Nach kurioser Auktion bei Ebay Kleinanzeigen: Rätsel um Selmer Seilscheibe gelöst

dzKuriose Auktion

Nachdem die Auktion einer tonnenschweren Seilscheibe in einem Kleinanzeigen-Portal gestoppt wurde, bleiben Fragen: Woher kommt die Scheibe, wem gehört sie? Ein Mann bringt Licht ins Dunkel.

Selm

, 26.10.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sieben Meter ist sie hoch und noch dazu mehrere Tonnen schwer. Da war es schon eine Überraschung, um nicht zu sagen kurios, dass jemand die Seilscheibe, ein altes Relikt aus Bergbautagen, bei Ebay Kleinanzeigen verkaufen wollte.

Stadtsprecher Malte Woesmann hatte die Auktion zufällig entdeckt und Bürgermeister Mario Löhr hatte interveniert. Verkauft werden sollte die Seilscheibe, die auf dem Gelände des Autohauses Tuschmann (nun befindet sich dort das Autohaus Rüschkamp) stand, nicht, fand der Bürgermeister. Nun steht die Scheibe nach Transport mit einem Autokran vor der ehemaligen Zeche Hermann.

Woher kam die Scheibe und wem gehört sie?

Es bleiben aber offene Fragen. Es sei nicht so richtig klar, wem die Seilscheibe juristisch eigentlich gehöre, hatte Stadtsprecher Malte Woesmann unserer Redaktion gesagt. Und woher kommt sie eigentlich? Klar war, dass die Seilscheibe - im Prinzip eine Rolle, über die die Förderseile zu den Förderkörben liefen - nicht von der Zeche Hermann stammen konnte. Von der Zeche war alles abgerissen worden.

Nach kurioser Auktion bei Ebay Kleinanzeigen: Rätsel um Selmer Seilscheibe gelöst

Heino Janssen ist selbst eng mit der Geschichte des Bergbaus verbunden. Sein Großvater war ein wichtiger Mann im Bergbau. © Marie Rademacher

Antworten auf diese offenen Fragen kann Heino Janssen, der Vorsitzende des Cappenberger Heimatvereins, geben. „In den 90er-Jahren gab es im Rat der Stadt Selm neben der CDU-, der SPD- und der UWG-Fraktion zusätzlich überparteilich eine Bergbau-Fraktion“, schreibt Janssen unserer Redaktion.

Ihr gehörten unter anderen Hugo Barbian (SPD), Betriebsratsvorsitzender Zeche Minister Achenbach in Brambauer, Hans Weise (SPD), Personaldirektor Zeche Monopol in Kamen, und auch Heino Janssen selbst an. Janssen, Mitglied der CDU, war Leiter des Grubenbetriebes in der Zeche Westfalen in Ahlen.

Ein noch geeigneterer Platz

Bei einem Bergbaustammtisch, an dem über die Bergbauvergangenheit Selms diskutiert wurde, habe Janssen „als sichtbares Zeichen“ die nicht mehr benötigte Seilscheibe des Hauptförderturms seines Bergwerks Westfalen angeboten.

„Dies wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen“, erklärt Janssen. Auf dem „kleinen Dienstweg“ sei dann auf Kosten des Bergwerks Westfalen mit Genehmigung des Vorstands der Ruhrkohle AG die riesige Seilscheibe auf einem Tieflader zum Selmer Ortseingang transportiert und auf dem Tuschmann-Gelände aufgestellt worden. „Von da an diente sie als Wahrzeichen in Erinnerung an Zeche Hermann in Selm“, schreibt Janssen. Der neue Standort findet aber auch seine Zustimmung: „Ich freue mich, dass sie nun einen noch besser geeigneten Platz auf dem ehemaligen Zechengelände gefunden hat.“

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