Zwei Wachtmeister brachten den Angeklagten am Montag in den Saal. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Raubüberfall in Selm: Täter stiehlt Geld und Lebensmut

Vor dem Dortmunder Landgericht wird erneut über den Überfall auf einen Rentner auf der Lange Straße verhandelt. Der Sohn des kurz nach der Tat verstorbenen Opfers ist noch immer verbittert.

Nachdem der Bundesgerichtshof ein erstes Urteil des Dortmunder Landgerichts in der Revision gekippt und den Fall zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer verwiesen hat, ist wieder völlig offen, welche Strafe den Angeklagten erwartet.

Die ersten Richter hatten „nur“ dreieinhalb Jahre Haft verhängt, weil sie nicht ausschließen konnten, dass allein der bisher unbekannte Komplize des Angeklagten den Rentner damals gefesselt und misshandelt hatte. Genau bei dieser Darstellung blieb der Angeklagte auch am Montag zu Beginn des zweiten Prozesses.

Erneutes Geständnis

„Ich habe den Mann zur Seite gestoßen. Dass er dabei umgefallen ist, ist mir nicht aufgefallen“, hieß es in einer von den beiden Verteidigern Dieter Kaufmann und Jan-Henrik Heinz abgegebenen Erklärung. Der Angeklagte will damals sofort die gesamte Wohnung des 73-jährigen Rentners durchsucht haben. „Als ich dann Geld gefunden hatte, habe ich dem Mittäter sofort gesagt, dass wir abhauen sollen“, so die Erklärung weiter.

Dass der Komplize den Senior inzwischen am Boden liegend gefesselt hatte, will der Angeklagte nicht mitbekommen haben. „Ich hätte das auch niemals unterstützt, weil es meiner Meinung nach völlig unnötig war“, sagten die beiden Verteidiger im Namen ihres Mandaten weiter.

Opfer nur körperlich unversehrt

Nach der Flucht der beiden Täter hatte sich der 73-Jährige zum Glück befreien und über seine Nachbarn Hilfe alarmieren können. Doch während er die Tat körperlich fast unversehrt überstand, lag anschließend offenbar ein dunkler Schatten auf seiner Psyche.

Der Sohn des Opfers musste während seiner Zeugenaussage am Montag mehrmals tief schlucken, als er sich an die Zeit im Herbst 2018 erinnerte. „Mein Vater war fertig, absolut fertig“, sagte der 54-Jährige den Richtern. „Vor dem Überfall ist er noch regelmäßig mit dem Rollator rausgegangen, um einzukaufen oder so. Nachher hat er das Haus so gut wie gar nicht mehr verlassen.“

Deutlich höhere Strafe?

Aus Sicht des Sohnes haben die Täter seinem Vater nicht nur 2000 Euro Bargeld, sondern auch den gesamten Lebensmut geraubt. „Er wollte nicht mehr“, erinnerte sich der Zeuge. Sechs Wochen später sei sein Vater dann auch tatsächlich verstorben. Offenbar an einem Gehirnschlag.

Das Landgericht muss jetzt klären, ob sich der Angeklagte möglicherweise doch die Handlungen seines Mittäters zurechnen lassen muss. Sollten die Richter zu diesem Schluss kommen, würde dem Angeklagten wohl eine weitaus höhere Strafe drohen als im ersten Urteil.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals acht Jahre Haft beantragt.

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