Schon wieder ein Fall: Pfarrer, der auch in Bork tätig war, soll Frau missbraucht haben

Missbrauch katholische Kirche

Einem Pfarrer, der auch in der Gemeinde St. Stephanus in Bork tätig war, wirft eine Frau vor, sie sexuell missbraucht zu haben - während der Beichte.

Bork

, 04.11.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schon wieder ein Fall: Pfarrer, der auch in Bork tätig war, soll Frau missbraucht haben

Die Stephanuskirche (St. Stephanus) in Bork: Auch hier war der des Missbrauchs beschuldigte Pfarrer G.H. tätig. © Tobias Weckenbrock

Er war 1977 aushilfsmäßig in der Gemeinde St. Stephanus in Bork tätig, hat dann als Kaplan in Damm und Kevelaer gearbeitet, war viele Jahre Pfarrer in Wadersloh und Dechant in Beckum: Jetzt wirft eine Frau dem Pfarrer vor, sie in den 1980er-Jahren sexuell missbraucht zu haben.

Und das über einen längeren Zeitraum, wie es in einer Pressemitteilung des Bistums heißt. „Die Missbrauchshandlungen fanden im Rahmen der Beichte statt“, informiert das Bistum.

Die Betroffene Frau hatte dem leitenden Pfarrer der Gemeinde St. Marien in Kevelaer einen Brief geschrieben, den dieser - nach Absprache mit ihr - in den Gottesdienstes am vergangenen Wochenende (2. und 3. November) verlesen hat.

Das Bistum wusste allerdings schon vor diesem Brief von dem Fall. 2010 hatte die Frau sich an es gewandt, damals aber laut Infos der Pressemitteilung darum gebeten, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht wird und auch nicht der Staatsanwaltschaft vorgelegt wird.

Pfarrer durfte unter Auflagen weiter tätig sein

„Das Bistum hatte den Sachverhalt nach Rom an die Glaubenskongregation gemeldet. Nach Abschluss der dortigen Prüfungen wurden dem Geistlichen in einem Dekret seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet“, so das Bistum. Heißt de facto: Er durfte unter Auflagen weiter praktizieren.

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Der Beschuldigte, den das Bistum als G. H. bezeichnet, hielt sich aber nicht an diese Auflagen. Darauf musste ausgerechnet die betroffene Frau die Zuständigen in Münster hinweisen. „Die Betroffene hat sich dann Ende 2016/Anfang 2017 erneut beim Bistum gemeldet, weil der Geistliche – trotz entsprechender Auflagen – weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte“, so die Pressemitteilung.

Laut Bistum wies der zuständige Bischof Dr. Felix Genn den Geistlichen dann schriftlich darauf hin, „dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei.“

Bistum räumt Versäumnisse ein

Das Bistum räumt in Bezug auf den Fall deutlich „Versäumnisse“ ein. Es hätte in Bezug auf die öffentlichen Zelebrationen „konsequenter“ vorgehen müssen, heißt es.

„Mittlerweile wurde dem Priester vollständig untersagt, in der Öffentlichkeit Gottesdienste zu feiern. Bischof Genn hat gegenüber der Frau in einem persönlichen Schreiben bedauert, dass die seitens des Bistums ausgesprochenen Auflagen nicht konsequent eingehalten wurden“, so die Pressemitteilung.

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Den Schritt in die Öffentlichkeit hat die Betroffene nun laut Bistum nach Rücksprache mit einer Anwältin und nach vielen Gesprächen mit dem Bistum gewagt.

Betroffene wollte darauf hinweise, dass auch Frauen Opfer wurden

Grund eins: um darauf hinzuweisen, dass auch Frauen Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche sind. Tatsächlich waren in der kürzeren Vergangenheit vor allem Fälle bekannt geworden, bei denen unter anderem einem bereits verstorbenen Pfarrer, der unter anderem in Selm tätig gewesen war, und einem ebenfalls verstorbenen Pfarrer, der in der Gemeinde St. Mauritius in Nordkirchen eingesetzt war, der Missbrauch von Jungen vorgeworfen wird.

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Ein weiterer Grund für die Betroffene: Sie möchte mögliche weitere Betroffene aufrufen, sich beim Bistum zu melden, sollten sie auch Opfer von Pfarrer G.H. geworden sein. Bisher ist in seiner „Missbrauchsakte“ kein weiterer Fall vermerkt, schreibt das Bistum.

Anlaufstelle für weitere Betroffene

  • Betroffene können sich bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs melden: Bernadette Böcker-Kock. Tel. (0151) 63404738, und Bardo Schaffner, (0151) 43816695.
  • Die Pfarrei St. Marien Kevelaer lädt zu einem Gesprächsabend ein, bei dem es um das Thema des sexuellen Missbrauchs und des Umgangs damit gehen soll. Dieser findet statt am Mittwoch, 6. November, um 19.30 Uhr im Petrus-Canisius-Haus Kevelaer, Luxemburger Platz 1.
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