Die ersten Arbeiten am Lutherquartier haben begonnen. © Arndt Brede
Lutherquartier

Lutherquartier: Anwohner kritisiert Stadt für mangelnde Kommunikation

Wo einst die Lutherschule stand, soll bald ein Mehrfamilienhaus stehen. Die Vorgeschichte war mit Protest verbunden, der sich gegen den Gebäudeabriss richtete. Auch jetzt ist keine Ruhe im Thema.

Die ersten Bauarbeiten an der Schulstraße haben auf der Fläche des ehemaligen Gebäudes der Lutherschule begonnen. Und schon ist wieder Dampf auf dem Kessel. Hatten der Verkauf des Geländes an die Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) und der so ursprünglich nicht geplante komplette Abriss fast zu einem Bürgerentscheid geführt, ist es nun die Organisation der Baustelle, die sauer aufstößt.

„Wir Anwohner finden es mittlerweile lächerlich“, sagt ein Selmer. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Aber das, was ihn stört, teilt er der Redaktion so mit: „Ich war erstaunt, dass, als ich meinen Sohn aus dem Kindergarten abgeholt habe, die Einbahnstraßenregelung aufgehoben worden ist. Einfach so.“ Gemeint ist das Teilstück zwischen der Botzlarstraße und der Lange Straße.

„Wir als Anwohner sind nicht informiert worden“

Seit dem 10. Juni gelte diese Regelung. Das Einbahnstraßenschild an der Einfahrt zur nördlichen Schulstraße von der Botzlarstraße aus ist rot durchgestrichen. „Wir als Anwohner sind nicht darüber informiert worden“, sagt der Selmer. Er könne nicht begreifen, wie jemand so etwas in Auftrag gegeben haben kann. „Ich möchte mal sehen, wie es wird, wenn von vorn ein 40-Tonner kommt und von der anderen Seite Autos. Die Schlange wird lang sein. Ich möchte wissen, wie man dann vorwärts und rückwärts fahren soll.“ Zumal das angeordnete Parkverbot auch nicht immer so eingehalten werde, wie es sein soll.

Die Einbahnstraßeregelung der Schulstraße zwischen Botzlarstraße und Lange Straße ist für die Bauarbeiten am Lutherquartier aufgehoben. Das gefällt nicht jedem.
Die Einbahnstraßeregelung der Schulstraße zwischen Botzlarstraße und Lange Straße ist für die Bauarbeiten am Lutherquartier aufgehoben. Das gefällt nicht jedem. © Arndt Brede © Arndt Brede

Eine weitere Frage, die er sich stelle: „Wie ist überhaupt jetzt der Rettungsweg?“ Er frage sich auch, ob die Neuregelung in der Schulstraße an die Rettungsstellen kommuniziert worden sei.

Weiterer Kritikpunkt: „Wir haben von der Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft ein Schreiben bekommen, indem steht, dass die Baumaschinen über den Sandforter Weg und die Lange Straße fahren. Jetzt heißt es aber auf einmal, dass die Schulstraße genutzt wird.“ Er vermisse eine klare Kommunikation mit den Anwohnern.

Stadt: Ständiger Begegnungsverkehr nicht zu erwarten

Wir haben die Stadt Selm mit der Kritik konfrontiert. Stadtsprecher Malte Woesmann erklärt dazu: „Ein ständiger Begegnungsverkehr ist nicht zu erwarten. Nach Auskunft der beteiligten Baufirmen, stimmen sich die Lastwagen ab und werden maximal in Ausnahmefällen gleichzeitig an- und abfahren. Es gibt auch lediglich an der Ecke Schulstraße/Botzlarstraße einen sehr engen Fahrbahnquerschnitt. Der Rest ist ausreichend breit, sodass sogar ein Begegnungsfall möglich wäre. Das Parkverbot wird von unseren Politessen kontrolliert und bei Verstößen geahndet.“

Die Einbahnstraßenregelung habe die Stadt Selm angeordnet. Warum? „Nach intensiver Betrachtung des Baustellenverkehrs hat sich herausgestellt, dass für Sattelzüge nur der Weg entgegen der vorher geltenden Einbahnstraße, über die Botzlarstraße und dann auf die Schulstraße auf den Beifanger Weg die einzige Alternative ist“, führt der Stadtsprecher aus. „Andere Straßen können aufgrund der Fahrzeuggeometrien, Lenkradien, überfahrbaren Flächen etc. nicht genutzt werden, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Daher auch das zusätzliche Halteverbot auf der Schulstraße. Andere Wege sind nicht machbar. Unter anderem ist die Brücke über den Selmer Bach nicht für die Tonnagen des Bausstellenverkehrs ausgelegt.“

Die Straße sei nicht breit genug für Begegnungsverkehr zwischen Lastwagen auf der Schulstraße, sagt ein Anwohner. Die Stadt erklärt, warum das doch funktionieren kann.
Die Straße sei nicht breit genug für Begegnungsverkehr zwischen Lastwagen auf der Schulstraße, sagt ein Anwohner. Die Stadt erklärt, warum das doch funktionieren kann. © Arndt Brede © Arndt Brede

Wie verlaufen jetzt die Rettungswege und sind die Änderungen in der Verkehrsführung mit den Rettungsdiensten etc. kommuniziert worden?

Woesmann: „Die Rettungswege bleiben unbetroffen von den Maßnahmen. Die Leitstellen werden nur informiert, wenn negative Effekte aufgrund von Vollsperrungen zu erwarten sind.“

Wie steht die Stadt zum Vorwurf der mangelnden Kommunikation mit den Anwohnern? „Ein Anwohnerbrief war bereits in Vorbereitung. Aufgrund von nachträglich noch einmal vorgenommenen Änderungen / Anpassungen der Verkehrsführung, musste der Brief nebst der Karte mit der geltenden Verkehrsregelung überarbeitet werden.“ Dieser Brief sollte nach Auskunft Woesmanns mittlerweile bei den Anwohnern angekommen sein.

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Redaktion Selm
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Arndt Brede

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