Sechs Fakten zu einem merkwürdigen Vorfall in Selm

Polizist soll Zeugen beleidigt haben

Selmer Polizeibeamte sollen nach einem versuchten Einbruch auf der Römerstraße einen Zeugen beleidigt haben. Auch der Vermieter des Hauses kritisiert die Beamten. Der ganze Fall ist ziemlich undurchsichtig. Die Polizei hat auf die Anschuldigungen reagiert. Wir versuchen, Licht in die Sache zu bringen - mit sechs Fakten.

SELM

, 08.08.2015, 09:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hamza Kassem (28) kritisiert die Polizei und zeigt auf die Stelle in der Hecke: "Hier hat der Mann die Handschuhe und das Werkzeug hingeworfen."

Hamza Kassem (28) kritisiert die Polizei und zeigt auf die Stelle in der Hecke: "Hier hat der Mann die Handschuhe und das Werkzeug hingeworfen."

Ein versuchter Einbruch Mitte Juli in ein Haus an der Römerstraße und der Polizei-Einsatz schlagen noch immer hohe Wellen. Nachdem der Hauseigentümer und ein Zeuge Kritik an der Polizei geübt hatten, wollte sich die Kreispolizei Unna nicht zu den Vorfällen äußern.

Das soll nach Version des Zeugen passiert sein

Hamza Kassem wohnt auf der Römerstraße. In der Nacht zum 15. Juli hatte er Freunde zu Gast. Als es kurz vor Mitternacht kühler wurde, habe er sich umziehen wollen. "Beim Blick aus dem Schlafzimmerfenster ist mir ein fremdes Auto mit Hammer Kennzeichen vor dem Haus des Nachbarn aufgefallen."

Eine Frau mit langen schwarzen Haare habe am Auto gestanden, ein "stabiler Mann" sei vom hinteren Grundstücksbereich gekommen, dann über das hohe Tor gesprungen und Richtung Haustür gelaufen. "Dann habe ich die Polizei angerufen."

Nach einem Gespräch der Polizei mit den vermeintlichen Tätern hätte die Polizei bei ihm geklingelt. Ein Beamter habe ihn gefragt: "Es ist nichts passiert. Warum haben Sie die Polizei gerufen?" Kassem betont im Gespräch, dass er von der Aussage völlig überrascht worden sei. "Aus meiner Sicht habe ich doch nur meine Pflicht getan."

Jetzt äußert sich die Polizei zum Vorfall

Zugleich räumt er ein, dass das Gespräch zwischen der Polizei, ihm und einigen Gästen danach ziemlich aus dem Ruder gelaufen sei. Es habe auch Beleidigungen gegeben. Völlig entsetzt sei er jedoch von der Aussage eines Beamten gewesen. Der soll nach Aussage von Hamza Kassem beim Heruntergehen wörtlich gesagt haben: "Was für ein Dreckspack hier." 

Doch was ist wirklich an jenem Juliabend passiert? Die Polizei hat sich mittlerweile zu dem Vorfall geäußert. Dabei erhebt sie deutliche Vorwürfe gegen den Zeugen Hamza Kassem. Wir gehen ins Detail. Punkt für Punkt.

1. Mit Sand gefüllte Handschuhe und Messer gefunden

Einig sind sich beide Seiten, dass Hamza Kassem sich in der Nacht zum 15. Juli um 23.32 Uhr bei der Leitstelle in Unna gemeldet hat, um einen vermeintlichen Einbruch zu melden. Vera Howanietz von der der Kreispolizei Unna bestätigt auch, dass die Polizei vor Ort einen Mann und eine Frau antraf, und dass der Mann mit Sand gefüllte Handschuhe und ein Messer in eine Hecke geworfen hat.

2. Frau gab an, zur Römerstraße bestellt worden zu sein

Ein anderes Bild als von Hamza Kassem geschildert ergibt sich bei den vermeintlichen Einbrechern. Wie die Polizei berichtet, gab die Dame an, „von einem ihr nicht bekannten Anrufer zur Römerstraße 100 bestellt worden zu sein. Zum näheren Hintergrund konnte oder wollte die junge Dame keine weiteren Angaben machen“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Polizei.

3. Keine Hinweise auf einen Einbruch gefunden

Aus Sicht der Polizei „ergaben sich keine Hinweise auf einen Einbruchsversuch. Die sichergestellten Gegenstände stellen kein geeignetes Einbruchswerkzeug dar.“ Damit reagiert die Polizei auf die Beschwerde des Hauseigentümers, dass die Beamten bei ihm in der Nacht nicht angeschellt haben.

4. Frau war schon mehrfach im Rotlichtmilieu auffällig

Warum waren die minderjährige Frau und der Mann mit dem Messer überhaupt in Selm? Die Polizei berichtet über nachträgliche Ermittlungen. Danach wurde die Frau „mehrfach im Rotlichtmilieu auffällig“. Damit nicht genug. Der Anruf bei der jungen Dame wurde nach Aussage der Kreispolizei „von einem Handy getätigt, dessen Besitzer zur fraglichen Zeit auf einer Grillparty bei Hamza Kassem war. „Wir wissen bislang aber nicht, wer angerufen hat“, sagt Vera Howanietz.

5. Zeuge hat Polizei beleidigt

Beim Gespräch mit unserer Redaktion hatte Hamza Kassem bereits eingeräumt, dass es bei dem Gespräch mit der Polizei zu Beleidigungen gekommen sei – allerdings auf beiden Seiten. Die Polizei berichtet jetzt, dass sich der Zeuge und sein Bruder „zunehmend aggressiv und beleidigend zeigten“. Bei weiteren Anrufen in der Nacht habe Hamza Kassem weitere Beamten beleidigt. Die Kreispolizei weist in ihrer Mitteilung darauf hin, dass sie sechs Gespräche aufgezeichnet hat.

6. Alle Betroffenen werden bei Polizei vorgeladen

Wie geht es jetzt weiter? Nach Aussage der Polizei erhalten alle unmittelbar betroffenen Personen eine Vorladung zur Vernehmung. Dabei „haben sie dann die Gelegenheit, den Sachverhalt aus ihrer Sicht zu schildern.“ Nach Abschluss der Ermittlungen werden die Akten der Staatsanwaltschaft übersandt. Im Raum stehen derzeit Vorwürfe wie Verstoß gegen das Waffengesetz, Vortäuschen einer Straftat, falsche Verdächtigung und Beleidigung. 

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