Nach Corona-Umsatzeinbruch: Steigende Tendenz beim Automobilkauf

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In Zeiten von Kurzarbeit und Job-Unsicherheit ist ein Autokauf nicht schnell gemacht. Auch in Selm und Umgebung ist das keine Ausnahme. Doch es zeichnet sich eine positive Tendenz ab.

Selm, Nordkirchen

, 15.11.2020, 13:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Automobilmarkt hat unter Corona stark gelitten. Um 76 Prozent ist laut dem Europäischen Automobilherstellerverband (ACEA) der Absatz im April gesunken, nur 270.682 Neuwagen kamen in ganz Europa auf die Straße. Grund dafür war der Stillstand der Automobilherstellung und die Schließung der Autohäuser. „Zu Beginn des Lockdowns am 18. März war der stationäre Fahrzeughandel geschlossen und es konnten keine Umsätze aus Fahrzeugverkäufen generiert werden“, erklärt Maria-Elisabeth Horst. Der Verkauf wurde erst ab dem 20. April wieder erlaubt.

Seitdem hat sich die Lage in Selm wieder etwas entspannt. „Nach anfänglicher Zurückhaltung der Kaufinteressenten zeigt das Kaufverhalten eine steigende Tendenz“, erklärt Maria-Elisabeth Horst. Dazu habe laut Horst die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16 Prozent beigetragen. Diese Senkung gilt noch bis Ende des Jahres und soll Kaufanreize schaffen, um die schwächelnde Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Produktion ist wieder in vollem Gange

Barbara Thygs, Seniorchefin des Autohauses Thygs in Nordkirchen, beobachtet ebenfalls, dass die Kunden sich von der Mehrwertsteuersenkung locken lassen. „Mein Sohn ist den ganzen Tag in Verkaufsgesprächen. Wir können uns gerade nicht beklagen. Aber langfristig weiß man natürlich nicht, wie es weitergeht.“ Es gab in den vergangenen Tagen keine besonderen Rabatte oder Angebote, trotzdem sei der Verkauf stabil geblieben.

Die bestellten Autos der letzten Monate werden in diesen Tagen ausgeliefert - im ersten Lockdown wurde die Konjunktur heruntergefahren und weniger Autos produziert, entsprechend stauten sich die Bestellungen in den Produktionsstätten. Inzwischen sind die Rückstände weitestgehend aufgeholt.

Gebrauchte und E-Autos sind „in“

Gudrun Körnig vom Autohaus Selm sieht eine andere Tendenz: Der Gebrauchtwagenmarkt liefe aktuell besonders gut, der Neuwagenmarkt sei leicht rückläufig. Das läge, vermutet sie, an den langen Lieferzeiten: „Bei einem Neuwagen verkaufe ich Lieferzeiten, mit dem Gebrauchtwagen können Sie sofort losfahren.“ Grundsätzlich kann auch Körnig sich nicht beklagen: Deutlich weniger verkauft sie in der Summe aktuell nicht, nur verhältnismäßig mehr Gebrauchte.

Die Mehrwertsteuersenkung mache Körnigs Meinung nach keinen Unterschied: "Ich habe bisher von keinem Kunden gehört, dass er wegen der drei Prozent zuschlägt. Im kommenden Jahr sind es dann auch wieder 19 Prozent.“ Drei Prozent sind bei einem Wagen, der 20.000 Euro kostet, 600 Euro. Besonders beliebt seien, neben den Gebrauchtwagen, aktuell E-Fahrzeuge: „E-Mobilität ist ein großes Thema. Wir haben gerade viele Probefahrten und hoffen, dass sich dieser Trend auch im kommenden Jahr so fortsetzt.“

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