"Kriegskind" zeigt Kathrin Exner seine Heimatstadt Saigon

Selmerin in Vietnam

SELM Schon ein halbes Jahr lang arbeitet die junge Selmerin Kathrin Exner an einer Schule im Mekong Delta in Vietnam - im Rahmen des weltwärts-Freiwilligendienstes. Und dennoch kommt es ihr vor, als hätte sie er vor ein paar Wochen das Flugzeug Richtung Vietnam bestiegen.

26.01.2010, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kathrin Exner besucht Nguyen Phong Dien zuhause.

Kathrin Exner besucht Nguyen Phong Dien zuhause.

Es ist schon so unglaublich viel passiert und ich habe viel dazu gelernt,"  schreibt Katrin Exner, "immer wieder gibt es Erlebnisse und Begegnungen, die meinen Aufenthalt hier zu etwas ganz Besonderem machen.Treffen mit Nguyen Phong Dien Eine solche Begegnung hatte ich mit dem Vietnamesen Nguyen Phong Dien. Er hat eine ganz besondere Lebensgeschichte, die die Autorin Bruni Prasske in ihrem Buch "Immer noch träume ich von Deutschland" erzählt.

Sie berichtet auch von gemeinsamen Reisen mit Dien durch Vietnam. Dieses Buch hatte ich vor meiner Ausreise nach Vietnam gelesen und später eine Mail an Bruni Prasske geschrieben, da ich so vieles aus ihrem Buch selbst gesehen und erlebt hatte. Schließlich ergab sich für mich die großartige Chance Dien in Ho-Chi-Minh-Stadt zu treffen. Denn er war nach acht Monaten in Deutschland gerade wieder nach Vietnam zurückgekommen.

Dien ist als Kind zu Zeiten des Krieges durch einen Granatsplitter an der Wirbelsäule verletzt worden und seitdem ist er querschnittsgelähmt. Über die Hilfsorganisation "terre des hommes" wurde er als Kleinkind mit einigen anderen Kindern nach Deutschland gebracht. Dort verbrachte Dien eine für ihn wunderbare Zeit, bis er und andere kurz vor dem Ende des Krieges wieder zurück nach Vietnam gebracht wurden. Dien und Buchautorin Bruni PrasskeDort herrschten andere Verhältnisse und eine andere Einstellung gegenüber Behinderten als in Deutschland. Kein leichtes Leben für Menschen, die im Rollstuhl sitzen und deren Mitmenschen eine Behinderung für eine Strafe Gottes halten. Dien hat sich durch sein Leben gekämpft und doch lässt ihn die Erinnerung an die schöne Zeit in Deutschland nicht los. Als er 2007 auf die Autorin Bruni Prasske traf, änderte sich vieles für ihn.

Ich konnte mir kaum vorstellen, wie man in diesem Land mit einem Rollstuhl zu recht kommen kann. Es gibt so viele schlechte Straßen und kleine, baufällige Gebäude. Doch schon im Buch habe ich erfahren, dass Dien trotz Behinderung sehr mobil ist. Es aber mit eigenen Augen zu sehen, wie er sich ohne Hilfe von seinem Rollstuhl auf sein dreirädriges Moped schwingt, und das allein mit der Kraft aus dem Oberkörper, ist beeindruckend. Sein Deutsch ist nahezu perfekt und er hat viel Charme.Mit Dien durch Saigon

Gemeinsam sind wir auf seinem Moped durch Saigon gefahren und vielen neugierigen Blicken begegnet. Ich habe seine Wohnung gesehen, in der er mit seiner Familie zusammenlebt.

Sie ist sehr klein, aber mit dem Rollstuhl gut passierbar. Die Familie hat mich freundlich aufgenommen und sein kleiner quirliger Neffe ist mir richtig ans Herz gewachsen. Dien hat mir Filme gezeigt, die über sein Leben berichten und wir haben darüber gesprochen, was aus all den anderen Kindern geworden ist, die mit ihm zusammen in Deutschland waren. In dem Buch erzählt Dien offen von dem Leben mit seiner Behinderung und genauso offen konnte ich auch mit ihm reden.Hoffen auf Wiedersehen

Von diesem Menschen kann man unglaublich viel lernen, denn trotz aller Schwierigkeiten strotzt er nur so vor Lebensfreude und Kraft. Stundenlang habe ich in seiner Wohnung gesessen und bin in seine Geschichte eingetaucht.

Die Zeit ist dabei viel zu schnell verflogen und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen.

Für mich ist Dien ein ganz besonderer Mensch, von dem ich schon jetzt vieles gelernt habe. Ich wünsche mir, dass sein Traum in Deutschland zu leben, wahr werden kann und wir uns irgendwann einmal wieder begegnen."

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