Selmer spendete Stammzellen an Fünfjährigen - und rettete ihm das Leben

DKMS

Der Selmer Axel Stach hat vor zwei Jahren einem Fünfjährigen Stammzellen gespendet - und so das Leben des Jungen gerettet. Jetzt haben die beiden sich zum ersten Mal getroffen.

Selm

15.04.2021, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Selmer Axel Stach hat dem jetzt siebenjährigen Niklas mit einer Stammzellspende vor zwei Jahren das Leben gerettet.

Der Selmer Axel Stach hat dem jetzt siebenjährigen Niklas mit einer Stammzellspende vor zwei Jahren das Leben gerettet. © DKMS

„Ich bin aufgeregt“, gesteht Niklas‘ Vater Michael Kühn vor dem großen Moment. „Das sind Gefühle, die unbeschreiblich sind.“ Und seine Lebensgefährtin Cindy Schuppan ergänzt: „Gleich kommt der Mann, der unserem Sohn das Leben gerettet hat!“ Der Mann, von dem die Rede ist, heißt Axel Stach. Er ist 51 Jahre alt und kommt aus Selm. Das teilt die DKMS in einer Pressemitteilung mit.

Bereits 2012 hat Axel Stach sich als Stammzellspender bei der DKMS registriert. Da war Niklas noch nicht einmal geboren. Im April 2018 ließ sich Axel für einen fremden Blutkrebspatienten unter Vollnarkose Stammzellen aus dem Beckenkamm entnehmen. Dass es sich bei seinem Empfänger um einen fünfjährigen Jungen aus Deutschland handelt, erfährt er schon wenig später.

Die erste Begegnung der genetischen Zwillinge

„Diese Nachricht hat mich sehr berührt“, sagt Axel Stach. Seine eigenen Kinder sind ein Jahr jünger und ein Jahr älter als sein kleiner Blutsbruder, er kann sich daher gut vorstellen, wie viel Leid die Familie durch die schwere Erkrankung des Kindes erleiden muss. In den folgenden zwei Jahren kommuniziert Axel Stach anonym mit den Eltern seines Empfängers.

Axel Stach bei der Stammzellen-Spende vor zwei Jahren.

Axel Stach bei der Stammzellen-Spende vor zwei Jahren. © DKMS

Bis zum 10. April 2020, dem Tag, an dem sich die Spende zum zweiten Mal jährt und die in Deutschland geltende Anonymitätsfrist zwischen Spender und Empfänger aufgehoben wird. Axel Stach erfährt, dass sein genetischer Zwilling Niklas heißt, inzwischen sieben Jahre alt ist und im brandenburgischen Maasdorf lebt. Er videotelefoniert mit der Familie, mehr lässt die Pandemie, die gerade an Fahrt aufnimmt, zunächst nicht zu.

Doch einige Monate später ist es soweit: Die Familien möchten sich nun endlich kennenlernen, natürlich unter Einhaltung aller Corona-Regeln. Mit seiner Frau Kirsti und den Kindern Ida und Oskar macht sich Axel Stach von Selm aus auf den Weg nach Brandenburg. Und noch jemand reist für die besondere Begegnung an: Tobias Krell, der nach seiner eigenen Stammzellspende wenige Monate zuvor eine „Checker“-Kinderwissenssendung zum Thema Krebs für den KiKA vorbereitet und gemeinsam mit einem Kamerateam dabei ist.

Jetzt lesen

Das Treffen findet draußen statt, in der Nähe eines kleinen Waldes. „Hey Kämpfer!“, ruft Axel Stach schon von Weitem, als sich Niklas und seine Eltern nähern. „Hi Großer, es ist schön, Dich zu sehen.“ Es fühlt sich merkwürdig an, auf Abstand zu bleiben, sich nicht umarmen zu dürfen, finden alle. Aber auch richtig. Niklas Virusabwehr gilt durch die Transplantation noch immer als geschwächt. Und beide Familien achten ohnehin streng darauf, die AHA-Regeln zu beachten. Sicherheitshalber hat Axel Stach vor dem Treffen sogar eine Woche ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet.

„Meine Aufgabe als Stammzellspender war so einfach“

Trotz der Distanz ist es für alle ein emotionaler Moment. Vor allem Niklas bemüht sich, gefasst zu bleiben. „Mama, ich habe extra nicht geweint“, sagt er später zu seiner Mutter. „Ich hatte sofort das Gefühl, dass Axel zur Familie gehört“, erzählt Cindy Schuppan, die ihre Tränen - anders als ihr Sohn - nicht zurückhalten kann.

Unter Corona-Bedingungen haben sich beide Familien jetzt zum ersten Mal getroffen.

Unter Corona-Bedingungen haben sich beide Familien jetzt zum ersten Mal getroffen. © DKMS

Für Axel Stach ist der Moment des Kennenlernens „absolut gewaltig“. Er habe zuvor Sorgen gehabt, dass die Situation zu emotional für ihn werden könnte, gesteht er danach. Er habe sich dann aber die ganze Zeit über sehr wohl gefühlt. Am liebsten würde er sofort einem weiteren Patienten helfen. „Meine Aufgabe als Stammzellspender war so einfach“, findet er.

„Durch die Begegnung mit Axel hat die Erkrankung unseres Kindes einen ganz tollen Abschluss gefunden“, sagt Cindy Schuppan. Irgendwann wollen sich die Familien wieder einmal treffen. Nach der Pandemie. Und sich dann endlich auch ganz fest in den Arm nehmen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt