aber wieder klein an. Mit David und Goliath-Geschichte wollen wir sie darauf vorbereiten und stärken.“

Durch Erzählen erlebbar machen

Für die Kinder wird das Erzählen durch die pädagogischen Mitarbeiterinnen zum Erlebnis. „Vor ihren geistigen Augen entstehen Landschaften. Mit ein paar Materialien helfen wir Materialien nach“, berichtet Erzieherin Ulla Rox. So wurde Jerusalem mit Legosteinen nachgebaut. „Hatten die da auch Spielplätze?“, fragten die Kinder, die die Geschichte in ihre Lebenswirklichkeit übertrugen. „Das bleibt hängen. Die Kinder werden so in die Geschichte mitgenommen.“

Und um die Geschichte länger präsent zu halten, kam das Team außerdem auf die Idee, die Textstelle in einer Art Schau-Fenster aufzubauen, einem kleinen Kasten mit einer weißen Klappe davor, die jedes Kind nach Belieben öffnen kann. „Diese Kästen gibt es in allen sechs Einrichtungen. Die Kinder schauen da gern rein“, berichtet Pia Althoff. Zurzeit gibt es die Geschichte von Jesus und dem Sturm auf dem See Genezareth zu entdecken: ein Stück Holz als Schiff mit einem blau-weiß gestreiften Segel, das den blauen Stoffwellen trotzt. Steine symbolisieren Jesus und seine Jünger. „Ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert, dass sich die Kinder so darauf einlassen“, erzählt Ulla Rox. „Sie wissen genau, welcher Stein für Jesus steht und schauen regelmäßig nach, ob er noch da ist.“

Das hat sogar Auswirkungen bis in das Zuhause der Kinder. „Die Kinder erzählen die Geschichten daheim nach, bringen ihre Eltern mit in die Kita und zeigen ihnen das Bild“, ergänzt Nicole Thien.

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