Kampf gegen das Coronavirus

Selmer Ärzte setzen weiter auf die Impfung in der eigenen Praxis

Impfen, impfen, impfen - und dabei nicht kleckern, sondern klotzen. Das ist aus Sicht der Selmer Ärzte das einzig probate Mittel gegen Corona. Regelmäßige Schnelltests allein reichten nicht.
Dr. Antje Münzenmaier, Hausärztin in Selm, ärgert sich darüber, dass das Impfen gegen Covid 19 so ein langwieriger Prozess ist. © Sabine Geschwinder

Es gleicht einer Nacht- und Nebenaktion, mit der Hausärzte und auch Apotheken damit beauftragt wurden, ihren Patienten kostenlose Schnelltests anzubieten. Vor allem den Ärzten in Selm stößt das bitter auf, denn sie fordern schon seit längerem, auch impfen zu dürfen. Doch das soll erst ab April möglich sein.

Wenn, dann geht es von heute auf morgen

„Es ist doch irgendwie lustig. Immer tut sich unsere Führung schwer mit einer Entscheidung, aber wenn sie sich mal durchgerungen haben, dann geht es von heute auf morgen.“ Lachen kann Dr. Antje Münzenmaier, Hausärztin in Selm, darüber nicht. Ab Montag soll sie eigentlich kostenlose Schnelltests anbieten.

„Aber ich habe keine Ahnung, wo die herkommen sollen, wie ich das in laufender Praxis machen soll“, sagt sie am späten Donnerstagabend. An einen Feierabend ist da noch nicht zu denken – und die Idee, wie sie die Schnelltests in der Praxis organisieren soll, fehlt auch noch. „Morgen ist Freitag – und man muss doch auch die Möglichkeit haben, das mal im Team durchzusprechen“, sagt sie am Donnerstag im Gespräch mit der Redaktion.

Hoffnung auf die Impfung in der Praxis

Wesentlich weiter in der gedanklichen Vorbereitung sind sie und ihre Kollegen da beim Themen Impfen – denn da hätte man am liebsten schon vor Wochen mit begonnen. Aber auch da fehlt es an wichtigen Informationen: „Ich hoffe, dass es so ist, dass wir im April impfen können“, sagt Dr. Michael Stockmann. „Aber das setzt halt auch voraus, dass es genug Serum geben wird.“ Und das nicht nur am Markt, sondern auch vor Ort in der Arztpraxis.

Stockmann erklärt am Beispiel der klassischen Grippeimpfe, in welchen Größenordnungen da gedacht werden muss: „600 bis 700 Stück habe ich im Herbst in meiner Praxis verimpft“, sagt Stockmann, und das sei im laufenden Prozess problemlos zu organisieren gewesen. „Jetzt wäre es halt ein anderer Impfstoff“, sagt Stockmann. „Aber wenn jede Praxis nur 100 Dosen bekommt, oder auch nur zehn pro Woche, dann brauchen wir damit gar nicht erst anzufangen“, sagt der Mediziner.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Ins gleiche Horn schießt seine Kollegin: „Die Impfung ist unsere einzige Chance. Da bringt es nichts, zu kleckern. Da muss man klotzen“, sagt Antje Münzenmaier. „Wenn sich die britische Variante weiter so rasant ausbreitet, dann sind wir hier zu spät“, ärgert sich die Ärztin, dass man in der Politik stattdessen auf Schnelltests setze. „Damit kommen wir doch nicht weiter.“

Genau wie ihr Kollege Dr. Michael Stockmann sieht sie darin nur Momentaufnahmen. „Was ist denn an den anderen sechs Tagen der Woche?“, fragt sie. Geduld aufzubringen und auf April zu warten, wenn die Praxen impfen dürfen, fällt ihr schwer. „Das kostet doch Menschenleben. Es wird bis dahin zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die wir hätten abwenden können.“


Ärzte stehen für das Impfen in der eigenen Praxis bereit

Die Selmer Ärzteschaft arbeite daher längst am Konzept fürs Impfen in der Hausarztpraxis, damit man von jetzt auf gleich loslegen könne, wenn es soweit ist. „Und ich hoffe sehr, dass das noch vor April der Fall sein wird“, sagt Antje Münzenmaier. „Jetzt ist genug geredet. Jetzt müssen endlich mal Taten folgen“, fordert sie. Denn über die Zähflüssigkeit der ganzen Debatte ist sie vor allem eines – maßlos enttäuscht.

Dr. Michael Stockmann sieht darin aber keinen bösen Willen: „Ich unterstelle da allen nur die besten Absichten“, sagt Stockmann. „Die wissen es halt nicht besser.“ Für Ärzte hingegen sei Impfen nichts Neues. „Es gibt jetzt nur einen Unterschied: Ich weiß, was im Oktober mit der nächsten Grippeimpfung auf mich zukommen wird. Aber was jetzt bald im April sein wird, das weiß ich nicht.“

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