Skylab, Magic, Art of Nightlive und Easy Danceclub - die Diskogeschichte Selms

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Vor über 60 Jahren soll die erste Disko in Deutschland geöffnet haben. Das Skylab in Selm gab es da noch lange nicht. Ein Rückblick auf die Geschichte des Selmer Clubs, der mal als legendär galt.

Selm

, 17.10.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Disko. Schlaghosen und Schallplatten, John Travolta, laute Musik, grelle Lichtshows, hippe DJs, Alkohol - die Assoziationen zu diesem Begriff sind ganz unterschiedlich, je nachdem, welche Altersgruppe man dazu befragt. Wenn man in Amerika von „disco“ spricht, dann ist damit eher die Musikrichtung gemeint: Bee Gees, „Stayin‘ alive“, ABBA, „Dancing Queen“ und so.

In das Magic kamen Besucher aus der ganzen Region, um zu Feiern.

In das Magic kamen Besucher aus der ganzen Region, um zu Feiern. © Jürgen Weitzel

Die Geschichte von Diskos als Orten, an denen getanzt wurde und die Fetzen flogen, geht allerdings schon etwas weiter zurück als in die 70er-Jahre: In den USA öffneten in den 1930er-Jahren die ersten Bars mit Jukeboxen, im Zweiten Weltkrieg spielte ein Club in Paris - weil Live-Musik nicht möglich war - Jazz-Schallplatten. Er nannte sich „La discothèque“.

Trend schwappte deutlich später nach Deutschland - und nach Selm

Nach Deutschland schwappte der Trend deutlich später: Im Jahr 1959 hat es in Osnabrück und in Aachen die ersten Clubs dieser Art gegeben - in der kleinen Stadt Selm allerdings noch nicht. Die Borker, Cappenberger und Selmer tanzten da eher noch in Gasthäusern, tranken an der Theke der alteingesessenen Kneipen. Bei den Tanzabenden bei Bock an der Kreisstraße wurden viele Ehen geschmiedet, im Kurhaus am Ternscher See gab‘s Rock und Pop, Dönekes bei Kreutzkamp auf Cappenberg.

In den 70er-Jahren aber entwickelte sich ein Lokal in Selm zur ersten Disko der Stadt: Harris Saloon. Samstagsabends war auf dem Hermann-Löns-Weg deshalb oft kaum ein Parkplatz zu bekommen. Die Geschichte von Harris Saloon beginnt schon 1957. Da hieß das Lokal noch Buddenberg und es spielten Tanzkapellen im Saal. In den 1970er-Jahren wurde Harry Saloon dann zur Disko - mit allem, was dazu gehört. Es gab Musik vom Diskjockeys, eine Spielwand und eine Nebelmaschine.

Außerdem nahmen auch immer wieder größere Stars die Einladung vom Selmer Harri Jacobi an und traten in der Disko auf. Es gibt so zum Beispiel noch einen Zeitungsausschnitt, in dem Harris Saloon dem Stargast Wolfgang Petry ankündigt. Am 10. September 1983 war der Schlagerstar zu Gast in Selm. Bis 1989 gab es Harrys Saloon auf dem Hermann-Löns-Weg: Da endete dann die Geschichte der ersten Disko Selms.

Im Magic war immer viel los.

Im Magic war immer viel los. © Jürgen Weitzel

In den 80er-Jahren entstand außerdem eine andere Disko in Selm: Sie gilt in der Region als ziemlich legendär. Das Skylab öffnete 1985 - im Industriegebiet in Selm, also fern von irgendwelchen Nachbarn. Davor hatte es in Lüdinghausen den Vorläufer dieses Clubs gegeben. Er hieß „Moonraker“, musste aber schließen, weil sich die Nachbarn über zu viel Lärm beschwerten.

In relativ kurzer Zeit schaffte es das Skylab in Selm zu einem Ruf in der Region: Aus vielen Städten und Dörfern in der Nähe kamen die Besucher auf die Tanzfläche des Ladens.

1988 kam es dann aber zu einem Feuer in der Disko. Sie musste dann für zwei Jahre geschlossen bleiben, bevor die Geschichte weiter ging. Als „Magic 3“ wurde sie 1990 wieder eröffnet. Vor allem durch die aufwendige Lichtshow wurde die Disko unter diesem Namen in den nächsten Jahren bekannt.

Große Drogenrazzia im Magic 2001

In den späten 90er-Jahren wechselte das Magic dann mehrmals den Namen - andere Pächter hatten es da übernommen. „Art of Nightlife“ hieß es für eine Zeit, dann nur „Nightlife“ und später wieder „Magic 3“.

Kurz vor dem Abriss stand das Gebäude an der Industriestraße in Selm leer.

Kurz vor dem Abriss stand das Gebäude an der Industriestraße in Selm leer. © Tobias Weckenbrock

Bei allen guten Erinnerungen die die Selmer daran wahrscheinlich haben: Es gibt auch Schattenseiten. Ein Beispiel: Im Mai 2001 gab es eine Großrazzia der Polizei in der Diskothek. „Ermittlungen der Polizei hatten ergeben, dass in der Diskothek ein schwunghafter Handel mit illegalen Drogen betrieben wird. Es handelt sich vornehmlich um chemische Drogen, insbesondere Ecstasy“, berichten die Ruhr Nachrichten in der Ausgabe vom 14. Mai 2001.

70 Strafverfahren wurden nach der Razzia eingeleitet. Tatort: das Magic in Selm. „Die Polizei weist in einer Pressemitteilung ausdrücklich darauf hin, dass es keinerlei Erkenntnisse über eine mögliche Beteiligung der Diskothekenbetreiber um illegalen Drogenhandel gibt“, stand damals in der Zeitung.

2013 wurde das Magic geschlossen.

Aus dem Magic 3 wurde 2014 der Easy Danceclub.

Aus dem Magic 3 wurde 2014 der Easy Danceclub. © Arndt Brede

Damit endete die Geschichte der Disko aber nicht: Schon ein Jahr später wurde sie wieder eröffnet. Unter dem Namen „Easy Danceclub“. Diesen Club gab es allerdings nicht lange. Nur ein halbes Jahr nach der Eröffnung hieß es „Sorry, we‘re closed“: Die Betreiber der Disko waren insolvent.

Auch die Räumlichkeiten - Heimat so vieler Erinnerungen - waren kurz danach Geschichte. Im Herbst 2016 wurde das Gebäude abgerissen.

Die Disko Harris Saloon hatten wir in einer vorigen Version des Textes noch nicht erwähnt. Die Infos zur ersten Diskos Selm haben wir ergänzt.

2016 wurde das Gebäude, in dem erst das Skylab, dann das Magic und zuletzt das Easy untergebracht waren, abgerissen.

2016 wurde das Gebäude, in dem erst das Skylab, dann das Magic und zuletzt das Easy untergebracht waren, abgerissen. © Jessica Hauck

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