Sind Sicherheitsdienste in der Corona-Krise gefragter denn je? © picture alliance/dpa
Sicherheit

Sicherheitsdienst in Selm: „Ich gehöre zu den Gewinnern in der Krise“

Corona hat viele ihren Job gekostet - auch in der Sicherheitsbranche. Ein 33-Jähriger hat in Selm mitten in der Krise eine Sicherheitsfirma gegründet. Er erklärt, warum das sein Vorteil ist.

Wie einst vor den Diskotheken stehen sie nun vor den Türen von Supermärkten, Drogerien und Baumärkten und regeln den Einlass: Sicherheitsdienstleister. Die Mitarbeitenden der externen Sicherheitsdienste rücken so immer mehr in den Alltag vieler Menschen. Dabei drängt sich die Frage auf: Ist Security-Personal nun gefragter denn je?

Sicherheitsbranche: Ein hart umkämpfter Markt

„Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen steigt schon seit Jahren“, sagt Thomas Kusnierek vom TK Sicherheitsdienst in Selm. Der 33-Jährige hat rund zwölf Jahre lang als Angestellter bei Sicherheitsdiensten gearbeitet, bis er sich schließlich im September 2020 mit seiner eigenen Sicherheitsfirma selbstständig gemacht hat – mitten in der Corona-Krise.

Thomas Kusnierek hat sich im September 2020 mit seiner Sicherheitsfirma in Selm selbstständig gemacht.
Thomas Kusnierek hat sich im September 2020 mit seiner Sicherheitsfirma in Selm selbstständig gemacht. © TK-Sicherheitsdienst © TK-Sicherheitsdienst

Genau das scheint für Kusnierek ein Vorteil gegenüber manchem Kollegen zu sein. „Ich gehöre zu den Gewinnern in der Krise, gerade weil ich mich jetzt erst selbstständig gemacht habe“, sagt der 33-Jährige. „Die Sicherheitsbranche ist ein hart umkämpfter Markt. Viele Sicherheitsfirmen, die sich auf Veranstaltungsschutz spezialisiert haben, stehen nun vor einem Trümmerhaufen und sind kurz vor der Insolvenz.“

NRW: 63,6 Prozent Umsatzsteigerung im Sicherheitsbereich

Die Stadt Selm etwa beauftrage externe Sicherheitsdienste, um Großveranstaltungen wie das Stadtfest zu begleiten. Eigenes Personal hierfür stehe nicht ausreichend zur Verfügung, erklärt die Stadt auf Anfrage. Für Corona-Kontrollen seien aber keine externen Dienstleister beauftragt worden, so Stadtsprecher Malte Woesmann.

Auch immer mehr Großunternehmen überlassen den Werkschutz Fachleuchten und das Sicherheitsbedürfnis von Privatpersonen steige, so Cornelia Okpara, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Damit lasse sich die Umsatzsteigerung um 63,6 Prozent im Sicherheitsbereich von 2009 auf 2019 in NRW erklären, die das statistische Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen mitgeteilt hat.

Sorgt Corona für weitere Umsatzsteigerungen?

Die Pandemie sei aber wohl kein allgemeiner Treiber zusätzlicher Einnahmen. Immerhin falle nicht nur der Sektor des Veranstaltungsdienstes weg, sondern auch im Bereich Luftsicherheit habe es starke Einbrüche gegeben. Etliche Mitarbeiter seien in Kurzarbeit oder hätten wegen der Pandemie entlassen werden müssen.

Die Rückgänge im Sicherheitsbereich werden durch die pandemiebedingten Neuaufträge im Einzelhandel etwa aufgefangen. Okpara: „Die Sektoren verschieben sich. Wenn die Pandemieaufgaben wegfallen, kommen die anderen wieder hinzu.“ Umsatzzahlen für 2020 für den Vergleich gibt es aber noch nicht, da das statistische Bundesamt nur alle zwei Jahre neuere liefert.

„Wir müssen aber nicht Rambo spielen.“

Thomas Kusnierek und seine fünf Mitarbeiter konzentrieren sich vorerst vor allem auf Objektschutz sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen und auf die coronabedingten Aufträge.

Der TK-Sicherheitsdienst leistet vorbeugenden Einbruchschutz - besonders während des Lockdowns ist der mobile Objektschutz gefragt.
Der TK-Sicherheitsdienst leistet vorbeugenden Einbruchschutz – besonders während des Lockdowns ist der mobile Objektschutz gefragt. © TK-Sicherheitsdienst © TK-Sicherheitsdienst

Der mobile Objektschutz sei während des Lockdowns gerade von Unternehmen auch immer besonders gefragt. Wenn sich Geschäftsführer um die Sicherheit ihrer nicht besetzten Läden sorgen und Einbruch oder Vandalismus fürchten, rücken Thomas Kusnierek und seine Mitarbeiter aus und führen regelmäßige Kontrollen durch. Für viele Unternehmen lohne sich ein fester Pförtner nicht. Eins stellt Kusnierek klar: „Wir müssen aber nicht Rambo spielen.“ Sobald ein versuchter Einbruch festgestellt werde, werde die Polizei sofort hinzugezogen.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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