Schwimmen lernen muss jedes Kind. Doch die Hürde zum Seepferdchen-Abzeichen ist seit Anfang des Jahres größer geworden. Das ist gut so, sagen Schwimmvereine und Vertreter der Hallenbäder.

Selm

, 14.02.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Seepferdchen-Abzeichen ist für viele Kinder der Beweis: „Jetzt kann ich schwimmen“. Stolz tragen sie das orangene Abzeichen auf ihrem Badeanzug oder der Badehose. Doch bald gibt es das Seepferdchen-Abzeichen nicht mehr so einfach wie bisher. Seit dem 1. Januar 2020 gibt es für die deutschen Schwimmabzeichen - also Seepferdchen, Bronze, Silber und Gold - eine neue Prüfungsordnung. Spricht: Das Seepferdchen ist schwieriger geworden.

Ab jetzt müssen Kinder unter anderem nach dem Sprung ins Wasser sofort losschwimmen und beim Brustschwimmen auch den Kopf unter Wasser nehmen. Außerdem müssen sie zusätzlich schon einige Baderegeln können und wie gehabt einen Ring aus schultertiefem Wasser holen.

Wie die Kinder mit der neuen Regelung klarkommen, werde sich in den nächsten Monaten dann zeigen, erklärt Dominik Thibud. Er ist beim Schwimmverein PSV Bork für die Nichtschwimmerausbildung verantwortlich.

Kinder haben Angst unterzutauchen

„Es gibt immer Kinder, die gar keine Angst haben und wie wild ins Wasser springen und tauchen“, so Thibud. Aber gerade für die Kinder, die etwas ängstlicher beim Schwimmen seien, könnte die neue Regelung ein Problem werden. „Gerade wenn sie die Augen unter Wasser zu machen, verlieren sie leicht die Orientierung. Wenn sie die offen haben, fangen die schnell an zu brennen“, erklärt Dominik Thibud das Problem.

Des Weiteren macht auch manchmal die Koordinierung von Armen und Beinen den Kindern Probleme. „Einzeln funktioniert das immer super, nur wenn sie Arme und Beine zusammen bewegen sollen, wird es schwierig“, sagt Dominik Thibud. Fünf Übungsleiter habe der PSV Bork bei den Seepferdchenkindern, alle haben Lehrgänge belegt, einer sogar eine C-Lizenz gemacht, und waren selbst aktive Schwimmerinnen und Schwimmer.

Oft ist der Schwimmstil schlecht

Dass das Schwimmabzeichen jetzt schwieriger wird, findet der Schwimmverein gut. Das habe nur Vorteile und sei besonders wichtig, wenn die Kinder weiterhin schwimmen wollen. „Das sieht einfach schöner aus, die Kinder sind schneller und es ist nicht so anstrengend“, erklärt Dominik Thibud.

Vor allem wenn Kinder aus anderen Vereinen kommen, vereinfache das schwierigere Seepferdchen vieles. Denn wenn die Kinder in andere Vereine kommen, seien die Standards anders. „Jetzt muss ja ein Schwimmstil gut erkennbar sein“, sagt Manfred Sowinski, der erste Vorsitzende des PSV Bork.

Er weiß, dass das bis jetzt nicht überall so war oder die Kinder schnell wieder Dinge verlernen. „Die Kinder haben dann alle das Seepferdchen, aber trotzdem schlägt man da als Trainer die Hände über dem Kopf zusammen“, sagt Manfred Sowinski.

Keine Kursausbildung beim PSV Bork

Probleme, die neuen Regelungen umzusetzen, habe der Verein nicht. Dies liege auch daran, dass der Verein keine Kursausbildung anbiete. „Wir sagen von vorneherein: Wir wollen, dass die Kinder vernünftig schwimmen können“, so Sowinski. Die einen können dies in wenigen Wochen, andere brauchen vielleicht Jahre. Deswegen gibt es nur die Möglichkeit, regelmäßig zum Vereinstraining zu kommen.

Die Warteliste für Seepferdchenkinder ist lang: 53 Kinder sind gerade auf der Liste, das bedeute circa ein Jahr Wartezeit. In den Nachbarstädten Lünen und Datteln sieht es ähnlich aus.

Eltern müssen mit Kindern schwimmen gehen

Doch auch ein weiteres Problem sieht der Vorsitzende: „Viele Eltern gehen nicht mehr mit ihren Kindern schwimmen“, und das merke man in den Vereinen dann. Deswegen plädiert er auch an die Eltern. „Man kann ganz einfache Wassergewöhnungsspiele im Pool oder in der Badewanne machen, damit die Kinder keine Angst mehr vor dem Wasser haben“, sagt er. Eltern dürfen sich keinesfalls darauf verlassen, dass Kinder das Schwimmen in der Schule lernen.

Im 4elements in Selm kommen schon öfter Eltern mit ihren Kindern, um schwimmen zu lernen. Wenn sie das Seepferdchen oder Bronzeabzeichen machen wollen, dann rufen sie beim Selmer Hallenbad an. „Wir machen da meistens einen Termin, denn es muss eine Fachangestellte für Badbetriebe da sein“, erklärt Mandy Dortmann. Sie ist Sport- und Fitnesskauffrau im 4elements und für das Baby- und Kinderschwimmen verantwortlich.

Seepferdchen haben heißt nicht, sicher schwimmen zu können

„Wir haben das schon immer relativ streng mit dem Seepferdchen gehandhabt, weil wir schließlich wollen, dass das Kind gut schwimmen kann“, so Dortmann. Es sei wichtig, dass Kinder sicher schwimmen können - und dafür brauche es einen ordentlichen Schwimmstil. „Ein Seepferdchen-Abzeichen ist für das sichere Schwimmen einfach nicht genug, da empfehlen wir den Eltern, bis Bronze weiterzumachen.“

Auch Manfred Sowinski vom PSV Bork bestätigt das: „Seepferdchen heißt, sich ein bisschen über Wasser halten zu können.“ Schwimmenlernen fange ab dem Seepferdchen an und höre dann bestenfalls nicht einfach auf.

Was hat sich noch geändert?

Zusätzlich sind auch die anderen Schwimmabzeichen vermeintlich schwieriger geworden. Ein Beispiel: Beim Bronzeabzeichen muss man nun 15 Minuten am Stück schwimmen und dabei mindestens 200 Meter schaffen. Bis letztes Jahr konnten Kinder und Jugendliche nach 200 Metern mit dem Schwimmen aufhören - auch wenn sie weniger Zeit dafür gebraucht haben. Außerdem ist jetzt ein Paketsprung - umgangssprachlich die Arschbombe - vom Startblock oder 1-Meter-Brett erforderlich.

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