Bei der Kälte ist es für obdachlose Menschen besonders gefährlich, draußen zu schlafen. © picture alliance/dpa
Winterwetter

Obdachlosigkeit und Kälte: Wie sieht die Versorgung in Selm aus?

Temperaturen weiter unter minus 10 Grad waren in den vergangenen Nächten Standard. Wie ist die Situation für obdachlose Menschen in Selm und gibt es gerade akuten Hilfsbedarf?

Bitterkalt war es in den vergangenen Tagen in Selm. Der Deutsche Wetterdienst warnt weiterhin vor strengem Frost, in der Nacht zu Samstag sind Tiefsttemperaturen von -18 Grad prognostiziert, in der Nacht zu Sonntag -17 Grad. Für Obdachlose sind das gefährlich kalte Temperaturen.

In Selm müsste aber kein Obdachloser oder keine Obdachlose auf der Straße schlafen, denn Platz wäre in den zur Verfügung stehenden Unterkünften vorhanden. „In Bork am Südfeld stehen zwei Wohnblocks für insgesamt 24 Obdachlose zur Verfügung“, erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann. Mit Stand vom Dienstag, 9. Februar, lebten dort zehn Personen.

Kapazität reichte auch bei Extremwetter aus

Das habe sich auch in den vergangenen Jahren bewährt – selbst bei extremeren Wetterlagen wie der aktuellen, erklärt der Stadtsprecher: „Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Kapazitäten am Südfeld immer ausreichend waren; auch bei Extremwetterlagen.“ Aber: „Gleichwohl bestünde die Möglichkeit, kurzfristig weitere Kapazitäten zu schaffen, wenn dies notwendig sein sollte.“

Eine Art von Nottelefon, bei dem obdachlose Menschen anrufen und um Hilfe bitten können, gibt es zwar nicht, aber: „Erster Ansprechpartner für von Obdachlosigkeit bedrohte Personen oder Obdachlose ist das Ordnungsamt“, erklärt der Stadtsprecher.

Aktuell keine Hilfsaktion der Schicksalshelfer geplant

Wer obdachlosen Menschen helfen möchte, hat in Selm zum Beispiel die Möglichkeit, sich an den Verein Schicksalshelfer zu wenden. Der wird allerdings aktuell keine Spendenaktionen oder Ähnliches durchführen, wie Figan Ucar-Macit von den Schicksalshelfern sagt: „Im Moment sieht es Gott sei Dank so aus, dass alle versorgt sind“, sagt Ucar-Macit, der Verein hatte sich bereits im vergangenen Jahr um Menschen gekümmert, die zuvor obdachlos waren und eine Sozialwohnung bezogen haben. Dabei hatten die Schicksalshelfer auch Möbelspenden gesammelt, um bei der Ausstattung der Wohnungen behilflich zu sein. Die Sammelaktion vor Weihnachten sei auch erfolgreich gewesen, zum Beispiel seien alle mit Decken versorgt worden.

Wenn es aktuell Bedarf gehe, werde das relativ unkompliziert erledigt, alle Personen hätten die Nummer der Schicksalshelfer und dann werde zum Beispiel über Whatsapp schnell etwas organisiert. „Deswegen machen wir auch im Moment keine Spenden-Aufrufe, wir wollen ja nicht, dass etwas ungenutzt bleibt.“

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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