Marc Leitis (29) ist der neue Leiter des Weingutes in Cappenberg

dzWeingut Graf von Kanitz

Die Vorstellung klingt gut: Das Feuer eines Kaminofens sorgt für angenehme Wärme, dazu ein guter Wein aus Cappenberg. Marc Leitis (29), neuer Leiter des Weingutes, gefällt die Idee.

Selm

, 30.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen sprechen für sich: Gut 20 Liter Wein trinken durchschnittlich deutsche Verbraucher pro Jahr. Und die Ansprüche wachsen. Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen an Bedeutung. Dazu achten immer stärker Menschen darauf, ob es ein Bio-Produkt ist. Kein Problem für das Weingut Graf von Kanitz.

„Es ist bereits seit 1968 Bio zertifiziert, das hat mich schwer beeindruckt“, sagt Marc Leitis. Seit dem 1. September ist er der neue Betriebsleiter des gräflichen Weingutes. Sich selbst will er nicht in den Vordergrund rücken, das Weingut und den abwechslungsreichen Beruf des Winzers hingegen gerne.

Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz formuliert es so: „Winzer/in bedeutet heute im Grunde drei Berufe in einem: Im Weinberg ist er Fachmann für die Planung und Pflanzung von Weinbergen; er ist Spezialist für den nachhaltigen Umgang mit dem Boden. Er beherrscht den Umgang mit spezialisierter Technik und Maschinen.

Zweiwöchiges Schülerpraktikum begeisterte für den Beruf

Im Keller kennt der Winzer die chemischen und biologischen Zusammenhänge, er ist ein Fachmann in Sensorik (Weinbeurteilung). Als Vermarkter ist er in der Lage überzeugt und überzeugend seine Weine zu präsentieren.“

Hört sich spannend an. Ist es nach Einschätzung von Marc Leitis auch. Ein zweiwöchiges Praktikum in einem mittelständischen Betrieb im Rheingau während der Schulzeit hat ihn für den Beruf so begeistert, dass er nach der mittleren Reife in dem Betrieb seine dreijährige Lehre begonnen hat. Um noch breiter aufgestellt zu sein, wechselte Leitis für das letzte Ausbildungsjahr in einen deutlich größeren Betrieb.

Vom Pflanzen neuer Reben bis zur Traubenlese und Vermarktung hat er viele Facetten des Berufes kennengelernt. Er hat Reden in der Sterngastronomie gehalten, hat bei verschiedensten Praktika viel gelernt, um anschließend jeweils ein Jahr Wirtschaft und Technik „zu büffeln.“ Jetzt leitet er ein Weingut mit langer Tradition.

Viele steile Lagen in Lorch am Rhein erfordern viel Handarbeit

Die Familie Graf von Kanitz bewirtschaftet in Lorch am Rhein schon seit Generationen ein Weingut mit einer Anbaufläche von 13,5 Hektar. Die eigenen Ansprüche sind hoch. Die Herausforderungen auch. Weil es viele steile Lagen gibt, ist viel Handarbeit notwendig. Der Aufwand ist nach Aussage von Marc Leitis auch deshalb so hoch, weil das Bio zertifizierte Weingut auf Herbizide verzichtet.

Dass die Familie von Kanitz „modern und nachhaltig denkt“, macht der neue Betriebsleiter auch an der Mitgliedschaft im Bundesverband ökologisch arbeitender Weingüter (EvoVin) fest. Der Verband wurde 1985 gegründet, bereits seit 1992 ist das Weingut Mitglied. Der bislang letzte große mutige Schritt folgte vor wenigen Jahren mit dem Weinanbau in Cappenberg.

Weine in Cappenberg in schönem Ambiente präsentieren

Während die Ernte hier mit erwarteten 100 Litern Riesling noch recht übersichtlich ist, beträgt die Jahresproduktion im gräflichen Weingut in Lorch rund 70.000 Flaschen. In Cappenberg will das Weingut künftig stärker Flagge zeigen. Marc Leitis und sein Team wollen Weine in schönem Ambiente präsentieren.

In der gräflichen Verwaltung an der Freiherr-vom-Stein-Straße 27 entsteht eine Vinothek. Zudem ist ein Weinkeller in dem ehemaligen Eiskeller der früheren Brauerei Cappenberg am Brauereiknapp geplant. Beides Initiativen, die Marc Leitis sehr „interessant findet“ und jetzt mit vorantreiben will.

Weitere größere Veränderungen plant der neue Betriebsleiter nicht. „Das Weingut steht sehr gut da.“ Allerdings gebe es kleinere Stellschrauben an den gedreht werden könne, um die Betriebsabläufe zu optimieren. Bleibt die Frage, welchen Wein Marc Leitis präferiert? „Im Winter gerne einen trockenen Rotwein und im Sommer ganz klar Riesling.“

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