Tanzen lebt auch davon, dass ein Tanzlehrer - in diesem Fall Horst Bartsch - einer Teilnehmerin eines Tanzkurses persönlich Tanzschritte beibringt. Das ist in der Coronapandemie nicht möglich. © Arndt Brede (Archiv)
Tanzschule

Selmer Tanzschule im Lockdown: „Andere Jobs machen, um über Wasser zu bleiben“

Tanzschulen leben davon, mit Menschen im persönlichen, ja, auch körperlichen Kontakt zu sein. Selbstständige haben es in der Coronakrise schwer. Wie schwer eigentlich?

Tanzen zu lernen, lebt davon, auch mal vom Tanzlehrerer oder von der Tanzlehrerin sanft geführt und zu den richtigen Schritten gelenkt zu werden. Susanne und Horst Bartsch haben das mit ihrer Tanzschule 24Dance zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Dann kam die Coronapandemie. Ein Tritt in die Kniekehle quasi. So fühlt es sich jedenfalls an, wie die beiden Tanzlehrer im Gespräch mit der Redaktion erzählen.

Was hat sich bei der Tanzschule 24Dance seit Ausbruch der Coronapandemie getan? „Wir waren ja direkt bei den ersten Schließungen im Frühjahr 2020 dabei“, berichtet Horst Bartsch. „Alle Kurse, Workshops, Privatstunden sowohl bei uns als auch bei unseren Kooperationspartnern wie VHS und Familienbildungsstätten mussten sofort gestoppt werden.“

Erst im Mai 2020 durften die Tanzlahrer wieder Tanzkurse geben. „Bei VHS etc., nur ganz sporadisch mit Mini-Teilnehmerzahlen und ganz wenigen Terminen“, führt Susanne Bartsch aus.

Teilnehmer traurig und enttäuscht

Wie haben denn die Tanzkursteilnehmer reagiert, als klar war, dass keine Präsenz-Kurse mehr laufen dürfen? „Unsere Teilnehmer waren alle traurig und enttäuscht“, sagt Horst Bartsch. „Viele der Brautpaare, die ja einen großen Teil unserer Kundschaft ausmachen, haben auch da schon ihre Feste in den Sommer und Herbst sowie ins Jahr 2021 verschoben.“ Warten die Teilnehmer geduldig, bis die Tanzschule wieder öffnen darf? „Ich denke, viele Teilnehmer sind einfach weg“, erklärt Bartsch. „Unser Freizeitangebot Tanzen wird ja häufig als Impuls- oder Spontanerlebnis gebucht, nach bislang über einem Jahr hat sich da vieles verlaufen.“

Tanzen ist ihr Leben. Susanne (r.) und Horst Bartsch (l.) haben auch Erfahrung im Umgang mit
Tanzen ist ihr Leben. Susanne (r.) und Horst Bartsch (l.) haben auch Erfahrung im Umgang mit „Let’s dance“-Stars. Nach der 2015er TV-Staffel der beliebten Sendung besuchten Enissa Amani und Christian Polanc einen der Workshops der Selmer Tanzlehrer im Flughafen-Terminal Düsseldorf. © Arndt Brede (Archiv) © Arndt Brede (Archiv)

Also befürchten Susanne und Horst Bartsch wohl, dass, wenn sie wieder öffnen dürfen, keine Teilnehmer mehr da sind? Susanne Bartsch hat eine klare Antwort: „Davon gehen wir aus, dass wir komplett von vorne anfangen, weil sich viele unserer Stammkunden mittlerweile nach anderen -,erlaubten‘- Freizeitbeschäftigungen umgesehen haben. Große Feste wie zum Beispiel Hochzeiten werden erst einmal nicht stattfinden.“

Eigentlich sollten staatliche Hilfen Menschen wie die Tanzlehrer Susanne und Horst Bartsch in der Coronakrise unterstützen. Hat die Tanzschule 24Dance Coronahilfen erhalten? „Ja, wir haben eine einmalige Hilfe in 2020 erhalten“, berichtet Horst Bartsch. „Ganz schnell und unkompliziert – leider wurden wenige Tage nach unserem Antrag die Regeln für die Soforthilfe geändert, so dass wir wahrscheinlich fast alles zurückzahlen müssen.“

Teilnehmer waren gegen Onlinekurse

In anderen Branchen gelten Onlineangebote als eine Möglichkeit, auf Eis gelegte Präsenzangebote einigermaßen zu kompensieren. Haben Susanne und Horst Bartsch über die Möglichkeit von Online-Tanzkursen nachgedacht? Susanne Bartsch dazu: „Ja, darüber haben wir in der Tat nachgedacht, uns aber dagegen entschieden, unter anderem weil sich viele unserer Teilnehmer, die wir dazu befragt haben, dagegen ausgesprochen haben.“

Was machen denn nun aber Tanzlehrer derzeit, die keine Tanzkurse geben dürfen?

Die Antwort von Horst Bartsch lässt tief blicken: „Renovieren, Fortbilden, Verzweifeln. Versuchen, andere Jobs zu machen, um über Wasser zu bleiben.“

Wie lange können Susanne und Horst Bartsch unter diesen Umständen mit der Tanzschule 24Dance noch durchhalten? „Dadurch, dass wir nicht mehr so hohe Fixkosten haben wie früher, werden wir nicht pleite gehen wie viele unserer Kollegen“, sagt Horst Bartsch. Die Tanzschule hatte sich durch den Umzug von der Ludgeristraße zur Werner Straße räumlich verkleinert. Andernorts ist die Lage für Tanzlehrer aber offenbar dramatisch. Susanne Bartsch blickt in die Zukunft: „Zurzeit bekommen wir jeden Tag Nachrichten von Kolleginnen und Kollegen, die ihre Tanzschulen schließen müssen und nicht wieder öffnen werden. Auch hier wird sich die Kulturlandschaft in Deutschland gravierend verändern.“

www.24dance.de

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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