Selmerin bot Thermomix zum Verkauf - verschickte aber kaputte Vase

dzGerichtsprozess

Einmal mehr stand einer Selmerin das Wasser bis zum Hals. Also bot die Frau ein Smartphone und einen Thermomix zum Verkauf an. Der Appell der Richterin war eindeutig.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 04.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schicksalsschlag, der verlorene Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Freund und chronische Geldsorgen: Das Leben der Frau aus Selm, die sich vor dem Lüner Amtsgericht verantworten musste, erwies sich im vergangenen Jahr als Herausforderung.

In dieser Situation geriet die 32-Jährige mit drei Vorstrafen wegen Betrugs erneut auf Abwege. Mitte August 2019 verkaufte sie einem Kunden über eBay-Kleinanzeigen ein Smartphone, kassierte 480 Euro und lieferte nichts. Nicht besser erging es einem anderen Käufer Mitte November. Er überwies 700 Euro für einen Thermomix und erhielt anstelle des Geräts ein Paket mit einer zerbrochenen Glas-Vase. Beide Opfer erstatteten Strafanzeige.

„Das war nicht in Ordnung“

Betrug in zwei Fällen wurde der Selmerin nun zur Last gelegt. Sie räumte beide Taten umgehend ein, wobei dem nervösen Lächeln, mit dem sie den Gerichtssaal anfangs betrat, schnell ein Tränenausbruch folgte. „Ich stehe dazu. Ich wollte das eigentlich auch nicht. Das war nicht in Ordnung.“ Die Sache mit dem Handy nickte sie förmlich ab. Was den Thermomix betraf, holte sie etwas weiter aus. Das Gerät habe sie tatsächlich besessen.

Eine Freundin, die damit nichts habe anfangen können, habe es ihr geschenkt. Sie habe den Thermomix verschicken wollen, dann jedoch sei ein zweiter Käufer aufgetaucht und habe Abholung offeriert. Sie habe nicht widerstehen können. Sicherlich, das Geld habe sie zurückzahlen wollen, doch das sei dann nicht möglich gewesen. Und die zerbrochene Vase habe sie nur verschickt, um Zeit zu gewinnen. Der Käufer habe nämlich einen Sendungsnachweis gefordert. Darüber gab sie zu, bereits bei der Beschreibung in der Anzeige getäuscht zu haben. Darin habe sie das Gerät als ungeöffnet bezeichnet. Das habe natürlich nicht den Tatsachen entsprochen.

Lernen, mit weniger Geld auszukommen

Die Richterin erinnerte sie an die alten Verurteilungen und der Anklagevertreter wies darauf hin, dass zudem weitere Vorwürfe eingestellt worden seien. „Sie missbrauchen das Vertrauen der Leute“, brachte es die Richterin auf den Punkt und fügte hinzu, dass sie die Opfer zudem „verarsche“ – beispielsweise mit einem Scherbenhaufen im Paket. „Irgendwann muss das auch aufhören.“ Die 32-Jährige gelobte Einsicht.

Sie wolle sich nun Hilfe suchen und lernen, mit wenig Geld auszukommen. Die Taten bescherten ihr acht Monate Haft auf Bewährung und die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 1180 Euro. „Lassen Sie das“, so die mahnenden Worte der Richterin zum Abschied.

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