So sehen zufriedene Löwenschüler aus. Also die Kinder, die Selms erste Ganztagsklasse an der Overbergschule besuchen. © Christine Jücker
Ganztagsklasse

Selms erste Ganztagsklasse: Heute noch Pilotprojekt – und morgen?

Grundschüler haben bis mittags Unterricht und gehen dann in die Ganztagsbetreuung, wenn ein Platz für sie gebucht ist. An der Overbergschule in Selm macht eine Klasse das nicht so. Wie läuft es?

Es war im August 2020, als an der Overbergschule vieles anders wurde, als bisher. Die Löwenklasse – also die Klasse 1a – wurde eingeschult. Nicht, dass das etwas Ungewöhnliches gewesen wäre. Aber der Alltag der Löwenschüler unterschied sich fortan erheblich von dem der anderen Klassen.

In den ersten drei Stunden und in der siebten Stunde hat die Klasse Unterricht. In der vierten Stunde ist Lernzeit mit Vertiefungsaufgaben (statt Hausaufgaben). Mittagessen läuft danach im Klassenverband. Die Kinder nehmen gemeinsam an Arbeitsgemeinschaften teil. Betreut werden sie durch ein Team aus OGS-Kraft, Klassenlehrer und zusätzlicher pädagogischer Kraft. Als Berater und Lernbegleiter der Löwenkinder. Und: Die Kinder sind immer in den selben Räumen, brauchen nicht zu wechseln, wie nach dem Regelunterricht, wo die anderen Schüler bei Bedarf in die Offene Ganztagsbetreuung (OGS) gehen.

Rhythmisierter Ganztag an die Bedürfnisse der Kinder angepasst

Rhythmisierter Ganztag nennt sich das Konzept der Löwenklasse. Es ist ein Pilotprojekt, das ausschließlich an der Overbergschule seit dem Schuljahresbeginn läuft. Ganztagskinder werden diese Schüler genannt. Und da Abkürzungen en vogue sind, heißt die Klasse nicht nur Löwenklasse, sondern wegen des besonderen Konzepts GaKi-Klasse. Und? Wie läuft’s im Pilotprojekt? Wir haben nachgefragt.

Das sieht so richtig gemütlich aus, wie die Löwenklasse die Zeit nutzt, in der sie keinen Unterricht hat.
Das sieht so richtig gemütlich aus, wie die Löwenklasse die Zeit nutzt, in der sie keinen Unterricht hat. © Christine Jücker © Christine Jücker

„Wir haben den Unterricht der GaKi-Klasse an die Bedürfnisse der Kinder angepasst“, sagt Christine Jücker, Leiterin der Overbergschule. Heißt: Die Kinder haben nicht fünf Stunden Unterricht, gehen Mittagessen, haben einen vollen Bauch und gehen dann in die OGS, führt die Pädagogin fort.

Ist denn gewährleistet, dass bei dem GaKi-Konzept die Lehrpläne erfüllt werden können? Sprich: Lernen die GaKi-Schüler genau so viel wie die anderen Overbergschüler? Klare Antwort der Schulleiterin: „Wir bilden ja komplett die Stundentafel ab. Das müssen ja allein schon aus Gerechtigkeit den anderen Klassen gegenüber.“

Nun ist die GaKi-Klasse ja als Pilotprojekt angelegt. Wie fällt die Zwischenbilanz aus? „An der eine oder anderem Stelle muss man nachsteuern“, erklärt Christine Jücker. Zum Beispiel bekommen die Eltern der GaKi-Schüler das Material verschiedener Unterrichtsfächer, das ihre Kinder bearbeitet, mit nach Hause, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Denn Hausaufgaben gibt es ja für die Löwenkinder nicht.

Der Übergang ist fließend

Eine glühende Verfechterin des GaKi-Konzepts ist Daniela Simonetti. Sie ist OGS-Kraft an der Overbergschule und als solche regelmäßig in der GaKi-Klasse. Ich arbeite seit vielen Jahren im OGS-Bereich“, erzählt sie im Gespräch mit der Redaktion. „Ich hatte immer das Gefühle, dass, wenn die Kinder aus dem Unterricht in die OGS kamen, es zwei verschiedene Paar Schuhe waren. Wir haben auch mit den Lehrern gearbeitet, aber nicht so Hand in Hand, wie das in der GaKi-Klasse ist.“ Sie komme schon zur vierten Stunde, sei bei der Lernzeit dabei. Es sei ein fließender Übergang.

Daniela Simonetti ist als OGS-Kraft integraler Bestandteil der GaKi-Klasse.
Daniela Simonetti ist als OGS-Kraft integraler Bestandteil der GaKi-Klasse. © Christine Jücker © Christine Jücker

Hat dieses Konzept Zukunft? Das Konzept GaKi-Klasse gehe auch in das nächste Schuljahr, sagt Christine Jücker. Die jetzige erste Klasse wird mit diesem Konzept bis zum Ende ihrer Grundschulzeit lernen. Plus: Im kommenden Schuljahr wird eine weitere erste Klasse zur GaKi-Klasse. „Von der Politik ist das genehmigt.“ Es gebe schon „diverse Anmeldungen für die neue GaKi-Klasse.“

Eine weitere Wahlmöglichkeit für die Eltern

2025 könnte das Jahr sein, in dem es den Anspruch auf einen Ganztagsplatz geben wird. Wie sieht Christine Jücker die Rolle des GaKi-Klassen-Konzepts bei dieser Frage? „Es wäre neben dem Regelunterricht mit anschließender OGS-Betreuung ein weiteres Angebot, für das sich die Eltern der Overbergschüler entscheiden könnten.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Ich finde meine Themen auf der Straße und bin deshalb gerne unterwegs.
Zur Autorenseite
Arndt Brede

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.