Am Dortmunder Landgericht wird gegen den 55-jährigen Familienvater aus Selm verhandelt. © Martin von Braunschweig
Prozessauftakt in Dortmund

Selmer gesteht Vergewaltigung seiner Tochter: „Ich schäme mich“

Mit stockender Stimme hat ein Familienvater aus Selm vor dem Dortmunder Landgericht zahlreiche sexuelle Übergriffe auf seine Tochter gestanden. „Ich schäme mich total“, sagte er.

Die Vorwürfe aus der Anklageschrift gehen zurück auf das Jahr 2017. Kurz nach dem 14. Geburtstag seiner Tochter soll der Selmer sie eines Tages nach der Rückkehr von der Schule mit einem merkwürdigen Ansinnen erwartet haben. „Zieh dich mal obenrum aus, ich muss kontrollieren, ob du Brustkrebs hast“, soll der Angeklagte gesagt haben.

Brüste abgetastet

Anschließend, so die Staatsanwaltschaft, tastete er lange und ausgiebig die Brüste des Mädchens ab. Und am Abend setzte er die körperliche „Untersuchung“ des Mädchens dann am Unterleib fort.

In den Wochen danach sollen die Übergriffe immer häufiger und noch viel drastischer geworden sein. Bis hin zur Vergewaltigung. Alles, was der Staatsanwalt am Montag verlas, nickte der Angeklagte ab. An einiges könne er sich zwar nicht mehr ganz genau erinnern. Aber er gehe davon aus, dass das Mädchen keine Details dazuerfunden habe. „Ich möchte jedenfalls nicht, dass meine Tochter hier eine Aussage machen muss, die ihr sicher peinlich wäre“, erklärte der 55-Jährige.

Ehefrau entdeckt Übergriffe

Die Übergriffe auf das Mädchen endeten im Oktober 2017 mit der Entdeckung des Mannes. Wieder einmal hatte er abends das Kinderzimmer betreten und sich vor seine völlig verängstige Tochter gekniet. Doch als er an diesem Tag in ihren Schritt fasste, fing die 14-Jährige so laut an zu weinen, dass die Ehefrau des Angeklagten aufmerksam wurde.

Die Frau kam ins Zimmer, sah ihren Mann und das, was dieser tat. Dann schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht und zog ihn aus dem Zimmer.

Seit diesem Tag hat der Angeklagte keinerlei Kontakt mehr zu seiner Tochter. „Wenn sie heute hier wäre, würde ich ihr sagen, wie leid mir alles tut“, sagte er den Richtern.

Kein Kontakt mehr zur Tochter

„Ich weiß, dass Menschen, denen so etwas passiert ist, psychische Folgen davontragen können. Deshalb wünsche ich mir von Herzen, dass es meiner Tochter gelingt, irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können.“

Warum der Selmer diese Grenze überschritten hat, ist ihm angeblich selbst nicht ganz klar. „Es war Alkohol im Spiel“, sagte er im Prozess. Eine Entschuldigung solle das aber natürlich nicht sein. „Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist“, so der Angeklagte.

Gutachter eingeschaltet

Das Gericht hat einen psychiatrischen Sachverständigen eingeschaltet, der den Mann auf seine Schuldfähigkeit untersuchen soll. Bestätigt sich dabei die Vermutung, dass die Trinkerei die Taten begünstigt haben könnte, ist auch denkbar, dass die Richter den Angeklagten in eine geschlossene Entziehungsklinik einweisen.

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