Die Polizei hat am Dienstagvormittag, 7. Januar, in Selm viele Verkehrsteilnehmer kontrolliert. Die Aktion hatte einen ganz bestimmten Schwerpunkt.

Selm

, 07.01.2020, 09:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dienstagmorgen, 7. Januar, 7 Uhr: Am Kreisverkehr Kreisstraße/Ludgeristraße/Sandforter Weg/ Münsterlandstraße stellt sich ein gutes Dutzend Polizeibeamte auf. Warnblinklampen signalisieren den Verkehrsteilnehmern: Hier geschieht etwas Besonderes. Die Beamten beobachten vorbei fahrende Fahrzeuge, winken den einen oder anderen raus und leiten ihn kurz vor die Polizeiwache an der Ludgeristraße. Warum?

Die Frage beantwortet der Einsatzleiter an diesem Vormittag, Polizeihauptkommissar Martin Wolf: „Das Thema heute ist Drogen und Alkohol im Straßenverkehr.“ So früh am Morgen? „Ja, natürlich, wenn zum Beispiel am Wochenende Haschisch, Speed oder Kokain konsumiert wird, ist das im Blut noch so lange in einer erheblichen Konzentration nachweisbar, dass das heute, also zwei Tage danach, noch beim Fahren zu viel wäre.“

Also beobachten die Polizisten am Kreisverkehr jedes Fahrzeug ganz genau und leiten es bei Bedarf zu ihren Kollegen in der Ludgeristraße, die sich dann dem Fahrzeug und dem Fahrer im Detail zu widmen. Nach welchen Kriterien tun sie das? „Die Kollegen sind geschult“, sagt Einsatzleiter Wolf. „Die haben einen Blick dafür.“ Ins Detail geht der Einsatzleiter nicht.

Vortests direkt vor Ort

Was geschieht mit denen, die tatsächlich angehalten werden? „Dann werden vor Ort Vortests durchgeführt“, berichtet der Polizeihauptkommissar. Es handele sich um Koordinations- oder Zeitempfindungstests. Dabei müssen die Fahrer mit geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger an die Nasenspitze fassen. Oder sie müssen die Augen circa 30 Sekunden lang schließen. Manche sagen schon nach zehn Sekunden, dass 30 Sekunden um seien, andere erst nach einer Minute, je nach Drogeneinfluss, berichtet Martin Wolf aus der Erfahrung.

Das ergebe dann erste Hinweise darauf, „ob etwas nicht stimmen könnte“. Die Reaktionen können dafür sprechen, dass entsprechende Drogenwerte im Blut vorhanden seien. Was passiert dann? „Dann würden wir in die Polizeiwache gehen und nach Möglichkeit eine Urintest machen.“ Entsprechende Schnelltests habe die Polizei mitgebracht. „Die sagen ziemlich genau, ob wir erhöhte Werte vorliegen haben oder nicht“, erzählt Wolf.

Erster Urintest wird nach 20 Minuten fällig

Schon rund 20 Minuten nach Beginn des Einsatzes wird der erste Fahrer zur Wache zum Urintest gebeten. „Da haben alles Vortests nicht gepasst, also kommt er mit zur Wache“, so der Einsatzleiter. Auf der Suche nach Alkoholverstößen kommen bei Bedarf Alkoholtests zum Einsatz.

Polizeieinsatz in Selm: Aktion hatte ganz besonderen Schwerpunkt

Die Polizisten beobachteten die Fahrer ganz genau. © Arndt Brede

Der Einsatz ist nicht der erste seiner Art in Selm: „Wir haben das vor einiger Zeit schon mal gemacht und da hatten wir die entsprechenden Verstöße auch vorliegen“, berichtet Martin Wolf. Den Kreisverkehr am Sandforter Weg habe die Polizei deshalb für den Schwerpunkteinsatz ausgewählt, „weil hier die Frequenz an Verkehrsteilnehmern hoch ist“. Und weil die Polizeiwache für die Urintests in der Nähe sei.

Fahrradunfallbekämpfung läuft zusätzlich

Und wo die Polizisten schon mal vor Ort sind, widmen sie sich auch nebenbei noch der Fahrradunfallbekämpfung, sagt Wolf. Gerade am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien seien ja viele Kinder auf dem Weg zur Schule unterwegs. Und prompt halten die Beamten auf der Ludgeristraße einen jungen Mann an. Der Radler hat überhaupt keine Beleuchtung an seinem Rad an und ist auch noch ganz in Schwarz gekleidet. An diesem frühen dunklen Dienstagmorgen die denkbar ungünstigste Ausstattung, um gut gesehen zu werden. Die Beamten belassen es bei einem Gespräch. Der junge Mann schiebt fortan sein Rad.

Polizeieinsatz in Selm: Aktion hatte ganz besonderen Schwerpunkt

Auf der Ludgeristraße kontrollierten die Polizisten Fahrer und Fahrzeuge im Detail. © Arndt Brede

Der Einsatz sei eine Kooperation mit der Stadt Selm, sagt Wolf. Stadtmitarbeiter sollen an diesem Vormittag die Polizei unterstützen, etwa durch „verkehrserzieherische Gespräche“. Oder aber, indem sie ein Verwarngeld aussprechen. Alles, was an diesem Vormittag an Verstößen - seien es Ordnungswidrigkeiten oder aber strafrechtlich relevante Delikte - festgestellt wird, wird auch entsprechend sanktioniert.

Der Einsatz soll noch bis circa 12 Uhr dauern.

Polizeieinsatz in Selm: Aktion hatte ganz besonderen Schwerpunkt

Die Polizisten teilten sich in zwei Bereiche auf: in die Kontrollen auf der Ludgeristraße (Foto) und auf die Kontrollen im Kreisverkehr. © Arndt Brede

Was an diesem Morgen - auch schon vor Beginn der Kontrollen - zu beobachten ist, sind die ganz alltäglichen kleinen oder größeren Verstöße, wie zum Beispiel, Autos im Kreisverkehr die Vorfahrt zu nehmen, indem man einfach in den Kreisverkehr einfährt, statt zu warten. Oder, mal kurz noch aus dem Kreisverkehr raus zu fahren, statt Fußgängern das Passieren des Fußgängerüberwegs zu ermöglichen. Oder, sehr schnell an den Kreisverkehr heran zu fahren. Oder, ohne den Blinker zu setzen den Kreisverkehr zu verlassen. Oder, als Fahrradfahrer gegen die Fahrtrichtung auf dem Radweg zu fahren. Oder, ohne ausreichendes Licht am Rad unterwegs zu sein. Oder, ja auch das fällt auf, als Fußgänger sehr dunkel gekleidet und so schwer erkennbar zu sein.

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