Ein gewohntes Bild morgens kurz vor Schulbeginn am Zebrastreifen an der Ludgeristraße: Schülerlotsen sichern ab, wenn Schüler die Straße überqueren. Derzeit ist das aber nicht der Fall. © Arndt Brede (Archiv)
Schulwegsicherung

Sicherer Schulweg in der Selmer Altstadt: Wichtiger Faktor fehlt

Morgens kurz vor 8 Uhr in der Selmer Altstadt. Junge Menschen in Warnwesten lotsen Kinder und Jugendliche über die Ludgeristraße. Eigentlich. Zurzeit nicht. Warum nicht?

Schüler der Ludgerischule und der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule haben es gut. Müssen sie in Höhe der Gaststätte Suer die Ludgeristraße überqueren, um zur Ludgerischule oder zur Selma-Lagerlöf-Sekundarschule zu kommen, stehen sie unter besonderem Schutz. Verkehrshelfer – im Volksmund auch Schülerlotsen genannt – stellen sich, ausgerüstet mit Warnwesten und Signalkellen, vor und hinter den Zebrastreifen auf die Fahrbahn und sichern ab, wenn Kinder und Jugendliche den Überweg passieren. Eine wichtige Aufgabe ist das, denn morgens vor Schulbeginn rollt der Berufsverkehr stetig durch die enge Selmer Altstadt. Autofahrer, Busse, Radfahrer: eine Gemengelage, die drubbelig ist. Dazwischen eben die Schüler auf dem Weg zu ihren Schulen. Gut, dass es die Verkehrshelfer gibt.

Dass Schülerlotsen diese Stelle in der Altstadt vor Schulbeginn sichern, hat seit vielen Jahren Tradition. Hatten Otto-Hahn-Realschüler diese Aufgabe übernommen, traten Selma-Lagerlöf-Sekundarschüler nach Auslaufen der Schulform Realschule in Selm deren Nachfolge an. Zur Zufriedenheit der Polizei, die die Schülerlotsen für diese Arbeit schult, der Verkehrswacht Kreis Unna, die die Schülerlotsen mit Westen ausrüstet, und der Eltern von Schulkindern, die den Zebrastreifen passieren müssen.

Verkehrshelfer fehlen im doppelten Sinn

Es ist also ein gewohntes Bild, das sich frühmorgens in der Altstadt zeigt. Doch dieses gewohnte Bild fehlt. Weil die Verkehrshelfer fehlen. Im doppelten Sinn. Nicht nur, dass zurzeit keine Verkehrshelfer an der Stelle präsent sind. Sie fehlen auch im Sicherheitsgefühl von Eltern und Schülern. Daniela Surholt begleitet ihre zwei Töchter normalerweise morgens von der Hol- und Bring-Zone an der Ludgerikirche zu Fuß zur Ludgerischule. „Ich gehe bewusst mit ihnen mit, wenn sie den Zebrastreifen überqueren müssen, weil da beileibe nicht jeder Autofahrer anhält.“ Normalerweise kein Problem, weil ja Schülerlotsen die Autofahrer zum Stillstand bringen. Zurzeit aber eben nicht. Ab und zu stehe am Zebrastreifen zwar ein Polizist, aber das ganze laufende Schuljahr lang gebe es schon keine Verkehrshelfer für jeden Tag. „Wenn die Schülerlotsen da sind, ist es angenehmer, weil die Kinder dann gut und sicher über die Straße gehen können.“

Dass die Schülerlotsen fehlen, trage dazu bei, dass neben der vor Schulbeginn viel befahrenen und von Elterntaxis zugeparkten Südkirchener Straße ein wichtiges Teilstück des Schulwegs – eben der Zebrastreifen vor dem Gasthaus Suer – auch nicht gesichert sei, bestätigt Stephanie Brockhaus, Leiterin der Ludgerischule. Das gelte auch zurzeit, wo lediglich Notbetreuung laufe.

Wegen Corona keine Ausbildung möglich

Warum die Schülerlotsen morgens nicht vor Ort sind, erklärt Karin Vogel, Leiterin der Sekundarschule Selm, so: „Das ist der Coronapandemie geschuldet.“ Es sei eben nicht möglich gewesen, zusammenzukommen und Verkehrshelfer auszubilden. „Wir müssen ja immer gucken, wen wir für diese Aufgabe auswählen und welche Gruppen wir mischen können.“ Die Sekundarschule gehe sehr sorgfältig auch mit diesem Thema um. Eine Ausbildung zu Schülerlotsen sei wegen der Coronaschutzverordnung nicht möglich gewesen. „Auch, weil wir gar nicht an außerschulische Lernorte konnten.“ Außerschulische Lernorte wie die Polizei, bei der die Sekundarschüler zu Verkehrshelfern ausgebildet werden.

Wie sieht es denn nach Meinung der Schulleiterin perspektivisch in Sachen Schülerlotsen aus? „Die Ausbildung können wir in dem Moment wieder aufnehmen, wenn es den Schulen wieder erlaubt ist, außerschulische Lernorte zu besuchen. Das ist noch nicht absehbar. Ich sehe auch nicht, dass das noch irgendwann in diesem Schuljahr passieren wird. Wir müssen abwarten, wie sich tatsächlich die Inzidenzzahlen, der Infektionsverlauf, die Mutationen entwickeln. Und was sich für unsere Dienstherren daraus ableiten lässt im Sinne von Fürsorge gegenüber den Schülern und Lehrkräften, welche Angebote aufrecht erhalten werden können.“

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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