NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat eine Mail mit Kritik am Vorgehen in Sachen Impfungen von Menschen über 80 von der Selmerin Gerda Bauhaus erhalten. Die Antwort darauf überließ er anderen. © picture alliance/dpa/dpa-Pool
Impfungen von Menschen über 80

Selmerin erhält nach Mail an Minister Laumann Antwort – nicht von ihm

Die Selmerin Gerda Bauhaus hatte an NRW-Gesundheitsminister Laumann geschrieben und das Impfchaos kritisiert. Jetzt hat sie Antwort bekommen. Die Unterschrift ist nicht die des Ministers.

Gerda Bauhaus hat im Januar ihrem Unmut eine schriftliche Form gegeben. Im Schreiben an NRW-Minister Karl-Josef Laumann listete sie einige Kritikpunkt in Sachen Impfungen von Menschen über 80 auf:

  • Die Organisation der Impfkampagne sei katastrophal beziehungsweise hochgradig verantwortungslos.
  • Die Wege zum Impfzentrum Unna seien für Menschen über 80 nur schwer zu absolvieren.
  • Stattdessen sei es sinnvoller, wenn Hausärzte die Betroffenen impfen würden. Entweder in den Praxen oder in geeigneten Hallen, auch in Selm, die zur Verfügung stünden.

„Ich hoffe auf eine große Initiative, die weiterhin für die Verabreichung des Impfstoffs durch die Hausärzte kämpft und auf Politiker, die ihre Verantwortung ernst nehmen“, hat Gerda Bauhaus noch dazu geschrieben. Der Redaktion gegenüber hatte sie auf die Frage, ob sie realistisch daran glaube, eine Antwort zu bekommen, geantwortet: „Fehler eingestehen, getroffene Entscheidungen revidieren, können oder tun das Politiker?“

Nun ist die Antwort auf ihr Schreiben also per Mail eingetroffen. „Sehr geehrte Frau Bauhaus, Herr Minister Laumann hat Ihr Schreiben erhalten und gelesen“, heißt es gleich zu Anfang in der Mail. Deren Absender, das Team Anfragen im Büro des Ministers Karl-Josef Laumann, konnte bereits ahnen lassen, dass Laumann nicht persönlich geantwortet hat. Und so ist es. Im weiteren Verlauf heißt es nämlich: „Zunächst möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass Herr Minister Laumann Ihnen nicht selbst antworten kann. Da täglich eine Vielzahl von Briefen und E-Mails bei ihm eingehen, ist es für ihn einfach nicht möglich, alle Zuschriften persönlich zu beantworten. Um Sie aber nicht ohne eine Nachricht zu lassen, hat er mich gebeten, Ihnen in seinem Auftrag zu antworten.“

Ministerium: Zeitnahe Lösungen

Die Antworten lesen sich so: „Danke für Ihre ausführlichen Anmerkungen zum Thema Erreichbarkeit von Impfzentren und der geltenden Schutzmaßnahmen. Ihre Argumente sind gut nachvollziehbar und ebenso, dass gerade die Generation der über 80 Jährigen in Ihrem Alter sich möglichst nicht den zeitweise engen Verhältnissen im Öffentlichen Nahverkehr aussetzen sollten. Unser Ministerium bespricht zurzeit mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, wie und ob eine mehr wohnortnahe Versorgung für die Gruppe der über 80-jährigen kurzfristig umgesetzt werden könnte und wir denken, dass es zeitnah Lösungen geben wird.“ Aufgrund der verwaltungstechnischen Organisation sei es jedoch nicht immer realisierbar, weitere Impfzentren, die näher gelegen sind, zu öffnen. Das Team des Ministers verweist auf Fahrdienste in verschiedenen Kommunen.

Grundsätzlich, so das Ministerteam, „sollte Jede und Jeder das zuständige Impfzentrum aufsuchen, denn es ist wichtig, dass die Impfungen entsprechend dokumentiert und an das RKI gemeldet werden“. Weitere, auch kleinere Impfzentren seien deshalb nicht eingerichtet worden, weil eine solche Einrichtung einen ganz erheblichen logistischen, personellen und materiellen Aufwand erfordere. „Es ist geplant, dass, sobald geeignete Impfstoffe zur Verfügung stehen, sowohl zuhause als auch in den Arztpraxen geimpft werden kann.“

Impfungen durch Hausärzte noch nicht möglich

Zum Vorschlag von Gerda Bauhaus, dass Hausärzte doch Menschen über 80 impfen sollten, heißt es in der Mail: „Ihr Vorschlag, die Impfung an die Hausärzte zu übertragen, ist mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen leider noch nicht möglich. Es handelt sich dabei um einen extrem kühlungsbedürftigen Impfstoff und eine korrekte Lagerung können Hausarztpraxen nicht gewährleisten, die Impfzentren hingegen schon. Sobald ein geeigneter Impfstoff zur Verfügung steht, werden auch die Arztpraxen anfangen zu impfen. Wir gehen davon aus, dass im Laufe des Frühjahrs 2021 immer mehr Impfstoffdosen zur Verfügung stehen und dass darüber hinaus weitere Impfstoffe zugelassen werden, die genauso wirksam sind, aber einfacher zu handhaben als der Impfstoff der Firma BioNTech/Pfizer. Am 6. Januar 2021 ist der Impfstoff des US-Unternehmens Moderna als zweites Medikament gegen COVID-19 EU-weit zugelassen worden.“

Zum Schluss schreibt das ministerielle Team unter anderem: „Ich möchte Ihnen versichern, dass Minister Laumann Ihre Äußerungen sehr ernst nimmt. Er hat es als Vertrauensbeweis empfunden, dass Sie ihm geschrieben haben.“

50 Versuche, einen Impftermin zu bekommen

Was macht das Schreiben nun mit Gerda Bauhaus? Das haben wir die Selmerin gefragt. Ihre Antwort: „Ich werde dem ,Minister-Laumann-Team‘ antworten:

Nämlich, mich für die Antwort herzlich bedanken; auf das momentane ,Impf-Anmelde-Chaos‘ (IT/Logistik/Kommunikation) hinweisen; die vielen Betroffenen erwähnen, die in den Medien ihre negativen Erfahrungen bei der Terminvergabe für ihre Eltern schildern; über meine eigene Erfahrungen berichten: 50 Versuche per Telefon und Internet – dann durchgekommen mit dem Ergebnis, leider keine Terminvergabe in Unna möglich; Unverständnis und Enttäuschung darüber äußern, dass keine ,Hausarzt-Impf-Aktion‘ stattfinden kann; meine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Organisation anbieten, sollte der Minister noch eine Entscheidung pro Hausarzt-Aktion treffen (Meldungen an das RKI können auch dabei gewährleistet werden), sofern der Bund/das Land NRW für die Lieferung und Verteilung des ,Biontech-Impfstoffs‘ (die Kühlung habe ich verstanden, ist aber organisiert zu händeln) in der Lage ist; darauf hinweisen, dass das nächste Impfchaos durch den AstraZeneca-Impfstoff (Impfung nur von 18 bis 64 Jahre) vorprogrammiert ist und die ,Ü-80 Aktion‘ dadurch weiterhin verzögert werden wird.“

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Arndt Brede

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