Birgit Schemmel von der Marktbuchhandlung in Selm freut sich, dass die Buchhandlung bald wieder öffnen darf, wenn auch nur unter besonderen Coronaregeln. © Arndt Brede
Buchhandel

Marktbuchhandlung in Selm darf nicht weiter ohne Termin öffnen

Im Geschäft stöbern konnten Kunden der Marktbuchhandlung in den vergangenen Wochen auch ohne Termin: Seit Dienstag geht das nicht mehr. Eine Entscheidung, über die sich Christian Kokesch ärgert.

Die Entscheidung des Landes NRW, auch im Buchhandel auf das System „Click and Meet“ zurückzugehen, ist am Dienstagmorgen (23. März) noch keine 24 Stunden alt. Aber so richtig verdaut hat Christian Kokesch von der Marktbuchhandlung in Selm sie immer noch nicht. „Wir sind stinksauer“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Vor zwei Wochen erst – am 8. März – hatte Selms einzige Buchhandlung wieder öffnen dürfen. Natürlich mit Hygienekonzept, Mundschutz, Abstand und nur einer bestimmten Anzahl von Kunden in Geschäft – aber ohne, dass Kunden einen Termin vereinbaren mussten. Wie im Supermarkt oder der Drogerie konnten die Kunden einfach so vorbeischauen und stöbern.

Seit Dienstag ist damit nun wieder Schluss. „Ich habe gerade alle Plakate wieder aus dem Fenster genommen“, sagt Christian Kokesch mit großem Bedauern. Am Tag zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht NRW nach einer Klage von Mediamarkt kurzfristig alle Beschränkungen im Einzelhandel außer Kraft gesetzt, weil die Ungleichbehandlung verschiedener Bereiche des Einzelhandels unrechtmäßig sei.

Das Land reagierte aber am Mittag direkt und erklärte: „Da das Oberverwaltungsgericht eine unzulässige Ungleichbehandlung darin gesehen hat, dass Schreibwarengeschäfte, Buchhandlungen und Gartenmärkte ab dem 8. März ohne diese Beschränkungen öffnen durften, gelten die Pflicht zur Terminvereinbarung und die 40qm-Begrenzung mit der jetzt geänderten Verordnung auch für diese Geschäfte“, hießt es in der Pressemitteilung des Landes.

In anderen Bundesländern gehören Bücher zum „täglichen Bedarf“

Ein Hin- und Her, das nicht nur Christian Kokesch am Montag zunächst gar nicht so richtig auf dem Schirm gehabt hatte. Überrumpelt von den Entscheidungen hatten sowohl in der Stadt Selm aber etwa auch in der Fußgängerzone in Lünen Geschäfte ihre Türen geöffnet – und mussten das am Dienstagmorgen wieder zurücknehmen.

Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie seien wichtig, sagt Christian Kokesch. Frustriert zeigt er sich dennoch. „Schon im letzten Jahr ist das Ostergeschäft ausgefallen und Weihnachten mussten wir kurz vor den besten Tages des Jahres schließen“, so der Buchhändler. Die Entscheidung von Montag sei jetzt ein weiterer wirtschaftlicher Rückschlag.

Besonders ärgert ihn, dass sein Geschäft in NRW nicht zu denen des sogenannten täglichen Bedarfs gehört. In anderen Bundesländern ist das anders. In Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein steht das entsprechend in der dort geltenden Corona-Schutzverordnung. Und diese Deklarierung macht einen Unterschied, wie sich am Wochenende beispielsweise in Hamburg gezeigt hat.

Beispiel aus Hamburg

Hamburgs Bürgermeister hatte so am Samstag bekanntgegeben, dass wegen der hohen Fallzahlen in der Hansestadt der Handel wieder schließen muss. Dadurch, dass Bücher dort zum „täglichen Bedarf“ gehören, gilt das dort für den Buchhandel allerdings nicht. Wie Drogerien oder Supermärkte dürfen sie weiterhin geöffnet haben.

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In NRW wird das anders aussehen, wenn voraussichtlich am Montag, 29. März, die Notbremse greift, der Lockdown verschärft wird und auch das Shoppen mit Termin nicht mehr möglich ist. „Click and Collect“ ist dann das einzige, was noch geht. Auch in der Selmer Buchhandlung. Christian Kokesch ist es aber wichtig, dass die Selmer Kunden wissen, dass das Team trotzdem zu den ganz normalen Öffnungszeiten präsent ist. Man kann online bestellen, das kontaktlose Abholen ist möglich, auch eine Lieferung nach Hause. „Das hat uns“, so sagt Christian Kokesch, „durch die vergangene Zeit gebracht.“

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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