Die beiden Inhaberinnen der Mondeule, Nicole Reuter und ihre Mutter Erika Tembaak, können ihr Kinderbekleidungsgeschäft nicht durch den zweiten Lockdown bringen. Die Mondeule schließt. © Nicole Reuter
Second-Hand-Verkauf

Mondeule schließt: „Nur mit Liebe funktioniert der Laden leider nicht“

Der Kinder-Second-Hand-Shop Mondeule ist einer der vielen Verlierer der Corona-Pandemie. Weil er im zweiten Lockdown nur noch Verluste einfahren würde, ist der Laden ab sofort geschlossen.

Mit dem Beschluss des zweiten Lockdowns für alle Händler, die nicht dem täglichen Bedarf zugerechnet werden, stand die Entscheidung für Nicole Reuter fest: Das überleben wir nicht mehr, wir müssen schließen. „Das Jahr war einfach zu schwierig“, sagt die Inhaberin. „Und wir als Kleinunternehmer haben, anders als die Soloselbstständigen, keinerlei Unterstützung bekommen.“

Schon seit Wochen quälte die Unternehmerin die Ungewissheit, doch eigentlich wollte sie das Weihnachtsgeschäft und das Jahresende abwarten. Mit der politischen Regelung ist die Entscheidung nun allerdings gefallen, auch wenn es schwerfällt, denn die Mondeule sei ein echtes Herzensprojekt gewesen.

Drei richtig gute Jahre

Vier Jahre lang hatte der Kinder-Second-Hand Mondeule seinen festen Platz in dem großen Haushaltswaren-und-Allerlei-Geschäft Knümann. Und während die ersten drei Jahre gut liefen – „mit dem ersten Tag hat der Laden richtig gut funktioniert“, sagt Reuter – gab es mit der Corona-Pandemie offensichtlich eine Trendwende. Als der Modeladen für gebrauchte Kindekleidung nach dem ersten Lockdown während der Sommer- und Herbst-Monate wieder öffnen durfte, seien kaum noch Kunden gekommen.

„Ich denke, es ist den Menschen ein Bedürfnis, ihren Kindern zu den schwierigen Zeiten etwas Besonderes zu gönnen. Im Moment soll es neu und glänzend und gerne frisch verpackt und mit Schleifchen obendrauf sein.“ Außerdem, so vermutet sie, haben sie zur Zeit, beispielsweise durch eingesparte Urlaube, Geld übrig, so dass sie sich Neues leisten können.

Dass der plötzliche Sinneswandel etwas mit der Angst vor Ansteckung durch gebrauchte Kleidung zu tun hat, glaubt sie hingegen weniger: „Die meisten Sachen hingen ja schon vor Corona bei uns im Laden“, sagt sie. „Als wir im Mai wieder öffnen durften, haben wir nichts mehr ins Sortiment aufgenommen.“

Lücke soll neu gefüllt werden

Schwer an der Situation sei, sagt Nicole Reuter, dass ein Ende der Pandemie ja nicht abzusehen sei. „Und ein Geschäft, das mehr mit Liebe, als mit Geld funktioniert, das kann ich auf Dauer nicht am Leben halten.“

In den kommenden Wochen, werden die beiden Inhaberinnen, deren Laden auf Kommissions-Basis funktionierte, die übrige Ware sortieren und nach und nach ihren Besitzern zurückgeben.

Komplett aufzugeben, daran denkt Nicole Reuter aber keinesfalls. „Das Leben geht weiter“, sagt sie zuversichtlich. „In Selm gibt es ganz klar eine Lücke, was Ausstattung für Babys und Kinder betrifft und die werden wir auf jeden Fall mit etwas Neuem füllen. Nur wann das sein wird, das kann ich noch nicht sagen.“

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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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