Christa Mischke aus Selm ärgert sich über den Müll durch Zigaretten. Deshalb sammelt sie sogar selber alte Kippen ein. Sie hätte aber einen Vorschlag, der gegen den Müll helfen soll.

Bork

, 09.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christa Mischke hat die Zigaretten genau gezählt. 261 Kippen waren es, die sie am 29. Januar innerhalb von einer halben Stunde während eines Spaziergangs in Bork eingesammelt hat. Von ihrer Haustür in der Straße Auf der Schlucht, ging es über die Hauptstraße, den Synagogenweg und wieder zurück. Fein säuberlich hat sie sie aneinandergereiht, um sie zählen zu können.

Würde sie für jede gesammelte Kippe ein Pfandgeld von 20 Cent bekommen, wären das 52,20 Euro. Der Vorschlag, so ein Pfandgeld zu erheben, kommt von der Berliner Initiative „Die Aufheber.“

Die Initiative hatte im vergangenen Jahr auch eine Online-Petition zu dem Thema gestartet. Bisher haben sie mehr als 66.000 Menschen unterzeichnet. Die Petition richtet sich an Bundesumweltministerin Svenja Schulze und den Deutschen Zigarettenverband.

Pfand für Zigaretten? Selmerin hat einen Vorschlag für den Müll in Selm

So viele Zigaretten sammelte die Borkerin Christa Mischke in einer halben Stunde © Christa Mischke

20 Cent für den Sammler

In der Petition wird vorgeschlagen, dass jede Ausgabestelle von Zigaretten diese auch zurücknimmt. Der Käufer zahlt zuvor 0,20 Cent Pfand je Zigarette - bei einer Packung mit 20 Zigaretten wären das vier Euro extra. Wer die Zigaretten zurückgibt, soll dann das Pfandgeld erhalten - unabhängig davon, ob er die Zigaretten geraucht hat, oder nicht.

„Das finde ich super“, sagt Christa Mischke. „Wer sich bückt, soll auch das Geld erhalten.“ Von der Pfand-Lösung hätte doch jeder etwas. Die Raucher, weil ihre Kippen nicht mehr rumliegen, die Sammler der Zigaretten, die im Zweifelsfall das Geld für liegengelassene Kippen erhalten und auch die Stadt, weil das Stadtbild schöner wird.

Schlecht für die Umwelt - und das Stadtbild

Dass in Selm viele Zigaretten achtlos auf den Boden geworfen werden hatte auch schon der Klimatreff festgestellt. Die Gruppe hatte im November an verschiedenen Orten in Selm aufgesammelt. „Die waren wirklich an jeder Ecke“, sagt Jeannine Tembaak vom Klimatreff damals, „teilweise sogar um den Mülleimer herum.“

Ist denn die Menge an weggeworfenen Zigaretten in den vergangenen Jahren gestiegen? „Die Menge an weggeworfenen Zigarettenstummeln in Selm ist - unserer Wahrnehmung nach - in den letzten drei Jahren relativ konstant geblieben“, antwortet Stadtsprecher Malte Woesmann.

Im Selmer Stadtgebiet rücke eine Mitarbeiterkolonne der Umweltwerkstatt täglich aus, um Zigarettenstummel, Plastikdeckel sowie andere Kleinstabfälle händisch aufzusammeln. „Gerade bei feuchtem Wetter werden die Zigarettenstummel jedoch schnell durch die darüber laufenden Passanten ungewollt festgetreten und setzen sich in die Fugen. Dadurch wird das anschließende Entfernen deutlich erschwert“, erklärt Woesmann.

Gefahr für Kinder - und das Wasser

„Zigarette rauchen, das ist das eine“, findet Christa Mischke, „aber die dann einfach wegwerfen, das finde ich total gedankenlos.“ Das Image einer Stadt leide darunter, aber eben auch die Umwelt. Eine weggeworfene Zigarette kann zwischen 40 und 60 Liter Grundwasser verschmutzen.

Manche Eltern sorgen sich aber auch über weggeworfene Zigarettenstummel auf dem Spielplatz. Eine Zigarette erhält laut einer Informationsbroschüre der Fachstelle Suchtberatung für das Land Berlin 15 bis 25 Milligramm Nikotin. Für ein Kleinkind könnten aber 10 Milligramm bereits tödlich sein. Bei einer Zigarette, die zum Beispiel auf dem Spielplatz liegt und von einem kleinen Kind gegessen wird, bestehe daher Lebensgefahr.

Bis zu 100 Euro laut NRW-Bußgeldkatalog

Seit vergangenem Jahr können NRW-Kommunen laut Bußgeldkatalog des Landes bis zu 100 Euro pro weggeworfene Kippe verlangen. Pflicht ist das aber nicht, sondern nur ein Richtwert. In Münster kostet die weggeworfene Zigarette 60 Euro, in Selm sind es gerade mal 20 Euro. In jedem Fall vorausgesetzt ist aber auch, dass die Person auf frischer Tat ertappt wird.

Ob es in Selm bei einem Bußgeld von 20 Euro Strafe bleibt, oder dieser Betrag angehoben werden soll, ist nicht klar. „Dies muss noch politisch diskutiert werden“, sagt Malte Woesmann. Ebenso, wie die Frage, ob es noch mehr Mülleimer mit integriertem Aschenbecher geben soll. Im vergangenen Jahr wurden jedenfalls zehn davon an der Kreisstraße installiert sowie an einigen Bushaltestellen.

Hoffnung auf Veränderung

Die 66-Jährige Christa Mischke hat aber die Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren noch viel tun wird. „Ich erinnere mich an eine Situation in den 80er Jahren“, sagt sie, damals sei im Büro noch geraucht worden. Sie hatte an das damalige Gesundheitsministerium geschrieben.

Hoffnung konnte man ihr dort keine machen. Sie könne ja klagen, sagte man ihr damals. Aber dann würde sie riskieren, ihren Job zu verlieren. Inzwischen wäre es undenkbar im Büro zu rauchen. „Innerhalb der letzten 20, 30 Jahre hat sich viel getan“, sagt sie.

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