Bei Impfungen mit Astrazeneca können bei Jüngeren schwere Nebenwirkungen auftreten. Die Selmer Ärzte ziehen daraus Konsequenzen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Selmer Ärzte einigen sich auf Astrazeneca-Kurs: Impfung nur für 40+

In Hinblick auf die Erfahrungen aus Großbritannien trafen die Selmer Hausärzte nun eine Absprache für das weitere Impfvorgehen: Nur Über-40-Jährige sollen mit Astrazeneca geimpft werden.

Der Selmer Allgemeinmediziner Frank Vorspohl spricht von einem „weitestgehenden Konsens“ unter dem „Gros der Selmer Hausärzte“, das sich auf das weitere Impfvorgehen geeinigt habe. So würde im Qualitätszirkel der Selmer Ärzteschaft beschlossen, ab sofort nur noch Über-40-Jährige mit dem Corona-Impfstoff Astrazeneca zu impfen.

Anlass dazu gab die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI), bzw. der Ständigen Impfkommission (Stiko), nur noch Über-60-Jährige mit Astrazeneca zu impfen. In einer Mitteilung vom 1.4. heißt es: „Der Grund für diese Altersbeschränkung liegt in den seltenen Fällen von Thrombosen in Kombination mit Thrombopenien, die nach der Impfung bei wenigen Geimpften aufgetreten sind.“ Diese schweren, teilweise tödlich verlaufenden Nebenwirkungen waren überwiegend bei Frauen unter 55 Jahre festgestellt worden.

„Jüngere sind einem größeren Risiko ausgesetzt“, erklärt Doktor Vorspohl und verweist auch auf Erfahrungswerte aus Großbritannien. Am 7.5. berichtete das Ärzteblatt: „Jüngsten Zahlen zufolge sind in Großbritannien bis Ende April 49 Menschen infolge von seltenen Blutgerinnseln in Verbindung mit einer geringen Zahl an Blutplättchen nach einer Astrazeneca-Impfung gestorben.“ Bei insgesamt 242 Menschen seien nach einer ersten Impfung mit Astrazeneca Symptome aufgetreten.

“Vertretbarer Mittelweg“

„Wie genau das zusammenhängt ist nicht ganz klar“, erklärt Vorspohl. „Fest steht nur, dass die Embolien vor allem bei jüngeren, weiblichen Personen auftreten.“

In der Selmer Ärzteschaft habe man sich auf Grundlage der RKI-Empfehlung und der britischen Erfahrungswerte nun auf einen Mittelweg geeinigt. „Wir wollen das Risiko minimieren und eine praktikable Umsetzung erzielen“, sagt der Allgemeinmediziner. Um die möglichst flächendeckende Impfung voranzutreiben, habe man die Grenze nicht bei 60, sondern eben bei 40 Jahren gezogen. Gleichzeitig soll der Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung aber „nach Möglichkeit etwas länger gehalten werden,“ so der Mediziner. Aktuell empfiehlt die Stiko einen Abstand von zwölf Wochen.

Geringe Mengen für Praxen

„Ich denke, so ist das ein vertretbarer Mittelweg“, sagt Vorspohl, „denn es gibt einfach zu viele Menschen, die geimpft werden wollen.“

In diesem Zusammenhang appelliert er aber auch, die nötigen und gewünschten Impfdosen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Noch würden vor allem die Impfzentren beliefert, die Arztpraxen bekämen nur geringe Mengen zugeteilt, sodass man der Nachfrage schon jetzt nicht gerecht werden könne. In Anhängigkeit, wie seine Praxis mit Impfstoffen beliefert wird, rechnet Doktor Vorspohl damit, in etwa zwei bis drei Wochen mit den Impfungen ohne Priorisierung beginnen zu können.

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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier