SPD Selm begeht bei Kandidaten-Aufstellung gleich zwei Foto-Fauxpas

dzCorona-Krise

Erst gab es keine Masken und dann hat es mit dem Mindestabstand nicht hingehauen. Kurz: Die Selmer SPD hat sich gleich zwei Foto-Fauxpas geleistet. Die Vorsitzende erklärt, wie es dazu kam.

Selm

, 27.05.2020, 20:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht in dieser Geschichte um ein Foto. Die Geschichte beginnt nach der Wahlkreiskandidatenversammlung der SPD im Bürgerhaus Selm. Vorschriftsgemäß haben die Kandidaten im Saal Abstände eingehalten und Mundschutze getragen. Dann, als die Wahlen erledigt waren, ging es nach draußen zum offiziellen Foto.

Ein Foto der Gewählten sollte auf der Homepage erscheinen. Tat es auch. Nur: Die Protagonisten standen auf dem Foto direkt nebeneinander, ohne Abstand. Und ohne Mundschutz.

„Das ist mir sehr peinlich. Das Foto ohne Mundschutz sollte gar nicht ins Internet.“
Jutta Steiner, SPD-Stadtverbandsvorsitzende

Das fiel Arzt und UWG-Kandidat Klaus Steenbock auf. Er informierte die Redaktion und äußerte per Mail seine Kritik an der SPD: „So spielt die SPD den Gegnern der notwendigen Maßnahmen in die Hände. Von einer in Bund, Ländern und Kommunen Verantwortung tragenden Partei hätte ich ein anderes Verhalten erwartet.“ In der Mail schickte er einen Link zur Homepage der SPD mit. Redaktionsmitglieder klickten den Link an und sahen, was Steenbock meinte: Sozialdemokraten eng nebeneinander, ohne einen Mundschutz.

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Wenig später prangt auf der SPD-Homepage dann plötzlich ein Foto der Wahlkreiskandidaten mit Mundschutz. Verantwortlich für die Inhalte auf der Selmer SPD-Homepage ist Stadtverbandsvorsitzende Jutta Steiner. Die Redaktion bat sie um eine Stellungnahme.

Hörbar geknickte Vorsitzende

Die Redaktion erreichte eine hörbar geknickte Jutta Steiner am Telefon: „Das ist mir sehr peinlich. Das Foto ohne Mundschutz sollte gar nicht ins Internet.“ Eigentlich sollten die Abstände eingehalten werden und ein Foto ohne Mundschutz gemacht werden. Aber die Abstände hätten nicht gestimmt. Das Foto sei dann jedoch irrtümlich im Internet veröffentlicht worden.

Zusätzlich sei nach der Versammlung noch ein Foto mit Mundschutz geschossen worden. So schildert es die SPD-Stadtverbandsvorsitzende. Und das Foto der Kandidaten ohne Mundschutz sei dann im Internet gegen das Foto mit Mundschutz ausgetauscht worden, weil ja aufgefallen sei, dass auf dem ersten Foto die Abstände nicht eingehalten worden waren.

Zweites Foto gemacht

„Wir haben den Mund- und Nasenschutz wieder angezogen und es wurde auf den nötigen Abstand hingewiesen. Wie Sie sehen, tragen alle den Mund- und Nasenschutz. Nach der Übersendung der Datei zu mir, habe auch ich bemerkt, dass der Abstand nicht eingehalten worden ist.“

Dass auch auf dem Foto mit Mundschutz die Mindestabstände, wie sie die Coronaschutzverordnung vorgibt, nicht eingehalten wurden, kommentiert sie so: „Ich bedaure das außerordentlich und in Absprache mit dem Bürgermeister haben wir umgehend Herrn Schwager (den zuständigen Dezernenten der Stadt, Anm. d. Red.) über den Sachverhalt informiert.“

Das Foto der SPD-Wahlkandidaten mit Mundschutz aber ohne Mindestabstand steht - Stand 27. Mai mittags - immer noch auf der Homepage der SPD Selm.



So kommentiert Redakteur Arndt Brede

Die SPD tut das, was Parteien nach Wahlen immer tun: Sie stellen Fotos ihrer Gewählten ins Internet. Das ist also normal. Normal? Unüberlegt.

Die SPD muss erkennen: In Corona-Zeiten kommt es auf jedes Detail bei der Außendarstellung an. Da reicht es nicht, so zu verfahren wie immer.

Welches Bild gibt die SPD ab, wenn sie in diesen Zeiten, in denen jeder Privatier sich dreimal überlegen muss, mit wem er wie in Kontakt geht, einfach mal geschlossen nebeneinander steht? Eben so wie immer.

Mal abgesehen davon, dass Bußgelder fällig gewesen wären, hätte gerade zum Zeitpunkt des Fotoshootings das Ordnungsamt um die Ecke geguckt. Es konterkariert jede Maßnahme zur Minimierung der Corona-Pandemie, sich eng nebeneinander zu stellen. Politiker haben eine Vorbildfunktion. Schon vergessen?

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