Mordprozess gegen Selmer: Angeklagter äußert sich erstmals selbst zur Tat

dzTödlicher Ehestreit

Im Prozess um den tödlichen Ehestreit an der Eichenstraße zeichnet sich eine Wende ab. Nach dem Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen steht eine deutlich mildere Strafe im Raum.

Selm

, 27.08.2020, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Staatsanwältin Sandra Lücke wirft dem 57-jährigen Angeklagten vor, seine Ehefrau heimtückisch ermordet zu haben. Laut Anklage lauerte er ihr vor der Garage des früher gemeinsam bewohnten Hauses auf und schlug ihr mit einem Spaten ins Gesicht, als sie gerade mit dem Fahrrad vorbeifuhr.

Anschließend soll der Familienvater seine Frau in die Garage geschleift und dort mit fünf Messerstichen getötet haben. Nach der Bluttat rammte er sich selbst die Klinge drei Mal in den Oberkörper. Er überlebte den Suizidversuch jedoch.

Angeklagter äußert sich selbst

Am Donnerstag hat sich der Selmer nun erstmals selbst zur Tat geäußert. Hatte am ersten Verhandlungstag noch Verteidiger Marco Ostmeyer im Namen seines Mandanten gesprochen, redete der 57-Jährige nun persönlich mit den Richtern. Dem Angeklagten zufolge saß die Frau nicht auf dem Rad, als er mit dem Spaten zuschlug, sondern sie stand ihm Auge in Auge gegenüber. Und demnach kam es kurz zuvor auch noch zu einem Wortwechsel. „Du hast doch sowieso keinen Arsch in der Hose“, soll die 54-Jährige gesagt haben, als sie ihren Mann mit dem Spaten in der Hand entdeckte. „Da bin ich explodiert“, so der Angeklagte.


Die anschließenden Messerstiche gab der Selmer auch am Donnerstag zu. Er habe sicher gehen wollen, dass seine Frau auch wirklich sterben würde. Auf die Frage nach dem Warum antwortete er: „Weil sowieso alles vorbei war.“

Zum Abschluss seiner Erklärung wurde der 57-Jährige dann richtig von seinen Emotionen überwältigt. Unter Tränen sagte er: „Manchmal macht man Dinge, die man eigentlich gar nicht machen wollte. Ich habe etwas Schlimmes getan, nämlich meine Familie und mich selbst zerstört. Ich bin einen falschen Weg gegangen und habe für den Rest meines Lebens ein schweres Kreuz zu tragen.“

Akute Belastungsreaktion?

Für die psychiatrische Sachverständige Marianne Miller, die anschließend ihr Gutachten zur Schuldfähigkeit erstattete, waren diese Angaben sehr wichtig. Schon im Gespräch im Dortmunder Gefängnis habe sie den Angeklagten als leicht depressiv und emotional gehemmt erlebt, sagte sie den Richtern.

Jetzt kommt Miller zu dem Schluss, dass eine chronische Belastung des Angeklagten im Moment des beleidigenden Spruches seiner Frau zu einer „akuten Belastungsreaktion“ geführt habe. „Diese steigerte sich dann in einen Schweregrad, der die Schwelle zu einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung überschritten haben könnte“, so Miller.

Unter Umständen war der Angeklagte zur Tatzeit also nur vermindert schuldfähig. Fiele dann auch noch der Heimtücke-Vorwurf weg, stünde statt lebenslang eine mildere Strafe im Raum.

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