Frank Bußmann aus Selm berichtete unserer Redaktion über die Coronainfektion, die seine ganze Familie getroffen hatte. Mittlerweile sind er und seine beiden Töchter Mariella und Estella wieder gesund und aus der Quarantäne entlassen. © Privat
Corona an Schulen

Selmer Familienvater zu Coronafall am SGS: „Schulleiter ist ein Held“

Die Familie Bußmann erlebte den Coronafall am Gymnasium Selm hautnah mit. Sie hatten sich mit dem Virus infiziert. Der Vater bedankt sich für viel Hilfe und die Reaktion der Schule, hat aber auch Kritik.

Wegen eines Coronafalls am städtischen Gymnasium Selm (SGS) waren vor rund zwei Wochen eine Schulklasse und sechs Lehrer in Quarantäne geschickt worden. Weil die Schule die Meldung am Wochenende erhielt und Schulleiter Ulrich Walter das Gesundheitsamt nicht sofort erreichte, reagierte der Schulleiter selbst, ließ die Schüler zuhause bleiben. Weitere Coronafälle an der Schule hatte es in diesem Fall nicht gegeben, sagte Walter am Freitag (13.11.) im Gespräch mit der Redaktion.

Frank Bußmann aus Bork ist sicher, dass das beherzte Eingreifen von Walter die weitere Ausbreitung des Virus an der Schule verhindert hat. „Er hat zu allen Mitteln gegriffen, die ihm zur Verfügung standen. Für mich ist Walter ein Held“, sagt Bußmann am Mittwoch (27.11.) im Gespräch mit der Redaktion.

Das Lob kommt nicht von irgendwoher. Denn Frank Bußmann und seine Familie haben das Ganze sehr persönlich miterlebt. Die betroffene Schülerin am SGS war Bußmanns Tochter Mariella. Sie hatte sich bei ihrem Vater angesteckt, genau wie Mutter Daniela und ihre jüngere Schwester Estella.

Trotz sofortiger Isolation: ganze Familie betroffen

Wie Bußmann sich selbst mit dem Virus infiziert hat, kann der Hausmann mit einer Teilzeitstelle nicht genau sagen. „Möglicherweise auf der Arbeit. Aber das ist geraten. Es kann auch am Wochenende passiert sein.“

Die ersten Symptome, in seinem Fall Kopf- und Gliederschmerzen, habe er am Dienstag, 3. November, bemerkt. „Ich habe dann Rücksprache mit meinem Hausarzt gehalten und mich zu Hause sofort vom Rest der Familie isoliert.“

Einen Tag später, am Mittwoch, folgte der Test, auch der Rest der Familie blieb seit diesem Tag sicherheitshalber zu Hause. Am Donnerstag kam das positive Ergebnis. „Da ging mir erst einmal ein Schauer runter.“ Am Freitag (6.11.) wurden die anderen drei Familienmitglieder getestet. Das Labor informierte die Familie am Samstag direkt über die Ergebnisse: alle positiv.

Eine Nachricht, die die Bußmanns ganz unterschiedlich aufnahmen. Während die Mutter sofort über die Whatsapp-Gruppen der Klassen die anderen Eltern informierte, konnte die jüngste Tochter dem Ganzen sogar etwas Positives abringen. Mit den Worten: „Endlich dürfen wir wieder kuscheln“, habe sie ihrem Vater die Nachricht persönlich überbracht.

Diffuse Gefahr wird schnell Realität

Dankbar, das betont Frank Bußmann während des Gesprächs mehrfach, sei er für die Hilfe von außen. Die Hausärzte hätten sich bei Fragen kurzfristig zurückgemeldet, die Apotheke lieferte Medikamente nach Hause. Noch am Samstag habe ihn sogar eine Mitarbeiterin des Selmer Ordnungsamtes privat kontaktiert und Verhaltensregeln erklärt. „Ein feiner Zug, sich in der Freizeit um solche Sachen zu kümmern. Das fand ich gut“, sagt Bußmann. Viele Freunde und die Familie boten Hilfe an.

Auch verlief die Infektion bei den Familienmitgliedern unterschiedlich. Während Frank Bußmann und die beiden Töchter mit relativ milden Symptomen davonkamen, ringt Daniela Bußmann auch zweieinhalb Wochen später noch mit den Folgen. Während der eigentlichen Infektionszeit setzten hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und heftiger Husten die 39-Jährige, die an einer Vorerkrankung leidet, über eine Woche lang außer Gefecht. Auch nach Ende ihrer Quarantäne, am 20. November, ist sie noch nicht wieder fit.

Die Erfahrung der vergangenen Wochen habe Frank Bußmann aber auch gezeigt, wie schnell aus einer für nicht Betroffene schwer greifbaren Gefahr einer Corona-Infektion Realität werden könne. Dass es keine absolute Sicherheit gebe. „Wir haben uns geschützt, aber trotzdem ist es passiert“, sagt er.

Gesundheitsamt arbeitet am Limit

Bei aller positiven Unterstützung, die die Familie selbst erfuhr, auch durch das Gesundheitsamt, gibt es aber auch Kritik: „Das ist schon kritisch, wenn ein Schulleiter beim Gesundheitsamt niemanden erreicht“, sagt Bußmann zum Geschehen, nachdem die Familie ihre Infektion im Schulumfeld gemeldet hatte.

Im Fall von Bußmanns Tochter hätte das wohl auch nur bedingt weitergeholfen. Denn die Laborergebnisse lagen dem Gesundheitsamt erst nach dem Wochenende vor.

Ohne konkret auf den Einzelfall einzugehen, sei der Kreis dankbar über jeden Bürger, der sich im Fall eines positiven Testergebnisses selbst isoliert und Kontakte vermeide, sagt Kreissprecher Max Rolke auf Anfrage am Freitag (27.11.) dazu. Auch Politiker von Bund und Ländern appellierten zuletzt an die Bürger, Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

Das Gesundheitsamt in Unna arbeite nach wie vor an der Grenze der Kapazitäten. Unterstützt wird die Behörde bei der Nachverfolgung von Kontakten auch von der Bundeswehr.

Handlungskonzept für Schulen

Nach dem Fall an der SGS in Selm hatte auch die Bezirksregierung Arnsberg reagiert. Es zeige sich, dass es immer wieder zu vergleichbaren Fallkonstellationen käme, teilte die Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus zahleichen Gesprächen mit Schulen sind daher jetzt in einem FAQ-Katalog mit dem Themenschwerpunkt ‚Infektionsszenarien an Schulen‘ zusammengefasst worden. Dieser Katalog steht allen Schulen zur Verfügung“, heißt es weiter.

Auch das Fallszenario am Gymnasium in Selm, wird in diesem Dokument, das unserer Redaktion vorliegt, aufgegriffen. „Ich bin froh, dass es das jetzt gibt“, hatte Ulrich Walter damals im Gespräch mit der Redaktion gesagt.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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