Mahnwachen geplant: Stiller Protest in Selm gegen Missbrauch von Kindern

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Ihr Unverständnis wächst. Ihre Wut auch. Wut auf Menschen, die Kinder missbrauchen. Wut auf die Regierung, weil diese das Strafmaß zu gering halte. Wut, der Selmer Bürger Ausdruck verleihen.

Selm

, 03.07.2020, 11:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fraktion „Wir für Selm“ lädt zu Mahnwachen ein. „Wir möchten ein Zeichen setzen, um Druck auf die Regierung auszuüben, das bestehende Strafmaß bezüglich Missbrauch an Kindern zu überarbeiten“, heißt es zur Begründung in einer Pressemitteilung von Ratsmitglied Daniela Volle, einer der Organisatoren. „Aufgrund der Coronapandemie möchten wir interessierte Bürger bitten, eine Kerze auf den Vorplatz des Bürgerhauses zu platzieren“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Das ist der Zeitplan: Die Mahnwachen finden ab 12. Juli bis 16. August jeden Sonntag von 17 bis 19 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Bürgerhaus Selm statt.

Höheres Mindeststrafmaß gefordert

Was werfen die Veranstalter der Bundesregierung vor? „Wir werfen der Regierung jahrelange Untätigkeit vor“, sagt Daniela Volle auf Anfrage der Redaktion. „Wir fordern ein Ende der Verjährungsfrist. Wir fordern mehr Opferschutz. Wir fordern ein höheres Mindeststrafmaß.“ Der Strafrahmen müsse angehoben werden. „Kindesmissbrauch ist ein Verbrechen und kein Vergehen. Mehr Personal zur Aufklärung muss gestellt werden.“

Wie sollen die Mahnwachen genau ablaufen?

„Unterstützer stellen lediglich ihre Kerze auf den Vorplatz des Bürgerhauses und können sich dann wieder entfernen“, antwortet Daniela Volle. Wer vor Ort verweilen möchte, müsse den Abstand einhalten. „Mundschutz ist erforderlich.“ Grundsätzlich gelte: Pro Person eine Kerze. „Es dürfen auch Kerzen für Personen aufgestellt werden, die selbst nicht anwesend sind. Das Abräumen übernehmen wir“, kündigt die Fraktion an. Kerzen werden zum Selbstkostenpreis vor Ort gestellt.

Wird es Redebeiträge geben?

„Nein“, erklärt Daniela Volle. „Aufgrund Corona wollen wir erstmal auf einfachstem Weg auf das Thema aufmerksam machen. Es wird lediglich von uns, ohne Werbung, einen Schriftzug geben. So wurde es auch bei der Polizei angemeldet.“

Unterdessen hat Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ein Reformpaket zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder vorgestellt. Damit sollen unter anderem Kindesmissbrauch und der Besitz von Kinderpornos härter bestraft werden. Kernpunkt des Gesetzesvorhabens ist, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder künftig mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren geahndet werden soll. Bisher betrug die Mindeststrafe sechs Monate. Anders als bislang wird Kindesmissbrauch den Plänen des Ministeriums zufolge rechtlich als Verbrechen bezeichnet - und nicht mehr als Vergehen. Damit können die Verfahren auch nicht mehr eingestellt werden.

Hat die Tatsache, dass jetzt ein Paket der Justizministerin vorliegt, mit dem die Forderungen, die „Wir für Selm“ stellt, erfüllt werden sollen, Einfluss auf die Entscheidung, Mahnwachen zu veranstalten? Ist das jetzt nicht hinfällig?

Klare Antwort von Daniela Volle: „Nein, noch sind die Forderungen nicht erfüllt. Wollen kann man viel, was umgesetzt wird, sieht man dann.“

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