Mordvorwurf in Selm: Ehemann des Opfers sitzt in U-Haft - weitere Zeugen werden vernommen

dzUntersuchungshaft

Der 56-jährige Selmer, dem Mord an seiner Frau (54) vorgeworfen wird, sitzt in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zu den Tatumständen dauern an.

Selm

, 10.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch drei Tage, nachdem ein 56-jähriger Selmer am Freitag, 7. Februar, wegen des Verdachts, seine Ehefrau (54) getötet zu haben, vorläufig festgenommen worden war, sind die näheren Tatumstände unklar. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Nach Auskunft von Staatsanwältin Sandra Lücke werden noch „Zeugen vernommen und Spuren ausgewertet“.

Am frühen Freitagmorgen, 7. Februar, hatte der Sohn den Leichnam seiner Mutter in der Garage auf dem Grundstück des Wohnhauses an der Eichenstraße gefunden und die Polizei informiert. Zu diesem Zeitpunkt habe sich auch der Ehemann der Frau in der Garage aufgehalten, hatte die Polizei mitgeteilt.

Die Obduktion hat mittlerweile ergeben, dass die Frau Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. Sie erlag mehreren Stichverletzungen. Noch am Samstag wurde gegen den Selmer Haftbefehl wegen des Vorwurfs des Mordes erlassen.

Nähere Tatumstände noch unklar

Der 56-Jährige macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Nun ist es also an den Ermittlungsbehörden, die näheren Tatumstände zu klären. Unter anderem ist bisher unklar, weshalb der Mann selbst oberflächliche Verletzungen aufgewiesen hat. Staatsanwältin Sandra Lücke bezog am Montag, 10. Februar, auf Anfrage dazu wie folgt Stellung: „Zurzeit gibt es keine Erkenntnisse, dass es sich bei den Verletzungen des Mannes um ein Fremdverschulden handelt.“

Diese und die weiteren Tatumstände sind nun Teil der Zeugenvernehmungen und Spurenauswertungen. „Dann werden wir prüfen, ob der Tatverdacht hinreichend und dringend ist“, berichtet Staatsanwältin Lücke. „Sollte das so sein, werden wir Anklage erheben.“

„Es gilt weiter die Unschuldsvermutung.“
Sandra Lücke, Staatsanwältin

Weitere Informationen gab die Staatsanwältin zu den Umständen, unter denen die 54-jährige Frau gestorben ist, im Zusammenhang mit dem inhaftierten Ehemann nicht: „Es gilt weiter die Unschuldsvermutung.“

Staatsanwältin Sandra Lücke hatte am Freitag ein mögliches Motiv für die Tat genannt: Es habe Streitigkeiten gegeben und eine Trennung habe im Raum gestanden.

War es tatsächlich Mord, wie es das Amtsgericht Dortmund auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Dortmund dem Mann vorwirft? Das sollen die weiteren Ermittlungen helfen, zu klären. Mord komme nur dann in Betracht, wenn vorsätzlich ein Mensch getötet wurde und zusätzlich ein sogenanntes Mordmerkmal vorliege, erklärt Christian Stein, Sprecher der Kreispolizeibehörde Unna, auf Anfrage der Redaktion. Mordmerkmale wie Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige Beweggründe.

Weitere Mordmerkmale liegen vor, wenn der Täter heimtückisch, grausam, mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, getötet hat.

Zwei Tötungsdelikte seit 2012

Tötungsdelikte - zu denen zählt der vorliegende Fall - sind in den vergangenen Jahren in Selm nicht häufig vorgekommen. Wenn, dann waren es keine Beziehungstaten, sagt Polizeisprecher Christian Stein.

Seit 2012 - so lange sei es ihm adhoc möglich, polizeiintern zurück zu recherchieren - habe es zwei versuchte Straftaten gegen das Leben - so lautet die Polizeibezeichnung - gegeben.

Für 2017 weise die Statistik für Selm einen versuchten Totschlag aus. „Dabei hat es sich um eine gezielte unterlassene Hilfeleistung gehandelt“, so Stein.

Die Kriminalitätsstatistik aus 2018 führt für Selm einen versuchten Schwangerschaftsabbruch auf.

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