Ab Montag, 31. Mai, werden die Schulhöfe der Selmer Schulen - hier die Grundschule Auf den Äckern in Bork - nicht mehr so leer sein. Dann kehren alle Schüler in den Präsenzunterricht zurück. © Arndt Brede
Präsenzunterricht

Rückkehr aller Schüler: Kann Präsenzunterricht in der Coronakrise klappen?

Der Montag, 31. Mai, wird für viele Menschen eine Wendepunkt markieren. Dann beginnt in den Selmer Schulen der Präsenzunterricht. Mit allen Schülern. Kann das funktionieren?

Das NRW-Schulministerium hat die Selmer Schulen vor mehr als einer Woche per Schulmail durch Staatssekretär Matthias Richter über die neue Lage informiert. Demnach „kehren ab Montag, 31. Mai, grundsätzlich alle Schulen aller Schulformen in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz von unter 100 zu einem durchgängigen und angepassten Präsenzunterricht zurück“. Die bestehenden strikten Hygienevorgaben (insbesondere Masken- und Testpflicht) gelten weiter.

Der Kreis Unna unterschreitet seit mehreren Tagen nicht nur die 100er-Marke bei den Sieben-Tage-Inzidenzwerten, sondern er nähert sich nach und nach der 50er-Marke. Insofern gilt für die Selmer Schulen die Rückkehr der Schüler in den Unterricht in den Schulen. Kein Wechsel-, kein Distanzunterricht mehr. Bis zu den Sommerferien. Kann das funktionieren? Sind die Selmer Schulen gerüstet? Wir haben nachgefragt.

Einige Stellschrauben anders stellen

„Wir haben ja die Zahlen auch im Blick und konnten hochrechnen, dass man auf den Präsenzunterricht zusteuert“, sagt Stephanie Brockhaus, Leiterin der Ludgerischule. „Dadurch, dass wir schon das ganze letzte Jahr mit unserem Konzept gut gefahren sind, sind wir eigentlich auf alle Unterrichtsmodelle gut vorbereitet.“ Es seien jetzt jedoch wieder einige Stellschrauben im Stundenplan anders zu stellen. Die Rückkehr zum Präsenzunterricht werde aber nicht dazu führen, die Sorgfalt nicht mehr walten zu lassen. Es gelte weiterhin, Infektionen zu verhindern. Zu den Mitteln zählen unter anderem die Lollitests, die Maskenpflicht auch am Platz sowie, das Augenmerk auch darauf zu legen, dass nicht durch Durchmischung der Gruppen Infektionen ausbrechen. Gleichwohl: „Wir freuen uns, dass für die Schüler Normalität zurück kehrt.“

Auch an der Grundschule Auf den Äckern mit den beiden Standorten Bork und Cappenberg ist man auf die Rückkehr der Schüler vorbereitet. Wobei Anja Knipping, Leiterin der Grundschule, zugibt: „Als es hieß, dass bei einem Inzidenzwert unter 100 alle wieder in den Präsenzunterricht gehen sollen, habe ich diese Zahl für mutig empfunden.“ Jetzt, wo der Kreis Unna stabil weit unter einer Inzidenz von 60 sei, werde es hoffentlich gut gehen. Die Gefahr, dass ein Anstieg über 100 wieder zur Rückkehr zum Wechselunterricht führe, sei nicht mehr so groß.

Nun, wo es dazu kommt, dass ab Montag, 31. Mai, der Präsenzunterricht auch in Bork und Cappenberg laufen wird, sei man gut gerüstet: „Wir haben ja auch schon im Wechselunterricht nach dem normalen Stundenplan gearbeitet“, führt die Schulleiterin aus. „Deshalb ist es für uns nicht solch ein großer Aufwand, weil wir den Stundenplan nicht ändern müssen.“ Zudem habe das Team ja in der Coronakrise viele Erfahrungen mit unterschiedlichen Unterrichtsmodellen gesammelt. Damit aber eine Ansteckungsgefahr minimiert werden könne, werde die Schule zum Beispiel zu Pausenzeiten die Schüler nach Jahrgängen trennen.

Ist es aus Sicht Anja Knippings überhaupt sinnvoll, für fünf Wochen die Schule wieder komplett zu öffnen? „Da die Zahlen jetzt im Sinkflug sind, finde ich das eigentlich gut. Es war eine lange Zeit eine große Zumutung für die Familien und die Kinder.

Die Leiterin der Overbergschule, Christine Jücker, klingt recht entspannt, als sie ihre Meinung zum Thema Präsenzunterricht äußert: „Wir konnten die Eltern schon Ende der letzten Woche darüber informieren. Ansonsten: Lollitests konnten wir antesten, wie das läuft. Da wird man auch ein bisschen entspannter. Bisher gab es keine positiven Testergebnisse.“ Viel ändern müsse die Schulleitung mit ihrem Team nicht. Es habe bedingt durch Veränderungen bei den Lehrkräften einen neuen Stundenplan gegeben. Auch darüber werden die Eltern informiert. „Und ab Montag erwarten wir dann alle Kinder.“

Dann sind die Klassenräume wieder voll. Bereitet das Sorgen? „Ich hätte es lieber gehabt, wenn man gewartet hätte, bis der Impfschutz bei allen Lehrkräften komplett gewesen wäre“, erklärt Christine Jücker. Und der Wechselunterricht habe sich während der Coronakrise bewährt. Allerdings freue es sie vor allem für die Viertklässler, dass sie den Rest des Schuljahres bis zum Übergang in die weiterführenden Schulen nochmal in ihrem Klassenverband mit den Mitschülern verbringen können.

Definierte Handlungsabläufe

Mit dem Vorlauf von mehr als einer Woche seit der Entscheidung der NRW-Landesregierung, an den Schulen wieder zum Präsenzunterricht zurück zu kehren, konnte auch am Gymnasium konkret geplant werden. „Wenn normal Unterricht laufen kann, können wir Unterricht geben“, sagt Ulrich Walter, Leiter des Gymnasiums Selm. „Die Frage ist aber, wann Normalität einkehrt. Wir haben dann keine Probleme, wenn wir in Standard unterrichten.“ Heißt: Klassen kehren in ihre Klassenräume, Kurse in ihre Kursräume zurück. „Wir begleiten das mit zweimaligen Tests in der Woche. Wir haben Hygienestandards mit Reinigung der Tische und Räume und Verhaltensregeln auf dem Schulhof und im Gebäude.“ Den einzelnen Jahrgängen seien Schulhöfe zugeordnet. Das seien alles fest definierte Abläufe, nach denen gehandelt werde. „Wir hoffen, dass wir durch die immer noch nicht einfache pandemische Zeit kommen.“

Mit der Tatsache, dass jetzt wieder Präsenzunterricht angesagt sei, seien jedoch alle Pläne für das Wechselunterrichtsmodell auch im Hinblick auf anstehende Prüfungen und Klausuren hinfällig. „Da ist viel Arbeit hineingesteckt worden“, erklärt Walter.

Wie auch immer: „Für die Schüler ist es ein Segen, dass sie alle wieder zurück kommen können.“ Auch für die Eltern sei es eine Entlastung. Nicht zu vergessen die Lehrer, die jetzt wieder alle Schüler zusammen unterrichten können.

Ein Lächeln schenken statt Hände zu schütteln: Dieses Motto gilt an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule auch, wenn die Schüler am Montag, 31. Mai, zum Präsenzunterricht in die Schule zurück kehren.
Ein Lächeln schenken statt Hände zu schütteln: Dieses Motto gilt an der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule auch, wenn die Schüler am Montag, 31. Mai, zum Präsenzunterricht in die Schule zurück kehren. © Arndt Brede © Arndt Brede

So ähnlich sieht das Karin Vogel auch. Die Leiterin der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule verweist ebenfalls auf bestehende Hygienekonzepte und die Erfahrungen aus den Unterrichtsmodellen, die coronabedingt aufgelegt werden müssen. Das alles zusammen genommen, stelle die Rückkehr der Schüler ab Montag, 31. Mai, die Sekundarschule vor keine unüberwindbaren Herausforderungen. Zudem vermittelten die Testverpflichtungen ein gewisses Sicherheitsgefühl. „Wie sich alles dann in der Realität entwickelt, auch in vollen Klassen, das vermag ich nicht zu sagen.“ Auf jeden Fall gebe der Präsenzunterricht den Lehrkräften die Möglichkeit, „mit den Schülern nochmal anders zu arbeiten“, erklärt die Schulleiterin.

Keine einheitlichen Impftermine

Sie selber habe erwartet, dass das Wechselunterrichtsmodell bis zu den Sommerferien tragen werden. „Nun ist es anders gekommen und wir stellen uns darauf ein und stellen uns dem.“ Bedauerlich sei es, dass es für das Lehrerkollegium keine einheitlichen Impftermine gegeben habe, wie zum Beispiel für Lehrkräfte von Grund- und Förderschulen. „Das hätte innerhalb des Kollegiums nochmal Sicherheit gegeben.“ Einige Lehrer seien schon weit bei den Impfungen und andere warten noch.“ Es wäre klug gewesen, das für die weiterführenden Schulen zu organisieren.

Nicht alles, aber vieles ist jetzt offenbar klarer geworden, was den Ablauf des Präsenzunterrichts betrifft. Allerdings hat auch die aktuelle Schulmail von Staatssekretär Matthias Richter noch keine Antwort auf die Frage gegeben, ob und gegebenenfalls wie eine Abiturfeier beziehungsweise eine Abschlussfeier des zehnten Sekundarschuljahrgangs laufen kann.

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Arndt Brede

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