Neue Häuser am Campus Süd - viel Stein, aber auch klimafreundlich?

dzCampus Süd

Am versiegelten Campusplatz entstehen dreigeschossige Häuserkomplexe, und das soll klimafreundlich sein? Wie geht das zusammen? Wir haben mal nachgehört.

Selm

, 06.07.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Lünen und der Bauverein zu Lünen schaffen zusammen 103 Wohnungen am Campus Süd. 57 Wohnungen baut die Wohnungsbaugesellschaft Lünen (WBG), 46 der Bauverein zu Lünen. Die kleinsten Wohnungen messen 44 Quadratmeter, die größten 107 Quadratmeter.

Ein Großprojekt in Sachen Wohnbebauung. Das Projekt heißt „Wohnen in den Campushöfen“. Höfe? Kaum vorstellbar, wenn man davor steht und der Nacken sich versteift angesichts der Dreigeschossigkeit der Häuser. Noch weniger vorstellbar, dass diese Massen an Stein auf dem dicht versiegelten Campusplatz für klimafreundliches Bauen stehen.

WBG-Chef Rainer Heubrock (l.) erklärte Axel Gedaschko (vorn) Details zum Wohnprojekt am Campus.

WBG-Chef Rainer Heubrock (l.) erklärte Axel Gedaschko (vorn) Details zum Wohnprojekt am Campus. © Arndt Brede

Das wird sich möglicherweise zunächst auch Axel Gedaschko gedacht haben. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen machte auf seiner Sommerfachtour zu ausgesuchten Projekten klimafreundlichen Bauens und Wohnens am Montag, 6. Juli, für eine Stunde Station am Selmer Campus. Rainer Heubrock und Heinrich Moch, Vorstände der WBG, führten den Gast durch eines der fünf Gebäude, die die WBG hochzieht. Vorab: Gedaschkos Urteil auch unter Klimaschutzaspekten: „Das ist ein vorbildliches Projekt.“

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WBG-Wohnprojekt am Campus Süd in Selm

Das WBG-Wohnprojekt soll im September komplett bezugsfertig sein. Es ist unter Klimaschutzaspekten gebaut, sagt die WBG. Wir haben es uns angeschaut. Hier sind die Fotos.
06.07.2020
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"Dreigeschossig plus" nennt sich die Bauweise der WBG-Häuser.© Arndt Brede
WBG-Chef Heinrich Moch (v.l.) mit Selms Bürgermeister Mario Löhr, Alexander Rychter, Cjhef des Wohnungsverbands Rheinland-Westfalen und Bundesverbandspräsident Axel Gedaschko in der Energiezentrale der WBG-Häuser.© Arndt Brede
Huier nur andeutungsweise zu erkennen: Die Tiefgarage wird begrünt.© Arndt Brede
Bürgermeister Mario Löhr erklärt Axel gedaschko (l.) und Rainer Heubrock, wie die "Aktive Mitte" zustande kam.© Arndt Brede
Es sind schon Mieter in die WBG-Häuser am Campus Süd eingezogen.© Arndt Brede
Die Häuser in der Mitte der Höfe sind nicht ganz so hoch wie die außen stehenden Häuser.© Arndt Brede
Die Höfe sollen Freiraum schaffen.© Arndt Brede
Im September sollen die Wohnungen der WBG komplett bezugsfertig sein.© Arndt Brede
De4r Bau der WBG-Häuser ist weit fortgeschritten.© Arndt Brede
WBG-Chef Rainer Heubrock (l.) erklärte Axel Gedaschko Details zum Wohnprojekt am Campus.© Arndt Brede
Einige Wohnungen sind schon bezogen.© Arndt Brede
37 Stellplätze bietet die Tiefgarage.© Arndt Brede
Das Wohnprojekt der WBG wird durch eine Tiefgarage ergänzt.© Arndt Brede

Was hat Gedaschko dazu gebracht, ein solches Urteil zu fällen? Womöglich ist es nicht nur ein Grund, sondern mehrere. Welches sind denn Aspekte, die berücksichtigt werden müssen, um ein Wohnprojekt als klimafreundlich zu bezeichnen?

Höfe sollen Freiraum schaffen

Da ist die Kritik von manchen, der Campus und die künftige Wohnbebauung seien als Ganzes betrachtet eine Betonwüste. Architekt Dennis Kirchner dazu: „Wir haben hier weniger Flächenverbrauch, weil wir in die Höhe bauen.“ Zudem schaffen die Höfe zwischen den Gebäuden laut Architekt Kirchner genügend Freiraum.

Der nächste Aspekt: Erzeugung von Wärme und Warmwasser. „Wir verzichten auf den Einsatz fossiler Energie“, versichert WBG-Chef Heinrich Moch. Die Wohnungen werden durch zwei Wärmepumpen mit 16 circa 140 Meter tiefen Bohrungen mit Wärme versorgt. Für den Antrieb der Pumpen werde in Zukunft Strom aus Fotovoltaikanlagen zur Verfügung stehen. Nach Auskunft Mochs und Rainer Heubrocks wird die WBG auf den Dächern der Campus-Gebäude Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 90 Kilowatt-Peak (kWp) installieren. Hierzulande lassen sich pro kWp zwischen 800 und 950 Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren. Laut WBG sollen die Anlagen rund 80.000 kWh Strom erzeugen.

Ziel: In einigen Jahren fast emissionsfrei

Wie sieht es mit dem CO₂-Ausstoß aus? „Durch den gezielten Einsatz von Strom aus Fotovoltaikanlagen für die Wärmepumpen kann der CO₂-Ausstoß um erstmal 35 Prozent verringert werden.“ Weitere rund 35 Prozent können laut Heinrich Moch durch zukünftigen Einsatz von Stromspeichersystemen eingespart werden. Die WBG sei in Verhandlungen mit Partnern, um solche Speichersysteme am Campus zu installieren. Moch wagt sogar diese Prognose: „In einigen Jahren - bei sehr guter Forschung und Entwicklung von Stromspeichersystemen - kann das Beheizen der WBG-Wohnungen fast emissionsfrei erfolgen.“

Klimaschutzpunkte möchte die WBG auch durch das Niederschlagsentwässerungssystem bekommen: „Durch den Einbau von Kies auf den Dächern sowie die Begrünung der Tiefgarage wird die Belastung des Regenwasserstaukanals sowie der Gewässer minimiert“, erklärt Heinrich Moch. Wegen der Fotovoltaikanlagen habe die WBG auf Dachbegrünung verzichtet.

37 Stellplätze bietet die Tiefgarage.

37 Stellplätze bietet die Tiefgarage. © Arndt Brede

Auch das Thema Mobilität ist zu beachten, wenn es um die Beurteilung eines Wohnprojekts unter Klimaschutzaspekten geht. „Wir haben barrierefreie, überdachte und abgeschlossene Fahrradstellplätze im Erdgeschoss, oder über eine Rampe zu erreichen, in der Tiefgarage“, berichtet Moch. Ein Lastenfahrrad für die allgemeine Mieternutzung soll ebenfalls angeschafft werden.

Ladestationen für Elektroautos außerhalb der Gebäude werden geschaffen. Und die Voraussetzungen, in der Tiefgarage E-Autos zu laden, seien vorhanden.

Im September sollen alle 57 WBG-Wohnungen fertig sein.

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